Titel: Versuche mit Phosphorbronze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209, Nr. XXX. (S. 186–189)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/ar209030

XXX. Versuche mit Phosphorbronze.

Aus der deutschen Industriezeitung, 1873, Nr. 32.

Bekanntlich haben Montefiore-Levi und Künzel vor einiger Zeit gefunden, daß die Festigkeit und Zähigkeit der Bronze durch Zusatz von Phosphor (in Form von Phosphorkupfer) ansehnlich zunehme.56) Neuerdings ist nun die Festigkeit solcher Phosphorbronze an verschiedenen Orten eingehend untersucht worden und können wir über die Versuchsresultate Folgendes mittheilen.

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Bei den Versuchen in der an der königl. Gewerbeakademie zu Berlin errichteten Versuchsstation zur Prüfung der Festigkeit von Stahl und Eisen ertrug der erste in die Versuchsmaschine eingesetzte Phosphorbronze-Barren bei einer Spannung von 200 Ctr. pro Quadratzoll 408230 Dehnungen, ehe der Riß erfolgte, ein Barren aus gewöhnlicher Bronze von gleichen Dimensionen zerriß dagegen schon, bevor er die beabsichtigte Spannung von 200 Ctr. pro Quadratzoll erreicht hatte. Bei einem zweiten Stab gewöhnlicher Bronze, der mit größter Vorsicht mit gleichfalls 200 Ctr. Spannung pro Quadratzoll in die Maschine gelegt wurde, erfolgte der Bruch schon nach 4200 Dehnungen. Ein Stab von Phosphorbronze, der mit 250 Ctr. pro Quadratzoll eingelegt war, zerriß erst nach 147850 Dehnungen, ein dritter hat mit 150 Ctr. Spannung bis jetzt, ohne zu brechen, 480000 Dehnungen ausgehalten. – Noch günstigere Resultate lieferten die Versuche mit Hülfe einer anderen Maschine, durch welche oft wiederholte Biegungen (bis zu 40000 pro Tag) hervorgebracht wurden. Ein Stab von Phosphorbronze zerriß bei einer äußersten Faserspannung von 200 Ctr. pro Quadratzoll erst nach 862980 Biegungen, und zwar nur in den gedehnten Fasern, während gewöhnliche Bronze von gleichen Dimensionen und bei gleicher Spannung schon nach 102650 Anstrengungen vollständig durchbrach. Ein Stab Phosphorbronze hat bei 180 Ctr. Spannung pro Quadratzoll bis jetzt 1,260000 Biegungen ausgehalten.

Die Versuchs-Resultate sind nachstehend tabellarisch zusammengestellt:

Textabbildung Bd. 209, S. 187
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Textabbildung Bd. 209, S. 188

Weiter wurden im polytechnischen Institut in Wien von Professor R. Jenny Versuche über die Elasticität und Festigkeit eines Phosphorbronzestabes aus der Phosphorbronze-Gießerei von Georg Höper und Comp. in Iserlohn mit folgenden Resultaten angestellt:

Elasticitätsmodul für die
Längendehnung in
Kilgrm. pro Quadr.-Millimt.
Zugfestigkeit an der
Elasticitätsgrenze in
Kilgrm. pro Quadr.-Millimt.
Zugfestigkeit an der
Bruchgrenze in
Kilogrm. pro Quadr.-Millimt.
9857 13,74 40,40

Die 9 sorgfältig gemessenen Dehnungen vor der Elasticitätsgrenze waren so gleichmäßig, wie sie nur bei den besten isotropen Materialien vorkommen, das Material verhielt sich bis nahe zum Bruch sehr kräftig und der Bruch erfolgte regelmäßig in einem Querschnitt des adjustirten Schaftstückes.

Oberst Uchatius, Director der k. k. Geschützgießerei in Wien, fand für die absolute Festigkeit von Phosphorbronze (Special-Qualität für Geschützrohre) folgende Werthe:

Absolute Festigkeit
in Kilogrm. pro
Quardratcentimeter
Elasticitätsgrenze
in Kilogrm. pro
Quadratcentimeter

Streckung
Proc.
Phosphorbronze Nr. 4 3600 bis 3340 600 bis 400 20,66 bis 14,66
„ Nr. 5 5660 bis 5540 3800 bis 2800 1,6 bis 2,26
Krupp's Geschützstahl hat 5000 1000 11
Normale Geschützbronze 2200 385 15
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Endlich gibt Dr. David Kirkaldy in London folgende Tabelle der Zug- und Dehnungsfestigkeit von gezogenem Draht:

In englischem Maaß und Gewicht
Zugbelastung in Pfdn.
pro Quadratzoll
Verlängerung
beim Bruch
Dehnungen auf
5''
ungeglüht geglüht in Procenten ungeglüht ungeglüht
Kupferdraht 63,122 37,002 34,1 86,7 96
Eisendraht (bestes Holzkohleneisen) 65,834 46,160 28,0 48,0 87
Stahl 120,976 74,637 10,9 22,4 79
Phosphorbronze Nr. 1 159,515 58,853 46,6 13,3 66
„ Nr. 2 151,119 64,569 42,8 15,8 60
„ Nr. 3 139,141 54,111 44,9 17,3 53
„ Nr. 4 120,957 47,787 34,1 22,3 52
„ Nr. 5 120,950 53,381 42,4 13,0 124
„ Nr. 6 102,739 49,351 37,5 6,7 87

Von Interesse ist auch ein Oxydationsversuch mit Schiffsplatten aus Phosphorbronze und Kupfer, wornach der Gewichtsverlust durch die sechsmonatliche oxydirende Einwirkung des Seewassers im Mittel

für beste englische Kupferbleche 3,058 Proc.
für Phosphorbronzebleche aber nur 1,158 Proc. betrug.

Die Fabrication und Gießerei von Phosphorbronze wird von Georg Höper und Comp. in Iserlohn bereits in großem Maaßstab betrieben und liefern dieselben namentlich Achsenlager, Walzenmuttern, Kammwalzen, conische Räder, Schiffsbeschläge, Schiffsbolzen und Propeller-Schrauben aus Phosphorbronze.

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Man s. polytechn. Journal, 1871, Bd. CCII S. 48.

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