Titel: Kieselguhr zur Umhüllung von Dampfröhren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 3 (S. 462)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi06_3

Kieselguhr zur Umhüllung von Dampfröhren.

Im Mannheimer Bezirksverein deutscher Ingenieure gab Hr. Hilt einen Bericht über die von Refardt u. Comp. in Braunschweig empfohlene Anwendung von Kieselguhr (die im Braunschweigischen in großen Lagern vorkommende Infusorienerde) zur Herstellung von Wärme- undurchlässigen Schichten, wie solche bei Eis- und Lagerkellern, zu Wandungen für feuerfeste Behälter, zur Bedeckung von Dampfkesseln, Umhüllung von Dampfleitungsröhren u.s.w. gebraucht werden. Referent knüpfte an eine von ihm in einer früheren Sitzung angeregte Discussion über die Zweckmäßigkeit der Einhüllung von langen Dampfleitungen in feuchten Schächten mittelst Sägemehl an und bemerkte dabei, daß die damals geäußerte Befürchtung etwaiger Selbstentzündung des feuchten Sägemehles sich als grundlos erwiesen, indem eingehende Versuche des Hrn. Dr. Stahlschmidt constatirt hätten, daß dazu mindestens eine Temperatur von 180° C. erforderlich sey. Nach dem vorliegenden Circular sey Kieselguhr ein noch schlechterer Wärmeleiter als selbst trockene Steinkohlenasche, und komme hierin der Flachsscheibe nahezu gleich. Ein anderer Vorzug sey ihre außerordentliche Leichtigkeit. Während ein Kubikmeter trokener Erde 1500 bis 2050 Kil. und ein Kubikmeter trockener Steinkohlenasche 650 bis 675 Kil. wiege, sey das Gewicht eines gleichen Volumens Kieselguhr nur 345 bis 413 Kil. Daß letztere nicht entzündlich und selbst im stärksten Feuer unveränderlich sey, sowie gegen das Eindringen von Ratten und Mäusen schütze, sichere ihr in vielen Fällen den Vorzug vor Flachsscheibe, Lohe, Torf, Sägespänen und ähnlichen Materialien, mit denen sie sonst bezüglich der Wärmeleitung auf gleicher Stufe stehe. Was die Anwendung der Kieselguhr zur Umhüllung von Dampfleitungsröhren betrifft, so glaubte Referent, daß sich hierzu eine Mischung derselben mit Leinsamenabsud sehr eignen werde. Der Preis der Kieselguhr bester Qualität stellt sich pro Waagon von 100 Centner auf 40 Thlr., von der zweiten Sorte auf 20 Thlr.

Hr. Dr. Hasenclever knüpfte hieran die Bemerkung, daß er kaum ein schlechter die Wärme leitendes Mittel kenne als den Gyps, welcher bei der Wiedergewinnung des Schwefels aus den Sodarückständen in sehr feiner krystallinischer Form zurückbleibe. Derselbe werde sich zur Einhüllung von Dampfröhren besonders eignen, und stelle die Rhenania solchen zu etwaigen Versuchen gern bereit. (Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1873, Bd. XVII S. 181.)

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