Titel: Kolb, Untersuchung über die Säuregehalte der wässerigen Schwefelsäure.
Autor: Kolb, J.
Fundstelle: 1873, Band 209, Nr. XLVIII. (S. 268–278)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/ar209048

XLVIII. Untersuchung über die Säuregehalte der wässerigen Schwefelsäure von verschiedenem specifischem Gewicht; von J. Kolb.

Aus dem polytechnischen Centralblatt, 1873 S. 826.

Es sind zwar mehrere Tabellen vorhanden, welche den Säuregehalt der wässerigen Schwefelsäure von verschiedenem specifischem Gewicht nachweisen; aber die meisten derselben sind sehr alt und stimmen nicht mit einander überein. Bei den vervollkommneten analytischen und densymetrischen Methoden, welche wir jetzt besitzen, kann man auch bezüglich der Genauigkeit höhere Anforderungen stellen, und eine Revision dieser früheren Arbeiten erschien daher als angemessen. Die neueste derselben, vom Jahre 1848, ist die von Bineau, damals Professor der Chemie in Lyon. Die Tabelle von Bineau beruht offenbar auf sehr sorgfältigen Versuchen; aber sie mußte, schon weil sie die einzige genauere Tabelle über den in Rede stehenden Gegenstand war, mittelst der jetzigen vervollkommneten Methoden auf ihre Richtigkeit geprüft, und die Untersuchung mußte dabei besonders auch auf die gewöhnliche, nicht ganz reine Säure des Handels ausgedehnt werden.

Die Industrielle Gesellschaft in Mülhausen (Elsaß) hatte daher die Ausarbeitung einer neuen, genauen Tabelle über die Säuregehalte der wässerigen Schwefelsäure von verschiedenen: specifischem Gewicht, und zwar nicht nur für die reine Schwefelsäure, sondern auch für die Säure des Handels, als Preisaufgabe gestellt, und dafür eine Medaille erster Classe bestimmt. Hr. I. Kolb hat nun diese Aufgabe bearbeitet und den ausgesetzten Preis erhalten. Er hat seine Untersuchungen in einer Abhandlung, welche im Bulletin de la Société industrielle de Mulhouse, Juli und August 1872, p. 209 u. f., abgedruckt ist, ausführlich beschrieben. Das Nachstehende ist theils dieser Abhandlung, theils einem von Rosenstiehl über dieselbe an die genannte Gesellschaft erstatteten, in demselben Hefte des Bulletin, p. 238 u. f. abgedruckten Berichte entnommen.

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Im ersten Theile seiner Abhandlung bespricht Kolb die früheren Arbeiten über den in Rede stehenden Gegenstand und beschreibt das Verfahren, welches er angewendet hat, um Schwefelsäure im Zustande größter Reinheit zu erhalten. Dieses Verfahren bestand in Folgendem:

Die gewöhnliche Säure von 66° Baumé wurde zunächst destillirt und dadurch von Eisen- und Bleisulfat befreit. Das Destillat wurde mit Wasser verdünnt, und in die verdünnte Säure leitete man schweflige Säure, um die salpetrigen Verbindungen zu zerstören und die Arsensäure in arsenige Säure zu verwandeln. Letztere wurde dann durch Schwefelwasserstoff gefällt. Die von dem Schwefelarsen decantirte Säure, welche nun rein war, wurde durch eine Reihe von Destillationen und Kochungen zu dem Maximum der Concentration gebracht, welches auf diese Weise zu erlangen war. Dasselbe entsprach einem Gehalte der Flüssigkeit an HO, SO³ von 99,72 Proc. Um diese Flüssigkeit vollständig in Monohydrat zu verwandeln, löste Kolb etwas wasserfreie Schwefelsäure darin auf und trieb dann den Ueberschuß derselben durch Erwärmen auf 200° C. wieder aus. Das so erhaltene Product ergab bei der Analyse einen Gehalt von 99,95 Proc. HO, SO³, enthielt also immer noch 0,05 Proc. überschüssiges Wasser. Kolb glaubt, daß dieser geringe Wassergehalt davon herrührte, daß beim Wägen trotz der angewendeten Vorsicht etwas Feuchtigkeit aus der Luft angezogen wurde. Rosenstiehl ist aber der Ansicht, daß man nicht zu dieser Erklärung seine Zuflucht zu nehmen brauche; die Verbindung HO, SO³ sey, wie Marignac gefunden habe, in der Wärme sehr unbeständig und zersetze sich schon bei 30 bis 40° zum Theil, indem sie Dämpfe von wasserfreier Schwefelsäure entwickle; um so mehr habe dieß also bei der Temperatur von 200°, welcher Kolb seine Säure aussetzte, geschehen können. Der geringe Gehalt der das Monohydrat bildenden concentrirten Säure an überschüssigem Wasser sey jedoch praktisch ganz ohne Bedeutung; denn er habe auf das spec. Gewicht derselben keinen bestimmbaren Einfluß.

