Titel: Ueber das Färben von Schmuckfedern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 3 (S. 318–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi04_3

Ueber das Färben von Schmuckfedern.

Hierüber gibt Dr. M. Reimann in seiner Färberzeitung einige Mittheilungen, die wir zur Ergänzung der früher von uns gebrachten ihrem wesentlichen Inhalt nach hier folgen lassen. Zum Entfetten empfiehlt Reimann Bäder von kohlensaurem Ammoniak oder schwacher Sodalösung, in welche die Federn sorgsam eingelegt werden, so daß sie sich nicht biegen oder gar brechen können. Nach dem Färben muß die Feder in steter Bewegung getrocknet werden, damit die Daunen frei emporstehen und die Feder ihre natürliche Gestalt wieder zurückerhält.

Die wichtigste und gerade die am schwierigsten zu färbende Farbe ist das Schwarz. Folgende zwei Verfahren sind hierfür von ausgezeichnetem Erfolge.

Auf 1/2 Pfd. Federn verwendet man ein 30° C. warmes Bad von 50 Liter Wasser, in welchem man 1 Pfd. calcinirte Soda auflöst. Die Kiele der Federn reibt man mit einem Stückchen kohlensaurem Ammoniak ab und legt die ganzen Federn |319| eine Viertelstunde in die Sodalösung. Statt der Soda kann man das Doppelte an kohlensaurem Ammoniak anwenden und die Federn über Nacht hineinlegen. Nach dem Herausnehmen spült man in warmem Wasser, legt die Federn 5 bis 6 Stunden in ein 7° B. starkes Bad von salpetersaurem Eisen ein, nimmt heraus und spült kalt. Weiter koche man 2 Pfd. Campeche-Blauholz und 2 Pfd. Quercitronrinde ab, gehe mit den Federn auf das lauwarme Bad und hantire dieselben in dem Bade, während man letzteres langsam erwärmt, bis es heiß ist, aber nicht kocht. Man läßt die Federn darin, bis sie völlig schwarz sind, nimmt sie dann heraus, und spült in lauwarmem Wasser. Endlich löst man 6 Loth Potasche in 6 Liter Wasser und rührt 1/2 Pfund Oel in die Lösung ein, so daß es sich darin völlig vertheilt. Durch dieses Bad nimmt man die Federn einzeln hindurch, läßt ablaufen ohne zu drücken und schwingt sie. Zu diesem Zweck befestigt man alle Federn mit den Kielen an einem langen Bindfaden, den man in einem gut geheizten Trockenzimmer aufspannt. Mehrere solcher Bindfäden verbindet man in der Mitte durch einen quer gezogenen Bindfaden, dessen Ende man längere Zeit hin und her zieht. Die Bindfäden und mit ihnen die daran hängenden Federn kommen dadurch in stete Schwingung, trocknen während derselben und erhalten dadurch ihren natürlichen Glanz zurück. Hat man nur wenig Federn zu bearbeiten, so faßt man sie einzeln am Stiel an und schwingt sie vor der offenen Thür einer Feuerung bis zum Trocknen hin und her. Viele Federfärber legen die Federn nach dem Färben und Spülen lagenweise in einen Kasten und überpudern sie mit Gyps, legen dann wieder Federn darüber und streuen darauf Gyps und so fort, nehmen noch feucht heraus und schwingen nun trocken. Die letzten Reste Gyps werden mit einer weichen Bürste entfernt. In diesem Falle gebraucht man kein Oelbad. Die Kiele werden dann glatt gerieben und die Federn mit einem passenden Brenneisen gekräuselt, welches nach der Breite der Kräuselung mehr oder weniger gewölbt seyn muß.

Ein zweites ebenfalls auf 1/2 Pfd. Federn berechnetes Verfahren ist folgendes. – Man zieht ab, wie oben angegeben, spült und kocht 2 Pfd. präparirten Catechu ab, läßt absetzen und zieht die klare Flüssigkeit behutsam ab. Mit dieser stellt man sich eine 40° C. warme Flotte her, in welche man die Federn 1 bis 2 Stunden einlegt und darin hantirt. Nach dem Herausnehmen legt man in ein kaltes Bad von holzsaurem Eisen von 3 bis 4° B. eine Stunde ein, spült und färbt mit Blauholz und Quercitron aus, wie oben angegeben. Die weitere Behandlung ist wie bei dem ersten Verfahren.

