Titel: Ueber die Fabrication von schwefelsaurem Ammoniak aus den Abfällen stickstoffhaltiger organischer Körper; von L. L'Hote.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 7 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi02_7
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Ueber die Fabrication von schwefelsaurem Ammoniak aus den Abfällen stickstoffhaltiger organischer Körper; von L. L'Hote.

Die Abfälle von Wolle, Häuten, Leder, Horn, Federn, Schwämmen etc., welche 6 bis 15 Proc. Stickstoff enthalten, werden hier und da zur Fabrication von Dünger verwendet, vermodern aber im Boden nur sehr langsam. L'Hote schlägt nun, indem er bemerkt, daß die Fabrication von schwefelsaurem Ammoniak eine erhebliche Ausdehnung gewonnen habe, und daß dasselbe im Verein mit phosphorsauren Salzen etc. zur Erzeugung eines künstlichen Guano zum Ersatz des selten gewordenen peruvianischen Guano benutzt werde, vor, den Stickstoff der erwähnten Abfälle mittelst derselben Reaction, auf welcher die Bestimmung des Stickstoffgehaltes organischer Körper durch Natronkalk beruht, in schwefelsaures Ammoniak überzuführen.

Wenn man diese Abfälle mit einer Lösung von caustischer Soda, wie sie jetzt im Handel vorkommt, in dem 9- bis 10fachen Gewicht Wasser behandelt, und zwar, um die Entwickelung von Ammoniak zu vermeiden, in der Kälte oder unter nur gelindem Erwärmen, so werden die Abfälle theils aufgelöst, theils wird wenigstens der Zusammenhang derselben vollkommen zerstört. Man vermischt die so erhaltene leimartige Flüssigkeit mit gelöschtem Kalk zu einer teigartigen Masse und bringt diese in eine eiserne Retorte, die mit Recipienten, welche Kammerschwefelsäure enthalten, communicirt. Man bewirkt dann die Destillation der Masse bei möglichst niedriger Temperatur, um die Dissociation des Ammoniaks zu verhüten; wenn die Gasentwickelung aufgehört hat, erhitzt man die Retorte zum Rothglühen. Nach der Operation findet man in der Retorte einen weißen, pulverförmigen Rückstand, der bloß aus kohlensaurem Natron und Aetzkalk besteht. Behandelt man diesen Rückstand mit Wasser, so entsteht wieder caustisches Natron, welches zu einer folgenden Operation benutzt werden kann.

Das schwefelsaure Ammoniak, welches man mittelst dieses Verfahrens gewinnt, ist gefärbt; man kann es durch Krystallisation reinigen.

Wenn man mit einem homogenen Gemenge der stickstoffhaltigen Abfälle mit den alkalischen Stoffen operirt, so geht der gesammte Stickstoffgehalt der ersteren in schwefelsaures Ammoniak über. (Comptes rendus, t. LXXVI p. 1085.)

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