Kolb fand das spec. Gewicht dieser Säure, also des Hydrates HO, SO³, bei 0° = 1,857, was mit der von Marignac gefundenen Zahl, 1,854, nahezu übereinstimmt.

Der erste Theil der Abhandlung bezieht sich ferner auf die von Kolb ausgeführten Bestimmungen des spec. Gewichtes oder der Dichtigkeit der wässerigen Schwefelsäure. Dieselben geschahen mittelst eines Regnault'schen Fläschchens, und es wurden dabei alle nöthigen Vorsichtsmaßregeln und Correctionen angewendet. Es wurden 18 Dichtigkeitsbestimmungen für verschiedene, angemessen |270| zwischen 0 und 100 Proc. vertheilte Concentrationsgrade gemacht, und die Resultate derselben sind in der Abhandlung angegeben. Die Dichtigkeiten wurden sowohl bei 0° als bei 100° C. bestimmt, wodurch es möglich wurde, sie für jede zwischen diesen beiden Punkten liegende Temperatur zu berrchnen. Kolb hat diese Berechnung für die Temperatur von 15° C. ausgeführt.

In jeder Probe, deren Dichtigkeit bestimmt wurde, wurde auch der Säuregehalt bestimmt. Dieß geschah der größeren Genauigkeit wegen durch Fällen mit Chlorbaryum und Wägen des schwefelsauren Baryts. Die Resultate stimmen mit den Zahlen, welche Bineau durch Neutralisiren mit einer titrirten Natronlösung fand, nahezu überein. Kolb hat diese Uebereinstimmung recht in die Augen fallend gemacht, indem er, die Dichtigkeiten als Ordinaten und die Säuregehalte als Abscissen benutzend, seine und Bineau's Resultate, für eine und dieselbe Temperatur berechnet, auf einer Tafel graphisch verzeichnete; ein Abdruck dieser Tafel ist seiner Abhandlung beigefügt. Die so gebildeten beiden Curven verlaufen einander sehr nahe, fallen an mehreren Stellen zusammen und entfernen sich nur in dem der concentrirten Säure entsprechenden Theil ein wenig mehr von einander.

Der zweite Theil der Abhandlung beschäftigt sich mit der Schwefelsäure des Handels, nämlich mit dem Einflusse, welchen die gewöhnlich in derselben vorkommenden Verunreinigungen auf die Dichtigkeit derselben ausüben. Diese Verunreinigungen sind schweflige Säure, Sauerstoffverbindungen des Stickstoffes und des Arsens, und schwefelsaures Bleioxyd. Die Arsenverbindungen hat Kolb, da dieselben in der Schwefelsäure nur in sehr geringer Menge vorkommen, unberücksichtigt gelassen. Hinsichtlich der anderen genannten Körper hat er zunächst durch Versuche bestimmt, in welcher Menge sie sich bei 15° in Schwefelsäure von verschiedener Concentration auflösen, und welchen Einfluß sie, wenn die Schwefelsäure mit ihnen gesättigt ist, auf die Dichtigkeit derselben ausüben.

In Bezug auf die schweflige Säure ergab sich, daß die concentrirte Schwefelsäure nur 0,009 ihres Gewichtes oder ihr 58faches Volum von derselben auflöst, und daß ihre Dichtigkeit dabei von 1,841 auf 1,837 sinkt. Die verdünnte Schwefelsäure löst mehr schweflige Säure auf, und um so mehr, je verdünnter sie ist. So lange die Säure noch ziemlich concentrirt ist, nimmt ihre Dichtigkeit dabei ab; die Säure von der Dichtigkeit 1,839 z.B. löst 0,014 oder ihr 89faches Volum schweflige Säure auf, und ihre Dichtigkeit wird dadurch 1,831. Bei der mehr verdünnten Säure dagegen nimmt, wenn man sie mit schwefliger Säure |271| sättigt, die Dichtigkeit etwas zu; so lösen die Säuren von der Dichtigkeit 1,407 und 1,227 beziehentlich 0,032 (159 Volume) und 0,068 (297 Vol.) schweflige Säure auf, und ihre Dichtigkeit wird dadurch beziehentlich 1,419 und 1,244. Bei der Säure von der Dichtigkeit 1,540 findet fast gar keine Aenderung der Dichtigkeit statt; dieselbe löst 0,021 oder ihr 112faches Volum schweflige Säure auf, und ihre Dichtigkeit wird dadurch = 1,541.

Die schweflige Säure ist ein Körper, welcher fast niemals in der Schwefelsäure des Handels vorkommt. Häufiger findet man Sauerstoffverbindungen des Stickstoffes darin.

Was zunächst die Salpetersäure anbetrifft, so kommt dieselbe in der Kammerschwefelsäure vor; der Gehalt derselben an Salpetersäure bleibt jedoch, – da man selbst bei dem fehlerhaftesten Betriebe, um 100 Th. HO, SO³ zu bekommen, nicht mehr als höchstens 5 Th. Salpetersäure anwendet, – wohl immer unter 5 Proc. vom Gewichte des darin enthaltenen Monohydrats. Kolb hat daher Schwefelsäure von 1,327 bis 1,512 specifischem Gewicht mit so viel reiner Salpetersäure von 1,352 spec. Gewicht vermischt, daß dieselbe 5 Proc. des darin enthaltenen Monohydrats betrug, und die Dichtigkeiten dieser Gemische bestimmt. Es ergab sich, daß dieselben mit den aus den Gemengtheilen berechneten Dichtigkeiten übereinstimmten, daß also keine Aenderung des Volumens stattgefunden hatte. Die Gegenwart von Salpetersäure in der Kammerschwefelsäure modificirt also die Relation zwischen der Dichtigkeit um dem Gehalt an HO, SO³; aber dieser Einfluß ist nur gering, da die Kammerschwefelsäure immer nur wenig Salpetersäure enthält. Die concentrirtere Schwefelsäure (von 60,63 oder 66'') enthält niemals Salpetersäure, was sich daraus erklärt, daß man, um die Säure bis zu 60° zu concentriren, eine Temperatur anwenden muß, bei welcher die Salpetersäure in Gegenwart überschüssiger Schwefelsäure nicht bestehen kann. Man findet daher in der Schwefelsäure von 60 bis 66° wohl Spuren von salpetriger Säure, aber niemals Salpetersäure. Diese Bemerkung bezieht sich selbstverständlich nur auf die Säure des Handels, nicht auf die Säure aus dem Gay-Lussac'schen Apparat.

Das Stickstoffoxydgas wird von concentrirter Schwefelsäure gar nicht aufgelöst. Schwefelsäure von 1,426 specifischem Gewicht löst 0,017 Proc., Schwefelsäure von 1,327 spec. Gewicht 0,020 Proc. dieses Gases auf. Die Löslichkeit desselben ist hiernach so gering, daß seine Gegenwart auf die Dichtigkeit der Schwefelsäure keinen merklichen Einfluß ausüben kann.

Um den Einfluß der salpetrigen Säure zu ermitteln, leitete |272| Kolb in Schwefelsäure von verschiedener Concentration ein Gemisch von trockener Luft und überschüssigen: trockenen Stickstoffoxydgas, wobei bekanntlich NO³, nicht NO⁴ entsteht. Er erhielt dabei die in der folgenden Tabelle zusammengestellten Resultate.

Dichtigkeit der 100 Theile Säure enthalten
nach dem Einleiten
reinen
Säure
mit NO³
gesättigten
Säure
vor dem
Einleiten
HO, SO³

NO³

NO⁵

HO, SO³
Menge von HO, SO³, welche
eine reine Säure von der
Dichtigkeit der gesättigten
Säure enthalten würde
1,841 1,868 99,9 4,25 Spuren 94,5 ?
1,793 1,814 86,2 4,12 1,28 82,8 89,2
1,749 1,751 81,4 3,90 1,55 76,2 81,4
1,621 1,628 70,7 2,30 1,10 68,6 71,0
1,512 1,519 60,7 0,74 0,31 60,2 61,5
1,426 1,434 52,7 0,25 0,24 53,0 53,6
1,327 1,336 42,2 0,11 0,76 40,8 43,4

Bei der Säure von 1,841 specifischem Gewicht wurde das Einleiten unterbrochen, als sich einzelne Krystalle bildeten, die sich nicht wieder auflösten. Bei mehrstündigem Einleiten wurde eine dicke, syrupartige Masse von 1,898 spec. Gewicht erhalten, welche aus 80,4 HO, SO³, 19,6 NO³ und Spuren von NO³ bestand. Auch die Säure von 1,749 spec. Gewicht kann mit salpetriger Säure eine dicke, halbflüssige Masse bilden, welche 8,6 Proc. NO³ und 2,6 Proc. NO³ enthält. Die Säure von 1,621 spec. Gewicht wird beim Einleiten des Gases merklich gelb, krystallisirt aber nicht. Die Säure von 1,512 spec. Gewicht wird schön grün; bei der Säure von 1,426 spec. Gewicht ist das Grün noch intensiver; bei derjenigen von 1,327 specifischem Gewicht wird es aber wieder sehr blaß.

Aus der obigen Tabelle ergibt sich, daß bei Schwefelsäure von den Dichtigkeiten, wie man sie im Handel und in der Fabrication gewöhnlich antrifft, die Sättigung mit salpetrigen Producten den Säuregehalt in Beziehung zur Dichtigkeit um 1 bis 7 Proc. erniedrigt. Solche gesättigte Säure dürfte man aber, außer in den Gay-Lussac'schen Apparaten, wohl kaum antreffen.

In Bezug auf das schwefelsaure Bleioxyd fand Kolb, daß bei gewöhnlicher Temperatur

100 Theile Schwefelsäure von 1,841 spec. Gew. 0,039 Th.,
„ „ 1,793 0,011
„ „ 1,540 0,003
|273|

dieses Salzes auflösen. Bei Säure von größerer Verdünnung kann man das Blei in 200 Kubikcentimeter derselben nicht mehr bestimmen. Durch die Gegenwart von schwefliger Säure wird die Löslichkeit des schwefelsauren Bleioxydes in Schwefelsäure nicht verändert. Die Gegenwart von Salpetersäure erhöht sie aber etwas; 100 Th. Schwefelsäure von 1,841 und von 1,749 specifischem Gewicht, versetzt mit je 5 Th. Salpetersäure von 1,352 specifischem Gewicht, lösten nämlich beziehentlich 0,044 und 0,014 Th., 100 Th. Schwefelsäure von 1,512 specifischem Gewicht, mit derselben Menge von Salpetersäure versetzt, jedoch nur Spuren von schwefelsaurem Bleioxyd auf. Durch Sättigung der Schwefelsäure mit salpetrigen Producten wird das Lösungsvermögen derselben für dieses Salz nicht merklich verändert. Wie aus dem Vorstehenden sich ergibt, ist das schwefelsaure Bleioxyd bei gewöhnlicher Temperatur selbst in concentrirter Schwefelsäure so wenig löslich, daß es auf die Dichtigkeit derselben keinen merklichen Einfluß haben kann.

