Titel: Schmiedeeiserne Dampfcylinder mit Stahlfutter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 2 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi01_2

Schmiedeeiserne Dampfcylinder mit Stahlfutter.

Der amerikanische Maschinenfabrikant Corliß, der durch das seinen Namen tragende Dampfmaschinensystem allgemein bekannt ist, hat sich neuerdings eine originelle Art von Dampfmaschinencylindern in den Vereinigten Staaten patentiren lassen. Darnach besteht nämlich der Cylinder aus einem schmiedeeisernen Mittelstück, das für eine mittelstarke Maschine etwa 16 Millimet. stark ist und ein etwa 3 Millimet. starkes Futter von gehärtetem Gußstahl erhält. Ueber diesen Cylinder kommt ein gußeiserner Mantel, der aus zwei Hälften zusammengesetzt ist. Das schmiedeeiserne Mittelstück ist an den Enden außen etwas conisch; dem entsprechend sind die beiden gußeisernen, mit Flantschen versehenen Mantelhälften genau ausgebohrt, so daß sie auf die Enden des Mittelstückes dicht aufgezogen werden können. Zwischen Mantel Und Cylinder bleibt ein Zwischenraum, in den nur bei Anwendung von sehr hoher Dampfspannung und starker Expansion Dampf eingeführt wird. In den gewöhnlichen Fällen hält es Corliß für zweckmäßiger, diesen Zwischenraum nur mit Luft auszufüllen; um diese |77| zu verhindern die Wärme durch Circulation nach außen zu führen, werden in den Zwischenraum concentrische Lagen von starkem Papier eingelegt.

Der schmiedeeiserne Cylinder mit Stahlfutter wird in folgender Weise hergestellt: Ein starkes Eisenblech wird cylindrisch zusammengebogen, zusammengeschweißt und auf einem für diesen Zweck besonders construirten Walzwerke vollständig kreisrund und gleichmäßig dick ausgewalzt. Zur Einführung des Stahlfutters wird der Eisencylinder zur hellen Rothgluth erhitzt, dann auf eine Eisenplatte gesetzt und in ihn ein Kern eingesetzt, der nur den für das Stahlfutter bestimmten Raum frei läßt. In diesen Raum wird nun geschmolzener Gußstahl eingegossen, der sich mit dem Eisen dicht verbindet. Das Ganze wird dann nochmals gewalzt, bis die richtigen Dimensionen erreicht sind; dann wird das Stahlfutter gehärtet, was selbstverständlich große Sorgfalt erfordert. Etwaige Ungleichmäßigkeiten, die durch Werfen beim Härten entstehen, werden durch Schleifen mit rasch rotirenden Schleifrädern beseitigt. Der schmiedeeiserne Mantel kann nachträglich bis auf eine sehr geringe Dicke abgedreht werden und Corliß beabsichtigt solche Cylinder im Großen als Futter für gebrauchte Dampfmaschinencylinder, die ausgebohrt werden müssen, herzustellen. (Deutsche Industriezeitung, 1873, Nr. 19.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: