Titel: Das Silber-Licht.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 6 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi01_6

Das Silber-Licht.

In den letzten Monaten hat eine neue Art der Beleuchtung viel von sich reden gemacht, welche von einem Deutschen, Hrn. F. M. Silber, herrührt. Dieses Licht wird allerdings der Gasbeleuchtung, wo dieselbe einmal eingerichtet ist, kaum Concurrenz machen, wohl aber sich da einbürgern, wo Gas entweder nicht zu haben oder nur schwierig anzuwenden ist, wie z.B. für die Beleuchtung von Schiffen und Eisenbahnwagen. Die bedeutendsten Dampfschiffahrts-Gesellschaften, wie The Cunard The Inman, The Pacific, The American Pacific &c., haben dasselbe bereits theilweise eingeführt und stehen wegen allgemeiner Einführung desselben in Unterhandlung. Auch fast alle größeren Eisenbahnen Englands haben dieses Licht sowohl für Signallampen als besonders auch zur Beleuchtung der Coupés eingeführt.

Das Material, welches in der Silberlampe zur Verwendung kommt, ist Oel, welches vor der Verbrennung in Gas verwandelt wird. Dabei ist der Verbrennung des Dochtes und der Anhäufung von Unreinigkeit an demselben vorgebeugt, und die Entwickelung von Rauch vollständig vermieden. Dieß wird dadurch erreicht, daß das Oel nicht erst bei seiner Berührung mit der Flamme, sondern schon vorher, unterhalb derselben, in Gas verwandelt wird, und daß die Zuströmung von Gas und von Luft in ein genau entsprechendes Verhältniß gebracht wird.

Die Idee, Oel auf diese Weise in Gas zu verwandeln, ist durchaus nicht neu; das Eigenthümliche der Silber'schen Lampe besteht aber in der Construction des Brennapparates. Derselbe besteht aus einer Reihe von in senkrechter Richtung einander in bestimmten Zwischenräumen concentrisch umschließenden doppelwandigen Cylindern, deren innerster zwischen seinen beiden Wänden den Docht enthält. Der hohle Raum im Innern dieses ersten Cylinders dient dazu fortwährend frische Luft nach dem Inneren der Flamme zu leiten. Der zweite Cylinder führt ebenfalls frische Luft zu, jedoch selbstverständlich nach der äußeren Seite des Gas entwickelnden Dochtes. Das dritte Gehäuse enthält Oel, welches sowohl mit dem Dochte als mit dem Reservoir in directer Verbindung steht. Die Mündungen aller dieser verschiedenen Gehäuse oder Kammern sind mit einer kuppelförmig gewölbten Haube bedeckt, und durch eine in derselben befindliche Oeffnung strömt das Gas in einer Weise aus, daß es gerade dort mit der zuströmenden Luft in Berührung gebracht, und damit eine vollständige Verbrennung erzielt wird. Je nach der Natur des Oeles, welches gebrannt werden soll, ob Rüböl, leichte Kohlenwasserstoffe etc., ist die Construction in ihren Einzelheiten etwas verändert.

Der Docht wird bei diesen Lampen fast gar nicht angegriffen; ein Docht ist ca. ein Jahr lang brauchbar. Zu seiner Instandhaltung genügt es, daß sein oberes Ende täglich ein Mal leicht abgewischt wird. Das Licht ist regelmäßig und gleichförmig, von weißer Farbe, und, obschon äußerst hell, doch mild und angenehm. Der Brenner kann in jeder beliebigen Größe angefertigt werden. Das Licht von einem Brenner mit 1 1/4 Zoll Durchmesser ist gleich dem von 28 Wallrathkerzen, jede zu 120 Grains Consum pro Stunde, das Licht von einem Brenner mit 1 3/4 Zoll Durchmesser gleich dem von 50 solchen Kerzen.

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Für größere Etablissements hat Silber eine Einrichtung erdacht, welche ermöglicht, sein Licht gerade so wie Gas für Wandcandelaber oder für von der Decke herab hängende Lampen zu verwenden. Das Oel befindet sich zu diesem Zweck in einem Reservoir in den oberen Räumen des Hauses und rinnt von dort in kleinere Reservoirs, deren jedes nur für die betreffende Etage oder einen Theil derselben bestimmt ist. In diesen Reservoirs steht das Oel mit den Lampen, die es durch Röhren, welche der Wand und Decke entlang geführt sind, zu speisen hat, im Niveau, und durch eine einfache Vorrichtung wird bewirkt, daß es sich immer auf dieser Höhe erhält. Die Flamme ist auch bereits mit Erfolg für Kochzwecke verwendet worden.

Das Silber'sche Patent ist an eine Actien-Gesellschaft übergegangen, die unter dem Namen Silberlight Company mit einem Capital von 120,000 Pfd. St. die Erfindung ausbeuten will. (Deutsche Industriezeitung, 1873 Nr. 17.)

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