Im Ganzen ergibt sich aus diesen Versuchen, daß die Dichtigkeit der Schwefelsäure nur dann merklich abgeändert wird, wenn sie eine verhältnißmäßig beträchtliche Menge Salpetersäure enthält, oder wenn sie mit salpetrigen Producten (NO³, NO⁵) gesättigt ist.

Um nun festzustellen, in welcher Menge die verschiedenen fremdartigen Stoffe in der Praxis wirklich in der Schwefelsäure vorkommen, und in welchem Maaße sie einen Einfluß auf die Dichtigkeit derselben ausüben, hat Kolb die Säure aus den verschiedenen Theilen des zu ihrer Erzeugung dienenden Apparates hinsichtlich ihrer Zusammensetzung und ihrer Dichtigkeit untersucht, und zwar sowohl bei normalem Gange als bei Ueberschuß oder Mangel an Salpetersäure. Er erhielt dabei die nachstehenden Resultate.

Flüssigkeit aus dem ersten oder Denitrifications-Tambour.

In diesem Tambour soll die aus den Oefen kommende schweflige Säure die Säure der Endkammern und diejenige des Gay-Lussac'schen Apparates denitrificiren.

Gang bei Ueberschuß von Salpetersäure.

Dichtigkeit 1,489

100 Theile enthalten
NO³
NO⁵
PbO, SO³
HO, SO³
0,023
0,000
Spuren
59,1
100 Th. sollten nach der Theorie (d.h. wohl:
nach der Dichtigkeit) enthalten HO, SO³ 58,8.
|274|

Gang bei Mangel an Salpetersäure.

Dichtigkeit 1,417

100 Th. enthalten
SO²
PbO, SO³
HO, SO³
0,008
nicht bestimmbare Spuren
51,6
100 Th. sollten nach der Theorie enthalten
HO, SO³ 52,0.

Es ist leicht sogleich zu erkennen, ob eine Säure Oxyde des Stickstoffes oder schweflige Säure aufgelöst enthält. Man verdünnt sie mit Wasser und vermischt sie mit einer verdünnten Lösung von Jodkalium. Verdünnte Salpetersäure hat auf dasselbe keinen Einfluß; aber die übrigen Oxyde des Stickstoffes bewirken eine Gelbfärbung, indem sie Jod frei machen. Die schweflige Säure entfärbt im Gegentheil eine Jodlösung.

Flüssigkeit aus dem zweiten oder Oxydations-Tambour.

Es ist dieß die Kammer, in welcher der den Gang des Apparates unterhaltende Salpetersäure-Strahl über einer Terrasse von Steinzeug herab fließt.

Gang bei Ueberschuß von Salpetersäure.

Dichtigkeit 1,445

100 Th. enthalten
NO³
NO⁵
PbO, SO³
HO, SO³
0,04
0,02
nicht bestimmbare Spuren
54,9
100 Th. sollten nach der Theorie enthalten
HO, SO³ 54,6.

Gang bei Mangel an Salpetersäure:

Dichtigkeit 1,489

100 Th. enthalten
NO³
NO⁵
PbO, SO³
HO, SO³
0,023
0,000
Spuren
58,1
100 Th. sollten nach der Theorie enthalten
HO, SO³ 58,9

Flüssigkeit aus der großen Kammer, so wie sie zur Concentration gelangte.

Es ist dieß die Kammer, in welcher die Hauptreaction stattfindet, und wo der größte Theil der Schwefelsäure sich condensirt.

Normaler Gang.

