Titel: Ueber das Methylgrün.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 15 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi06_15

Ueber das Methylgrün.

Die Substitutionsproducte des Rosanilins mit Alkoholradicalen stellt man bekanntlich neuerdings, statt durch Einwirkung der beireffenden Jodverbindung auf ein Rosanilinsalz (Fuchsin), direct durch Oxydation von Methylanilin dar. Man erhält so statt des sogenannten Jodvioletts die gleiche chemische Verbindung auf directem Wege, ohne Mitwirkung des so kostspieligen Jods. Die so dargestellten Violetts gaben keine andere Zusammensetzung, als die unter dem Namen Jodviolett bisher bekannten Verbindungen; man bringt dieselben aber, um ihre Darstellung anzudeuten, |467| unter dem Namen Methylviolett in den Handel. Sie zeichnen sich dadurch aus, daß sie durch künstliche Beleuchtung nicht, wie die früher erzeugten Violetts, beeinträchtigt werden.

Die immer mehr um sich greifende Darstellung des Methylvioletts konnte auf die Herstellung der Grünverbindung, des sogen. Jodgrüns, dessen Bildungsweise und Zusammensetzung im polytechn. Journal, 1869, Bd. CXCIV S. 66 angegeben sind), nicht ohne Einfluß bleiben. Man bemühte sich, aus dem Methylviolett durch Vereinigung mit Verbindungen des Radicals Methyl die grüne Methyl-Methylrosanilinverbindung herzustellen. In diesem Falle ist die Anwendung von Jodmethyl nicht absolut nothwendig, und man erzeugt deßhalb in mehreren süddeutschen Fabriken die Chlorverbindung des Grün, welche bereits in hübschen Krystallen – nicht als amorphes Pulver, wie das Jodgrün – in den Handel kommt. Die Chlorverbindung löst sich weit leichter in Wasser, als die bisher angewendete Jodverbindung. Da sie nicht als ein Nebenprodukt der Violettfabrication gewonnen ist, und ihr also kein fremder Farbstoff anhaftet, so geben die frischen Flotten ein ebenso saftiges Grün, wie schon benutzte, während das Jodgrün bekanntlich auf frischer Flotte weniger saftige Nüancen gibt, als nach schon vorangegangener Färbung. Dabei zeigt das sogenannte Methylgrün dem mit Jodmethyl erzeugten Farbstoff gegenüber zwei wichtige Vorzüge.

Es ist erstens beständiger als das Jodgrün, da man die Lösungen desselben, also auch eine Flotte, kochen kann, ohne daß die Verbindung sich zersetzt. Ferner färbt das Methylgrün die Wolle ohne weiteres. Man hat also nicht mehr nöthig, zuerst mit Ammoniak zu neutralisiren und später mit Säure zu aviviren, wie es früher in der Wollenfärberei nöthig war. Dieß ist für Schattirungsfärberei von der größten Wichtigkeit. Befördern nun schon die erwähnten Vortheile die Einführung des direct dargestellten grünen Farbstoffes, so erheischt auch das Interesse des Fabrikanten, das Anilingrün auf directe Art ohne Mithülfe von Jod darzustellen. Bekanntlich ist das Jod wegen seiner bedeutenden Verwendung in der Anilinfarbenfabrication seit neun Jahren auf das Vierfache im Preise gestiegen, so daß die Fabrication mit Jod immer kostspieliger wurde. Die Entfernung dieses Körpers aus der Farbenfabrication wird ein wesentliches Fallen der Jodpreise zur Folge haben. (Reimann's Färberzeitung, 1873, Nr. 17.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: