Titel: Zur Luftschifffahrts-Frage.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 1 (S. 392–393)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi05_1

Zur Luftschifffahrts-Frage.

Herr Fabrik-Director A. Jarolimek in Hainburg a. d. Donau gibt in einer vorläufigen Mittheilung einen neuen Weg zur Lösung dieses Problems an, der im Wesentlichen auf der Benützung flacher, gekuppelter Schirme bei großen seitlichen Fahrgeschwindigkeiten und auf der Anwendung eines eigenthümlichen Dampf-Reactionspropellers beruht.

Nach den Berechnungen des Genannten soll sich bei dem nach seinem Sinne erzielten Fluge in der Horizontalen das Verhältniß des Arbeitsaufwandes zu der Größe der getragenen Last viel günstiger gestalten, als es von Kargl für das Schweben der Vögel berechnet wurde, so daß unter Zuhülfenahme des projectirten Antriebapparates bei dem nur geringen Gewichte desselben eine zur Bewirtung des fortgesetzten Fluges völlig ausreichende Kraft resultiren würde.

Durch das Kuppeln mehrerer Schirme in bestimmter Weise neben- und auch übereinander soll einerseits die Stabilität des ganzen Apparates in der ihm zugedachten Stellung bedeutend erhöht und andererseits eine große Schirmfläche bei möglichst gedrängter und leichter Construction erzielt werden. Die Propeller-Vorrichtung ihrerseits basirt auf der Anwendung einer größeren Anzahl kleiner Vorlagen, welche in die sich nach und nach erweiternden Reactionsröhren eingeschaltet werden. Der Dampf soll hiebei alle Gefäße – resp. deren Mündungen – mit der gleichen Geschwindigkeit passiren und während des Ausströmens ganz successive expandiren, so daß ein großer Theil seiner lebendigen Kraft in einfachster Weise nutzbar gemacht wird.

An die nach diesem System ausgeführten Luftschiffe wird die Erwartung geknüpft, daß nicht allein deren Fahrrichtung in Bezug auf den Horizont, d.h. nach auf- oder abwärts, und zwar durch die bloße Verschiebung des Schwerpunktes stets rasch verändert werden, sondern daß auch der Lauf der Schiffe nach allen Richtungen der Windrose und bei jedem Winde geregelt werden könnte, indem derselbe durch die Stellung eines segelartigen Steuers und der Dampfausströmungsröhren leicht zu reguliren wäre. Nach Jarolimek's Ausführungen ist es bei Anwendung seiner windfangenden Schirme unter Umständen möglich, sogar conträren Wind mit Vortheil zu benützen, und beabsichtigt der Erfinder die Theorie seines Apparates zunächst an kleinen Traject- oder Distanz-Fallschirmen vollständiger zu erproben, |393| die auch ohne besonderen Antrieb, unter Benützung eines vorhandenen oder geschaffenen Gefälles die möglich längsten Strecken im Horizonte unter Beschreibung eines vorgezeichneten Bogens durch die Luft zurücklegen.

Die Red. des polytechn. Journals.

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