Dichtigkeit 1,488

100 Th. enthalten
NO³
NO⁵
PbO, SO³
HO, SO³
0,010
0,000
Spuren
58,6
100 Th. sollten enthalten HO, SO³ 58,8
|275|

Flüssigkeit aus der Endkammer, d.h. aus der Kammer wo die Säure am allgemeinsten mit salpetrigen Producten beladen ist.

Normaler Gang.

Dichtigkeit 1,478

100 Th. enthalten
NO³
NO⁵
PbO, SO³
HO, SO³
0,02
Spuren
Spuren
58,2
100 Th. sollten enthalten HO, SO³ 57,8

Gang mit Ueberschuß von Salpetersäure.

Die Flüssigkeit ist grün und erscheint sehr salpetrig.

Dichtigkeit 1,420

100 Th. enthalten
NO³
NO⁵
PbO, SO³
HO, SO³
0,170
0,040
Spuren
51,4
100 Th. sollten enthalten HO, SO³ 52,0

Gewöhnlicher Gang.

Dichtigkeit 1,457

100 Th. enthalten
NO³
NO⁵
PbO, SO³
HO, SO³
0,03
0,00
Spuren
56,00
100 Th. sollten enthalten HO, SO³ 55,8.

Flüssigkeit, so wie sie aus dem thönernen Gay-Lussac'schen Apparat austrat.

Gewöhnlicher Gang.

Dichtigkeit 1,714

100 Th. enthalten
NO³
NO⁵
PbO, SO³
HO, SO³
1,6
0,9
0,006
76,7
100 Th. sollten enthalten HO, SO 78,2.

Flüssigkeit, so wie sie aus einem anderen, bleiernen Gay-Lussac'schen Apparat austrat

Dichtigkeit 1,721

100 Th. enthalten
NO³
NO⁵
PbO, SO³
HO, SO³
3,17
1,14
Spuren
75,8
100 Th. sollten enthalten HO, SO³ 78,9.

Aus dem Apparat ausgetretene und bis 60° concentrirte Säure.

Dichtigkeit 1,717

100 Th. enthalten
SO²
PbO, SO³
HO, SO³
0,005
0,013
78,6
100 Th. sollten enthalten HO, SO³ 78,3.
|276|

Dieselbe Säure, bis 66° concentrirt.

Dichtigkeit 1,834

100 Th. enthalten
SO²
Pb, SO³
HO, SO³
0,003
0,031
94,2
100 Th. sollten enthalten HO, SO³ 93,5.

Abgesehen von der Säure aus dem Gay-Lussac'schen Apparat, welche aber nicht in den Handel gebracht wird, sondern in die Fabrication zurückgeht, findet man, wie Kolb bemerkt, in keiner dieser Proben eine solche Menge fremder Stoffe, daß dadurch die Dichtigkeit der Säure erheblich verändert würde. Diese Bemerkung macht Kolb selbstverständlich vom technischen Standpunkt aus; eine Dichtigkeitsbestimmung könne niemals eine wirkliche Analyse ersetzen; aber für technische Zwecke sey eine so absolute Genauigkeit nicht nothwendig. Auch werde ja in der Industrie der Gehalt der Säure nicht durch die eigentlichen Dichtigkeitszahlen, welche schwierig inne zu halten seyn würden, sondern durch conventionelle Zahlen, wie sie das Aräometer angibt, bestimmt.

Die von Kolb auf Grund seiner Bestimmungen berechnete Tabelle theilen wir nachstehend mit. Durch dieselbe wird nicht nur, und zwar für die Temperatur von 15° C., die Beziehung zwischen der Dichtigkeit der Schwefelsäure und dem Säuregehalt derselben, sondern auch das genaue Verhältniß der Dichtigkeiten zu den Graden des Baumé'schen Aräometers81) angegeben. Die Säuregehalte sind nicht nur in wasserfreier Schwefelsäure, sondern auch als Monohydrat und als Säure von 60 und 53° Baumé angegeben, weil die drei letzten Formen der Säure technisch wichtig sind.

