Titel: Vortheilhafte Verwendung der Manganlauge in der Glasindustrie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 5 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi05_5

Vortheilhafte Verwendung der Manganlauge in der Glasindustrie.

Der Chlorkalkfabrikant weiß oft kaum, was er mit der lästigen Brühe der sogenannten Manganlauge, die sich bei der Darstellung von Chlorkalk als Nebenproduct bildet, anfangen soll und fällt nicht selten, wenn er selbe fortfließen läßt, bei der Nachbarschaft in Ungnade, denn die saure Manganflüssigkeit schadet allem Organischen und verdirbt außerdem das nahe liegende Wasser.

Die Manganlauge entsteht bei der Zersetzung von Braunstein mittelst Salzsäure. Es entwickelt sich hierbei Chlor, welches als eine Gasart weiter geleitet und in großen Kammern mit Kalk zu Chlorkalk vereinigt wird, und es bildet sich Manganlauge, welche als saure Flüssigkeit in den Zersetzungsgefäßen zurückbleibt.

Diese Lange, welche der chemische Fabrikant oft umsonst abgibt, kann sich der Glasfabrikant sehr nutzbar machen und ein Product daraus herstellen das gewöhnlichen |397| Braunstein vollständig ersetzt, denn es enthält außer Braunstein nur noch Kalk in Verbindung.

Da nun aber der Kalk, welcher mit dem Braunstein in Verbindung ist, dem Glasfabrikanten durchaus nicht schädlich seyn kann und überdieß das entstandene Product keine andere Verunreinigung, namentlich kein Eisen, welches die entfärbende Kraft des Braunsteines sehr beeinträchtigt, enthält, so kann der Einführung des billigen Abfalles in die Glasindustrie kein Hinderniß entgegenstehen.

Die gelbe, saure Lauge, wie selbe abfließt, gießt man in einen geräumigen Holzbottich, so daß derselbe etwa, zu 1/3 davon angefüllt wird und gibt sodann gestampften, ungebrannten Kalk hinein. Die Flüssigkeit fängt an zu brausen und zu schäumen, die Kohlensäure des Kalkes entweicht und der Kalkstein löst sich theilweise auf unter Bildung von Chlorcalcium.

Sobald das Brausen aufhört und auch durch erneute Zugabe von Kalksteinpulver nicht mehr von neuem entsteht, überläßt man die Flüssigkeit der Ruhe.

Es scheidet sich nach und nach ein bräunlicher eisenhaltiger Schlamm von der überstehenden fleischfarbigen eisenfreien Flüssigkeit und setzt sich zu Boden.

In einem zweiten Bottich bringt man nun eine Quantität zu Pulver gelöschten Kalk und gießt sodann so viel von der eben bereiteten klaren, hellrothen Manganflüssigkeit unter Umrühren dazu, bis ein dickflüssiger Brei entstanden ist.

Dieser halbflüssige Brei hat die Eigenschaft sich auf der Oberfläche rasch zu bräunen. Streicht man selben auf einen trockenen Ziegelstein, so geht die Bräunung noch rascher vor sich und dringt nach und nach bis in's Innere vor und in kurzer Zeit hat man eine Masse, die durch und durch dunkelbraun, fast schwarz erscheint.

Um aus dem weißlichen Mangan-Kalkbrei ein brauchbares Product zu erhalten, trocknet man ihn vollständig aus und calcinirt ihn auf kurze Zeit bis sich die dunkelbraune Farbe entwickelt hat. Man braucht nun die braune Masse nur noch zu zerreiben, vollständig mit Wasser auszuwaschen und wieder zu trocknen, um ein ganz gutes Braunstein-Surrogat zu erhalten. (Aus dem bayerischen Industrie- und Gewerbeblatt, Mai 1873.)

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