Titel: Tahon, über Danks' Puddelofen.
Autor: Tahon,
Fundstelle: 1873, Band 209, Nr. XXXI. (S. 189–194)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/ar209031

XXXI. Ueber Danks' Puddelofen; von Tahon.

Dieser Ofen57) ist im Allgemeinen wie im Besonderen gut erdacht und ausgeführt. Alle seine Theile sind solid und die besten Dispositionen wurden getroffen, um die dem Feuer am meisten ausgesetzten zu schonen. Seiner nebensächlichen Theile entkleidet, erscheint der Apparat, der auf den Zeichnungen den Eindruck eines sehr complicirten Mechanismus macht, als eines der einfachsten Instrumente.

Der Herd besitzt nichts Eigenthümliches; es ist derselbe aller Oefen mit Gebläsewind. Die einzige Neuerung besteht in einer Doppelreihe |190| kleiner Düsen, die über dem Brennmaterial beginnen; sie gestatten das Gas zu verbrennen, große Hitze zu erzeugen und für die chemischen Reactionen des Puddelns eine oxydirende Flamme hervorzubringen.

Die Rotationstrommel oder der Affinirraum, den man durch die Erhitzung für leicht zerstörbar halten könnte, ist vollkommen widerstandsfähig. Das Gleiche gilt von dem beweglichen Canal. Aufgehängt an einer Lufteisenbahn ist er nach Bedürfniß ebenso leicht zu handhaben wie eine gewöhnliche Ofenthür. Das Ganze wird durch die kleine Umtriebmaschine vervollständigt. Zu bemerken ist, daß eine besondere Maschine für jeden Ofen erforderlich ist, da die Veränderungen der Geschwindigkeit, der Bewegung und der Kraftäußerungen zu verschieden sind, um denselben Motor für mehrere Oefen anwenden zu können. Zudem sind diese Maschinen wenig kostspielig, beanspruchen wenig Raum und hindern die Arbeiten keinesweges.

Der Apparat und seine Maschine sind einfach, handlich und dauerhaft. Der, den wir zu Middlesbrough arbeiten sahen, ging seit 5–6 Monaten und wir fanden keine bedeutenden Veränderungen. Man kann also behaupten, daß er für die Industrie gut verwendbar ist.

Was die innere Auskleidung des Ofens betrifft, so könnte ein Umstand gegen ihn einnehmen; es fragt sich, ob man sich allgemein die zur Auskleidung passenden Massen verschassen kann. Diese Frage scheint aber erledigt zu seyn durch die große Auswahl an englischen, norwegischen oder spanischen Erzen, die man dazu verwenden kann. Die Erfahrung wird sicherlich noch andere nachweisen, außer den künstlichen Schlacken, deren vollkommene Brauchbarkeit Danks selbst nachgewiesen hat und die z.B. in Belgien in Ermangelung von Erzen dargestellt werden können. Nimmt man aber an, daß man hierin auf das Ausland angewiesen ist, selbst zu hohen Preisen, so wird man immer dadurch eine Compensation erlangen, daß diese Erze durch Reduction die gewonnene Eisenmenge bedeutend vergrößern.

Untersucht man nun, wie der Apparat die verschiedenen Operationen des Puddelns verwirklicht, so findet man zunächst, daß die Schmelzung im Ofen selbst bewirkt oder daß ihm das Roheisen in flüssigem Zustande übergeben werden kann. Jene Methode ist schlecht. Denn, um das Schmelzen zu bewirken und zu verhindern daß die Charge die Ausfütterung zu sehr zerfresse, indem sie an derselben Stelle schmilzt, muß man sie ab und zu durch eine partielle Rotation des Ofens in der Lage verändern. Dabei aber beschädigen die Blöcke durch das Rollen die Fütterung oder sie setzen sich zuweilen an der Seite fest und reißen, indem sie sich wieder ablösen, die Auskleidung theilweise ab. Läßt man |191| also den Apparat in Ruhe oder bewegt man ihn, so ist dieß immer gleich mißlich für die Auskleidung. Außerdem sind die hohe Lage der Feuerbrücke und die runde Form des Ofens Ursache, daß die Schmelzzeit in Danks' Ofen bedeutend länger ist als im gewöhnlichen. Sie beträgt 40–45 Minuten an Stelle von 25–30.