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Tabelle über die Säuregehalte der wässerigen Schwefelsäure bei 15° C.

100 Gewichtstheile enthalten 1 Liter enthält in Kilogrammen
Grade nach
Beaumé
Dichtigkeit wasserfreie
Säure
HO, SO³ Säure
von 60°
Säure
von 53°
wasserfreie
Säure
HO, SO³ Säure
von 60°
Säure
von 53°
0 1,000 0,7 0,9 1,2 1,3 0,007 0,009 0,012 0,013
1 1,007 1,5 1,9 2,4 2,8 0,015 0,019 0,024 0,028
2 1,014 2,3 2,8 3,6 4,2 0,023 0,028 0,036 0,042
3 1,022 3,1 3,8 4,9 5,7 0,032 0,039 0,050 0,058
4 1,029 3,9 4,8 6,1 7,2 0,040 0,049 0,063 0,074
5 1,037 4,7 5,8 7,4 8,7 0,049 0,060 0,077 0,090
6 1,045 5,6 6,8 8,7 10,2 0,059 0,071 0,091 0,107
7 1,052 6,4 7,8 10,0 11,7 0,067 0,082 0,105 0,123
8 1,060 7,2 8,8 11,3 13,1 0,076 0,093 0,120 0,139
9 1,067 8,0 9,8 12,6 14,6 0,085 0,105 0,134 0,156
10 1,075 8,8 10,8 13,8 16,1 0,095 0,116 0,148 0,173
11 1,083 9,7 11,9 15,2 17,8 0,105 0,129 0,165 0,193
12 1,091 10,6 13,0 16,7 19,4 0,116 0,142 0,182 0,211
13 1,100 11,5 14,1 18,1 21,0 0,126 0,155 0,199 0,231
14 1,108 12,4 15,2 19,5 22,7 0,137 0,168 0,216 0,251
15 1,116 13,2 16,2 20,7 24,2 0,147 0,181 0,231 0,270
16 1,125 14,1 17,3 22,2 25,8 0,159 0,195 0,250 0,290
17 1,134 15,1 18,5 23,7 27,6 0,172 0,210 0,269 0,313
18 1,142 16,0 19,6 25,1 29,2 0,183 0,224 0,287 0,333
19 1,152 17,0 20,8 26,6 31,0 0,196 0,239 0,306 0,357
20 1,162 18,0 22,2 28,4 33,1 0,209 0,258 0,330 0,385
21 1,171 19,0 23,3 29,8 34,8 0,222 0,273 0,349 0,407
22 1,180 20,0 24,5 31,4 36,6 0,236 0,289 0,370 0,432
23 1,190 21,1 25,8 33,0 38,5 0,251 0,307 0,393 0,458
24 1,200 22,1 27,1 34,7 40,5 0,265 0,325 0,416 0,486
25 1,210 23,2 28,4 36,4 42,4 0,281 0,344 0,440 0,513
26 1,220 24,2 29,6 37,9 44,2 0,295 0,361 0,463 0,539
27 1,231 25,3 31,0 39,7 46,3 0,311 0,382 0,489 0,570
28 1,241 26,3 32,2 41,2 48,1 0,326 0,400 0,511 0,597
29 1,252 27,3 33,4 42,8 49,9 0,342 0,418 0,536 0,625
30 1,263 28,3 34,7 44,4 51,8 0,357 0,438 0,561 0,654
31 1,274 29,4 36,0 46,1 53,7 0,374 0,459 0,587 0,684
32 1,285 30,5 37,4 47,9 55,8 0,392 0,481 0,616 0,717
33 1,297 31,7 38,8 49,7 57,9 0,411 0,503 0,645 0,751
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Tabelle über die Säuregehalte der wässerigen Schwefelsäure bei 15° C.

