Titel: Bleiplatten in großen Dimensionen darzustellen; von Ingenieur Dr. J. H. Ellenberger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 3 (S. 394–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi05_3

Bleiplatten in großen Dimensionen darzustellen; von Ingenieur Dr. J. H. Ellenberger.

Es ist eine durch die Erfahrung vollkommen festgestellte Thatsache, daß die gewalzten Metalle, den chemischen Einflüssen einen bei weitem geringeren Widerstand leistend, bei allen ihren Verwendungsarten durch frühzeitige Zerstörung ein ebenso kostspieliges als unverläßliches Material bilden, während das gegossene und gehämmerte Metall, weil den besagten Wirkungen länger wiederstehend, ein viel dauerhafteres und daher ökonomischeres Hülfsmittel der Technik liefert.

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Ich berufe mich hier beispielsweise auf die Erfahrungen mit gewalzten und mit gegossenen Blei- oder Zinkbedachungen.

Abgesehen von diesem Uebelstande bietet das Walzen größerer Dimensionen durch eine limitirte Länge des „Rollers“ bei vielen Anwendungen, wozu bedeutende Breiten nöthig sind, unübersteigliche Hindernisse; z.B. beim Baue der Bleikammern für Schwefelsäurefabriken, zu welchen man bisher auch in den größten Walzwerken keine über 6 bis 8 Fuß breite Platten liefern konnte; ein Uebelstand, der um so empfindlicher wird, weil die Mehrzahl der Bleiwalzwerksbesitzer selten über 4 Fuß breite Bleche zu erzeugen in der Lage sind.

Bei den Röhren konnten gleichfalls größere Durchmesser durch Compression nicht dargestellt werden, weil die angewendeten Maschinen keiner zu den größeren Dimensionen erforderlichen Vergrößerung fähig sind.

Gelegentlich einer vor mehreren Jahren gemachten technischen Rundreise fand ich in mehreren französischen Bleiwalzwerken folgende Methoden benutzt, um ganz außerordentliche Formate von Platten und Röhren aus Blei und Zink herzustellen.

a) Für Platten. Eine aus feinem Formsand, Lehm, Cement, Stein- oder Gußeisenplatten gebildete vollständig horizontal gelagerte Formfläche, die sogenannte Gußbahn, wird an ihren beiden Langseiten mittelst zweier eiserner Lineale derart abgegrenzt, daß die parallele Entfernung der letzteren von einander der gewünschten Plattenbreite entspricht, während die über die Gußbahn vorstehende Linealkante die Dicke der zu erzeugenden Metallfläche regulirt. An der Außenseite der beiden Lineale befindet sich, entweder an diesen selbst angebracht oder in der Gußbahn ausgehöhlt, eine rinnenförmige Vertiefung.

Um den Guß der Platte zu vollziehen, wird das Metall oder die Legirung in einem an der oberen Seite des Gußtisches befindlichen Ofen oder Schmelzkessel so weit über den Schmelzpunkt erhitzt, daß eine den letzteren um circa 20 bis 25 Grad übersteigende Temperatur erlangt wird, wornach man das flüssige Metall in einem eisernen Gießtrog absticht. Dieser Trog hat eine etwas größere Länge als die Breite der durch die beiden Lineale abgegrenzten Fläche beträgt und wird an der Außenkante der Gußbahn mittelst auf Schienen laufender Rollen bewegt. Es wird nun dieser mit geschmolzenem Metall gefüllte Trog am oberen Ende der Gußbahn derart nach und nach durch Umkippen geleert, daß ein egales Ueberlaufen der Gußbahn stattfindet, wobei gleichzeitig ein Verschieben nach dem unteren Bahnende stattfindet.

Dicht hinter dem Gießtrog führen zwei Handlanger ein auf den beiden Seitenlinealen aufliegendes Lineal derart über die ausgegossene Metallfläche, daß diese vollkommen eben und flach abgestrichen wird, bevor noch die Erstarrung eingetreten ist. Dieses Streichmesser kann nach Umständen auch direct an dem Gestelle des Gießtroges angebracht werden, so daß es dann keiner weiteren Führung durch die Hand benöthigt. Das als überflüssig abgestrichene Metall sammelt sich in den beiden Längsrinnen, von wo es nach dem Erkalten wieder in den Schmelzofen zurückgegeben wird. Da beim Erstarren der gegossenen Platten bekanntlich eine gewisse Zusammenziehung stattfindet, so muß beim Stellen der beiden Seitenlineale die entsprechende Verbreiterung beobachtet werden. In dieser Weise können Platten bis zu 3 bis 4 Meter Brette auf fast 8 Meter Länge gebildet werden, welche nach vollständigem Erkalten von der Gußbahn ohne Schwierigkeit abzurollen sind.

b) Für Röhren werden hohle, aus Guß- oder Schmiedeeisen erzeugte Formen benutzt, welche mittelst ähnlicher Vorrichtungen wie die Centrifugen der Zuckerfabriken in sehr schnelle Rotation versetzt werden, wobei sich die Zahl der Umdrehungen nach der Agilität und dem specifischen Gewichte des zu vergießenden geschmolzenen Metalles richtet. Das letztere wird in die rotirende Form mittelst einer einfachen schnabelförmigen Rinne des Schmelzofens gegossen, und durch die Centrifugalkraft an die innere Form derart gleichmäßig angelegt, daß sich in dieser Weise ein vollkommen egalwandiger hohler Körper bildet, behufs dessen leichter Herausnahme aus dem Modelle letzteres an seiner Innenfläche mit Graphit oder fein geschlämmtem trockenem Thonstaub gut eingerieben wird. Wird statt der rotirenden cylindrischen Form eine solche von schalenförmigem Querschnitte gewählt, so lassen sich hierdurch alle beliebigen Dimensionen von Abdampfschalen erzeugen, welche dann ohne weitere Vorbereitungen – höchstens, daß man ihre Innenseite etwas glättet – in Gebrauch genommen werden können. – Es liegt auf der Hand, daß derart erzeugte Platten, Röhren, |396| Schalen etc. bedeutend billiger hergestellt werden, als nach den bisherigen Verfahrungsarten mittelst Walzen, Pressen oder Hammerarbeit. (Wochenschrift des nieder-österreichischen Gewerbevereines, 1873 S. 223.)

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