Zum Braunfärben werden die Federn wie für Schwarz vorbereitet und – ebenfalls auf 1/2 Pfd. berechnet – in einer Abkochung von 2 Pfd. Catechu ebenso behandelt, wie bei Schwarz angegeben. Nach dem Herausnehmen bestellt man ein 50 bis 60° heißes Bad mit 1/4 Pfd. chromsaurem Kali, bringt die Federn auf dieses Bad und hantirt sie darin, bis die Färbung vollendet ist. Ist das Braun nicht dunkel genug, so gebe man zwei Züge. Will man ein dunkles Braun (Schwarzbraun) haben, so gehe man nach dem Catechubade mit den Federn in ein kaltes Bad von holzsaurem Eisen von 2° B. und bringe die Federn von da auf das Chrombad.

Die Anilinfarben lassen sich im lauwarmen Bade ohne weiteres auf Federn färben. Für hellere Farben werden die Federn nach dem Entfetten in die Schwefelkammer gebracht und geschwefelt. Man stellt die Flotte einfach durch Zusatz der filtrirten Lösung des Anilinfarbstoffes zu einem lauwarmen Wasserbade her, bereitet die Federn vor wie angegeben, schwefelt wenn nöthig und hantirt sie in der Farbflotte bis zur Erzielung der gewünschten Nüance. Die spätere Behandlung beim Spülen und Trocknen ist dieselbe wie bei Schwarz angegeben. – Rosa färbt man mit schwacher Fuchsinlösung, Magenta mit stärkerer, Violett mit wasserlöslichem Patentviolett sowohl röthlich als bläulich, röthliches Blau mit wasserlöslichem Bleu de Lyon, grünliches Blau mit wasserlöslichem Bleu de lumière. Man kann das ächtere Alkaliblau auf Federn färben, indem man in der Farbflotte 2 Loth Soda auflöst und die Lösung des Alkaliblau dazu bringt, auf der Flotte hellblau anfärbt und die Federn auf ein bereit gehaltenes Bad mit 2 Loth Schwefelsäure bringt. Das Blau avivirt sich wie gewöhnlich. – Grün erzeugt man durch Färben in der Auflösung von Jodgrün, Orange in einer Lösung von gelbem Corallin, Ponceau in der Lösung von rothem Corallin. Eine Lösung von gelbem Corallin geht durch Zusatz von Ammoniak von Orange in Roth, die rothe Lösung durch Zusatz von Essigsäure von Roth in Orange |320| über. Man kann also jede Nüance durch Zusatz von Ammoniakflüssigkeit zur Auflösung von gelbem Corallin erzielen und darin färben. Das Ponceau mit Corallin ist schöner als die auf Stoff hergestellten gleichen Farben; nur ist sie sehr unächt, was aber für die Federn nicht schadet. Bei Corallin muß das Einlegen in Pottaschenlösung vermieden und die Federn ohne weiteres geölt werden. Für Weiß werden die geschwefelten Federn mit einer ganz schwachen Auflösung von bläulichem Patentviolett geblaut, im übrigen aber behandelt wie oben angegeben. In neuerer Zeit gibt man den Federn gern an der Spitze der Daunen einen bronceartigen Schein. Diesen erhält man folgendermaßen. Bläuliches oder röthliches Patentviolett löst man in Alkohol von 90 Proc. im Wasserbade zu einer concentrirten Lösung und bestreicht mit dieser die fertig gefärbten und geölten Federn mittelst eines Pinsels an denjenigen Stellen, welche broncirt erscheinen sollen. Der Alkohol verdampft schnell und hinterläßt einen schönen Broncereflex. Man verwendet hierzu nur spiriuslösliches Violett, da das wasserlösliche durch die Berührung mit den Fingern schon leicht abfärbt.

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