100 Gewichtstheile enthalten 1 Liter enthält in Kilogrammen
Grade nach
Beaumé
Dichtigkeit wasserfreie
Säure
HO, SO³ Säure
von 60°
Säure
von 53°
wasserfreie
Säure
HO, SO³ Säure
von 60°
Säure
von 53°
34 1,308 32,8 40,2 51,1 60,0 0,429 0,526 0,674 0,785
35 1,320 33,9 41,6 53,3 62,1 0,447 0,549 0,704 0,820
36 1,332 35,1 43,0 55,1 64,2 0,468 0,573 0,734 0,856
37 1,345 36,2 44,4 56,9 66,3 0,487 0,597 0,765 0,892
38 1,357 37,2 45,5 58,3 67,9 0,505 0,617 0,791 0,921
39 1,370 38,3 46,9 60,0 70,0 0,525 0,642 0,822 0,959
40 1,383 39,5 48,3 61,9 72,1 0,546 0,668 0,856 0,997
41 1,397 40,7 49,8 63,8 74,3 0,569 0,696 0,891 1,038
42 1,410 41,8 51,2 65,6 76,4 0,589 0,722 0,925 1,077
43 1,424 42,9 52,8 67,4 78,5 0,611 0,749 0,960 1,108
44 1,438 44,1 54,0 69,1 80,6 0,634 0,777 0,994 1,159
45 1,453 45,2 55,4 70,9 82,7 0,657 0,805 1,030 1,202
46 1,468 46,4 56,9 72,9 84,9 0,681 0,835 1,070 1,246
47 1,483 47,6 58,3 74,7 87,0 0,706 0,864 1,108 1,290
48 1,498 48,7 59,6 76,3 89,0 0,730 0,893 1,143 1,333
49 1,514 49,8 61,0 78,1 91,0 0,754 0,923 1,182 1,378
50 1,530 51,0 62,5 80,0 93,3 0,780 0,956 1,224 1,427
51 1,540 52,2 64,0 82,0 95,5 0,807 0,990 1,268 1,477
52 1,563 53,5 65,5 83,9 97,8 0,836 1,024 1,311 1,529
53 1,580 54,9 67,0 85,8 100,0 0,867 1,059 1,355 1,580
54 1,597 56,0 68,6 87,8 102,4 0,894 1,095 1,402 1,636
55 1,615 57,1 70,0 89,6 104,5 0,922 1,131 1,447 1,688
56 1,634 58,4 71,6 91,7 106,9 0,954 1,170 1,499 1,747
57 1,652 59,7 73,2 93,7 109,2 0,986 1,210 1,548 1,804
58 1,671 61,0 74,7 95,7 111,5 1,019 1,248 1,599 1,863
59 1,691 62,4 76,4 97,8 114,0 1,055 1,292 1,654 1,928
60 1,711 63,8 78,1 100,0 116,6 1,092 1,336 1,711 1,995
61 1,732 65,2 79,9 102,3 119,2 1,129 1,384 1,772 2,065
62 1,753 66,7 81,7 104,6 121,9 1,169 1,432 1,838 2,137
63 1,774 68,7 84,1 107,7 125,5 1,219 1,492 1,911 2,226
64 1,796 70,6 86,5 110,8 129,1 1,268 1,554 1,990 2,319
65 1,819 73,2 89,7 114,8 133,8 1,332 1,632 2,388 2,434
66 1,842 81,6 100,0 128,0 149,3 1,503 1,842 2,058 2,750
|276|

Um sich bei dem Beaumé'schen Aräometer – für Flüssigkeiten von größerer Dichtigkeit als Wasser – aller Unsicherheiten zu entledigen, sind mehrere Physiker und Chemiker übereingekommen, eine neue Methode der Graduation desselben anzunehmen. Bei derselben wird der Nullpunkt in reinem Wasser von 15° C., der Punkt 66° in reiner Schwefelsäure von 1,842 spec. Gewicht bestimmt. Es ist dann, wenn d die Dichtigkeit, n den Aräometergrad bedeutet, d = 144,3/(144,3 – n). Mittelst dieser Gleichung sind die bezüglichen Zahlen der Kolb'schen Tabelle berechnet.

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