Titel: Ueber ein von Jordery vorgeschlagenes Mittel zur Verringerung der durch Petroleum veranlaßten Feuersgefahr; von Troost.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 7 (S. 80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi01_7

Ueber ein von Jordery vorgeschlagenes Mittel zur Verringerung der durch Petroleum veranlaßten Feuersgefahr; von Troost.

Eine concentrirte Abkochung von Seifenwurzel hat nach Hrn. Jordery die Eigenschaft, mit dem Petroleum eine Emulsion zu bilden, deren Consistenz derjenigen des Schweineschmalzes gleichkommt. Wenn, wie Jordery vorschlägt, das Petroleum behufs des Transportes und der Aufbewahrung in hölzernen Fässern auf diese Weise verdickt würde, so könnte es nicht in die Risse der Fässer eindringen, und überdieß ist seine Neigung, zu verdampfen, in diesem Zustande erheblich verringert.

Um im Kleinen Petroleum in diesen Zustand zu versetzen, bringt man in ein Fläschchen etwas concentrirte Seifenwurzelabkochung und fügt derselben nach und nach das Petroleum hinzu, indem man die Mischung fortwährend umschüttelt; man kann auf diese Weise der Emulsion das 25fache Volum der Abkochung an Petroleum incorporiren. Die Consistenz des so erhaltenen Productes nimmt mit der Zeit zu. Dasselbe würde die Erschütterungen, welchen die Fässer mit Petroleum beim Transport ausgesetzt sind, vollkommen vertragen. Bei rohem Petroleum, welches also später destillirt wird, könnte man zur Bildung der Emulsion statt der Abkochung direct pulverisirte Seifenwurzel und etwas Wasser anwenden.

Um das Petroleum aus der Emulsion wieder abzuscheiden, braucht man nur einige Tropfen Phenylsäure oder eine etwas größere Menge krystallisirbarer Essigsäure auf die Oberfläche derselben zu bringen. Die Emulsion beginnt dann sofort zu zerfließen, und nach einigen Augenblicken hat das Petroleum sich wieder von der Seifenwurzel-Abkochung getrennt und schwimmt als klare Flüssigkeit auf derselben. Vermöge dieses Verhaltens könnte man das Petroleum, wenn es verwendet werden soll, wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzen.

Jordery hat zu seinen Versuchen levantische Seifenwurzel benutzt; man könnte aber auch das einheimische Seifenkraut (Saponaria officinalis), und zwar nicht nur die Wurzel, sondern auch die Stengel und die Blätter dieser Pflanze, überhaupt jede Substanz welche Saponin enthält, anwenden.

Die Kosten der Emulsionbildung und der Wiederversetzung des Petroleums in den gewöhnlichen Zustand würden nach Jordery 3 Proc. des Werthes des Petroleums nicht übersteigen; der jetzt durch Leckage und Verdunstung während des Transportes und der Aufbewahrung des Petroleums veranlaßte Verlust beträgt aber nach demselben ca. 10 Proc.

Hr. Troost, dessen Bericht an das Conseil de la Seine la Seine das Vorstehende entnommen ist, spricht sich in demselben zuletzt dahin aus, daß das von Jordery vorgeschlagene Verfahren zwar alle Beachtung verdiene, aber in seiner jetzigen Gestalt noch nicht zur Einführung in die Praxis geeignet zu seyn scheine. (Journal de Pharmacie et de Chimie, Mai 1873 S. 348.)

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