Hält man das Eisen in einem anderen Ofen flüssig, so umgeht man diese Schwierigkeiten und die ganze wirkliche Arbeit des Ofens, für die er bestimmt ist, wird erreicht, weil er nur puddeln soll; man verdoppelt die Chargenzahl und spart an Brennmaterial. Das Eisen muß also jedenfalls in flüssigem Zustande aufgegeben werden und wird am besten direct vom Hohofen genommen. Bei zwei Hohöfen, die jeder 50 Tonnen Roheisen liefern, würde sonach an Stelle einer doppelten Gießhalle eine einzige Danks'sche Hütte mit 12 Rotir-Oefen, ein Squeezer und ein Puddelwerk treten, und der Handel würde an Stelle von Gänzen feine oder grobe blooms beziehen. Welche enorme Ersparniß würde bei einer solchen Anlage in den Kosten des Gießens, des Einformens, des Transportes, des Umschmelzens eintreten, ganz abgesehen von der bedeutenden Ersparniß an Raum und der Einfachheit der Ausführung. Es ist sehr wahrscheinlich, daß sich hierauf die Untersuchungen aller Derer richten werden, die sich für diesen amerikanischen Proceß interessiren. Die Reinigung, diese zweite Arbeitsperiode, erfolgt nach Danks viel vollkommener. Das Durcharbeiten mit der Hand ist verschwunden; der Arbeiter hat nur die Maschine zu leiten und die Phasen der Operation zu überwachen. Enthoben jener schwierigsten Arbeit, kann er dieser die größte Aufmerksamkeit zuwenden und die besten Resultate erzielen. Durch die Erzstücke, die aus der inneren Auskleidung hervorragen und durch eine geringere Bewegung des Ofens wird das Bad heftig durchgerührt; es erfolgt ein sehr energisches und vollständiges Durcharbeiten. Das Eisenoxyd der Auskleidung zerlegt sich, der Sauerstoff wird frei und durchdringt, sich vom Boden des Bades loslösend, die ganze Masse unter Wallungen, wobei der im Roheisen enthaltene Kohlenstoff schnell verbrennt. Das darauf folgende Luppenmachen geschieht schnell und gut. Ist das Eisen hierzu fertig, so wird die ganze Masse durch einige Umdrehungen des Apparates gesammelt und die Luppe bildet sich durch Rotation selbst. Ist die Luppe herausgenommen, was mit einer wahrhaft staunenswerthen Leichtigkeit und Schnelligkeit geschieht, so bringt man sie in den Squeezer Danks', der sich dieser voluminösen Masse von 3 bis 500 Kilogrm. bemächtigt und sie in eine bloom verwandelt, schneller als dieß irgend ein Stempel thun könnte.

Die Frage des Ausbringens hat schon viele Discussionen hervorgerufen. |192| Dieß kommt daher, weil der Danks-Ofen in dieser Beziehung wirklich ein ganz neues Resultat liefert; er producirt mehr Eisen als man zum Puddeln aufgibt.

Dieser Zuwachs rührt von der Reduction eines Theils der inneren Erz-Auskleidung durch den Kohlenstoff und die anderen metalloidischen Elemente, die das Roheisen enthält, her. Amerikanische und engliche Versuche haben diese Thatsache vollkommen dargethan; dieselbe wirft alle früheren Annahmen über das Puddeln und den Abbrand über den Haufen und zwar derart, daß man von grauem, kieselreichem Eisen mehr Ausbringen erwartet, als von weißem, kieselarmem.

Angesichts dieses Resultates entsteht eine sehr wichtige Frage. Soll man im Hohofen weißes Eisen produciren, welches ein größeres Ausbringen liefert und sich im gewöhnlichen Ofen leicht verarbeitet, oder soll man mit Aufwand von etwas mehr Brennmaterial graues, kieselreiches Roheisen erblasen, welches im mechanischen Ofen ein bedeutend höheres Ausbringen gibt? Die Praxis wird diese ökonomische Seite des neuen Systemes klarlegen.

Ebenso hat man häufig die Möglichkeit, durch den neuen Proceß Stahl oder feinkörniges Eisen darzustellen, besprochen. Unsere Erfahrungen sind leider noch nicht so weit gediehen, aber wir glauben mit Hrn. Snelus daß, wenn man die Eisenmasse in dem Moment wo sie noch eine kleine Menge Kohlenstoff und am wenigsten Kiesel, Schwefel und Phosphor enthält, d.h. etwas vor ihrer Entfernung aus dem Ofen, nimmt, man leicht Stahl erzeugen wird und mit größerer Regelmäßigkeit als im Reverberirofen, da der Rotirofen ein äußerst lenksames Instrument ist. Die Ventile, durch einen besonderen Arbeiter geschickt gehandhabt, werden leicht eine carburirende oder eine oxydirende Luft liefern, wie es diese Fabrication erheischt. Andere Versuche können auf die Gemenge von Danks' Puddeleisen mit phosphorfreiem Roheisen sich richten.

Eine der vorzüglicheren Anwendungen des amerikanischen Systemes wird sicherlich die directe Fabrication von Schienen und anderen großen Stücken mit Hülfe der blooms bilden. Es folgt von selbst, daß die massiven Schienen, gewonnen aus einer einzigen homogenen Luppe, berufen sind, die Schienen aus aus Packeten geschweißten Barren unmittelbar zu ersetzen. Was die Dauerhaftigkeit dieser neuen Schiene gegenüber jener der alten betrifft, dieß zu untersuchen, wird im höchsten Grade interessant seyn.

Aus Vorstehendem können folgende Schlüsse gezogen werden.

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  • 1) Der Apparat Danks ist eine praktische Erfindung und für einen regelmäßigen dauernden Betrieb geeignet;
  • 2) er beseitigt das Handpuddeln und ersetzt es durch eine für das Affiniren sehr zweckmäßige mechanische Bewegung. Die Folgen sind Arbeiter- und Lohnersparniß.
  • 3) Production und Qualität des Productes werden erhöht und verbessert, während zugleich das Ausbringen sich steigert.

Unter diesen Vortheilen ist einer so mächtig, daß er näher zu beleuchten bleibt. Außer Verringerung der Arbeiterzahl gestattet dieser Proceß der Industrie noch, sich von den Schwachheiten und Launen der Arbeiter sehr unabhängig zu machen. Bekanntlich erfordert das Puddeln seitens des Arbeiters viele Kenntnisse, die er sich nur durch eine langsame Heranbildung und lange Praxis aneignet. Und dieß sind die beiden Hebel, welche in bösen Tagen die Macht des Arbeiters bilden und ihn auf die Bahn der Coalitionen führen. Durch das mechanische Puddeln werden alle Arbeiter für dieselbe Arbeit geeignet und die Gefahr der Coalitionen wird auf immer beseitigt.

Der Rotirofen entspricht so in glücklicher Weise den Anforderungen einer bequemen, schnellen, regelmäßigen und ökonomischen Arbeit, und wir können unsererseits nur dem Lobe beistimmen, welches das englische Eisen- und Stahlinstitut dem Erfinder zu Theil werden läßt, daß er sich durch diese Vervollkommnung um die Eisenindustrie, um die Gesellschaft wohl verdient gemacht habe; um die Industrie, indem er drei großen Bedürfnissen genügte, der Verbesserung, der Oekonomie und der Arbeitsunabhängigkeit; um die menschliche Gesellschaft, indem er eine zahlreiche Arbeiterclasse einer schweren und gesundheitsschädlichen Beschäftigung entzog.

Capital und Arbeit werden dadurch stets gewinnen.

Seit der Erfindung des Puddelns durch Cort 1784 ist dieß einer der Processe, der die größte Aufmerksamkeit verdient. Andere Neuerungen werden folgen, der Rotirofen selbst wird vielleicht vortheilhaft geändert werden, aber in Wirklichkeit bildet er einen großen Schritt zum erwünschten Ziel.

Jedenfalls wird er auf die gewöhnliche Puddelarbeit einen günstigen Einfluß ausüben, indem er eindringlich den Weg gezeigt hat zu Untersuchungen der Oxyde und der verschiedenen Stoffe, welche zur Auskleidung der Puddelöfen passen, indem er den Vortheil dargethan hat, den man dadurch geschickt erzielen kann.

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Schon aus diesem Grunde ist er zu den besten Neuerungsversuchen der alten Eisenhüttenkunde zu zählen. (Revue universelle, 1. livr. de 1873, p. 21; (berg- und hüttenmännische Zeitung.)

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Beschrieben im polytechn. Journal, 1872, Bd. CCIII S. 277.

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