Titel: Ueber kaltgewalztes Eisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209, Nr. LXIX. (S. 414–415)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/ar209069

LXIX. Kaltgewalztes Eisen.

Die Firma Jones und Laughlins in Pittsburg (Amerika), deren Werke an den Ufern des Mongehela-Stromes sich befinden, befaßt sich mit der Herstellung von kaltgewalztem polirtem Rund- und Flacheisen. Dasselbe wird durch Puddeln von feinkörnigem grauem Roheisen erhalten, welches in zwei Hohöfen von je 200–300 Tonnen wöchentlicher Leistung aus einer Beschickung von 1/2 Rotheisenstein vom Pilot Kob (Missouri), 1/4 Roth- und 1/4 Magneteisenstein vom Lake superior und 20 Proc. Schweißschlacke erblasen wird. Die in einem gewöhnlichen Walzentrain auf die gewünschten Dimensionen hergestellten Stangen werden in einen Säurebottich gelegt, um die an ihrer Oberfläche haftenden Verunreinigungen zu entfernen, dann in einen Kaltwasserbottich gebracht, sorgfältig abgerieben und im Kaltwalzwerke weiter bearbeitet. Man läßt die Eisenstange wiederholt dasselbe Kaliber durchlaufen, wobei man sie jedesmal ein wenig dreht und die Walzen einander nähert; die Stange, hierdurch blank gemacht, wird von den gröbsten Biegungen mittelst hölzerner Hämmer befreit und zur Richtbank gebracht. Das Rundeisen wird auf zwei Schlitten gelegt, in welchen zwei Rollen gelagert sind, so daß hierdurch die Stange von zwei Arbeitern leicht in Umdrehung versetzt wird, während ein dritter mittelst Kreidezeichen die Ausbiegungen aufsucht und dann durch eine auf der Richtbank verschiebbare Schraubenpresse gerad richtet. Daran schließt sich noch ein Geradrichten auf der Drehbank und Absetzen der Rundeisenstange auf die erforderliche Länge.

Das kaltgewalzte Eisen wird zu Transmissionen, Kolbenstangen u. dgl. m. in den Vereinigten Staaten in großem Maaßstabe verwendet, da langjährige Erfahrung und zahlreiche Experimente darthun, daß die Herstellungsweise desselben die Festigkeit und Elasticität des Fabricates beträchtlich erhöht, wie man aus der folgenden (der Zeitschrift Engineering entnommenen) Tabelle der von John C. Whipple, Oberingenieur der Marine der Vereinigten Staaten, angestellten Proben auf Zugfestigkeit ersieht.

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Beschaffenheit
des
Eisens

Querschnitt
des geprüften
Stabes
Quadratzoll

Bruchbelastung



Pfund

Bruchbelastung
per Quadratzoll


Pfund
Zunahme an
Festigkeit des
polirten gegen
den unbearbeiteten
Stab
Pfund
Polirter Stab 0,1824 19,125 104,852
Unbearbeiteter Stab 0,4249 22,750 53,541 51,311
Polirter Stab 0,1712 16,875 93,100
Unbearbeiteter Stab 0,4515 27,000 59,797 33,403
Polirter Stab 0,1589 13,125 82,600
Unbearbeiteter Stab 0,4249 22,750 53,541 29,059
Poliner Stab 0,1844 20,750 112,527
Polirter Stab 0,1855 21,250 114,555

Nachstehende Angaben sind dem Berichte des Franklin Institute in Philadelphia entnommen:

I. Zugfestigkeit:

Pfunden pro Quadratzoll
Nr. 1. Eisen von geringer Beschaffenheit brach bei 49,510
derselbe Stab, kalt gewalzt brach bei 66,862
Nr. 2. Ein gewöhnlicher Stab brach bei 57,350
ein kalt gewalzter Stab brach bei 92,623

II. Torsionsfestigkeit:

Nr. 3. Ein unbearbeiteter runder Stab von 1 5/16 Zoll Durchmesser, Armlänge 25 Zoll.

Verwunden bei einer Belastung von 587 1/2 Pfund.

Ein kaltgewalzter von derselben Beschaffenheit, 1 1/4 Zoll im Durchmesser, Armlänge 25 Zoll.

Verwunden bei einer Belastung von 1000 Pfund.

Die von Hr. William Fairbairn angestellten Versuche bestätigen obige Angaben, und machte derselbe einen Vergleich zwischen kaltgewalzten und abgedrehten Stäben:


Zustand
des
Stabes

Querschnitt

Quadratzoll

Bruchbelastung
des Stabes in
Pfunden

Bruchbelastung pro
Quadratzoll in
Festigkeit
bezogen auf den
unbearbeiteten
Stab als Einheit
Pfunden Tonnen
Unbearbeitet 0,85873 50,346 58,628 26,173 1,000
Kaltgewalzt 0,7854 69,295 88,230 39,388 1,500
Abgedreht 0,7854 47,710 60,746 27,119 1,036

C. K.

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