Titel: Dampfpumpe zur Wasserhaltung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 1 (S. 234–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi03_1

Dampfpumpe zur Wasserhaltung.

In dem Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen machte Geh. Regierungsrath Reuleaux nachstehende Mittheilung über die neueste Entwickelung des Baues und der Anwendung der Dampfpumpen. Nachdem die Dampfpumpe vorzugsweise in geringen Abmessungen für die Zwecke der Kesselspeisung sich ungemein verbreitet hatte, wurden seit 1867 gewisse ältere Bestrebungen wieder lebhafter aufgenommen, wornach die Herstellung einer praktischen Dampfpumpe ohne Kurbelachse und Schwungrad als zu erreichendes Ziel hingestellt ward. Man gelangte bei der bedeutenden Energie, mit welcher die Aufgabe dieses Mal erfaßt wurde, bald zu befriedigenden Ergebnissen. Von Cameron, Baumann,72) Tangye und anderen wurde eine Dampfpumpe erzielt, welche namentlich vermöge einer sehr gut ersonnenen |235| Betriebsweise des Dampfschiebers mittelst directen Dampfdruckes auf eine sehr einfache und praktische Form gebracht werden konnte. In Deutschland haben sich namentlich die Gebrüder Decker in Cannstatt die Einführung und Verbreitung der Baumann'schen Pumpe angelegen seyn lassen und in einzelnen Punkten dieselbe auch noch verbessert. Nachdem die technischen Schwierigkeiten der Maschine selbst einmal überwunden waren, machte ihre Anwendung bald bedeutende Fortschritte. Namentlich steigerte man ihre Dimensionen, d.h. ihr absolutes Leistungsvermögen, und ging dann auch dazu über, sie in den Bergwerken zur Wasserhebung zu benutzen. Nach einigen weniger gut gelungenen Versuchen kam man zu guten Resultaten. Es wurde Dampf durch (bis zu 1300 Met. lange) Rohrleitungen der unten im Schacht stehenden Pumpenanlage zugeführt und das Grubenwasser durch diese in einem einzigen Satze nach oben getrieben. Der abgehende Dampf wurde in einen Wetterschacht geleitet. Die Gebrüder Decker führten mit gutem Erfolge die viel bessere Methode ein, den Dampf mittelst des aufzupumpenden Wassers selbst zu condensiren, was unter Anderem auf der Benigna-Grube bei Schadowitz erprobt und bewährt befunden wurde. In England und theilweise auch schon in Deutschland macht nunmehr die Einführung der direct wirkenden Dampfpumpe als Grubenpumpe schnelle Fortschritte, die dadurch vor Allem begünstigt wurden, daß die Anlagekosten bei der neuen Einrichtung weit unter denen der älteren Wasserhaltungsmaschine stehen, zu denen sie sich stellenweise wie 1: 4 bis 6 oder 8 verhalten. Reuleaux glaubt als sicher ansehen zu dürfen, daß bei neuen Anlagen die neue Methode die alte verdrängen werde, weil die Kleinheit der Anlagekosten in den meisten Fällen den immerhin noch zu constatirenden Mehrverbrauch an Brennmaterial außer Betracht setzen werde. – Bei einer der neuesten Anlagen in England (Adelaiden-Grube, Bishop Auckland) von 1040' engl. Hubhöhe beträgt z.B. der Cylinderdurchmesser 26'' engl., der Pumpenkolben, welcher doppeltwirkend ist, hat 6 1/2'' Durchmesser bei 6' Hub. Ein Windkessel von 30' Höhe und 2 1/2' Weite ist angewendet, um die Wasserstöße zu beseitigen. Bei einer anderen Anlage hat der Dampfcylinder 32'', der Pumpenkolben 10 1/2'' Durchmesser etc. Den Dampfkessel stellt man, um die lange Dampfleitung zu vermeiden, in die Grube, wobei man die Verbrennungsgase durch einen Wetterschacht ableitet. Eine rheinische Kohlengrube ist beschäftigt sechs Stück der neuen Pumpen, aus dem Hause Tangye bezogen, einzubauen. In der allerneuesten Zeit ist man noch einen Schritt weiter gegangen, indem nämlich die Gebr. Tangye eine Einrichtung getroffen haben, vermöge welcher die abgehenden Rauchgase mit Wasser niedergeschlagen werden. Hier ist wieder auf das Princip des Hochdruckes zurückgegangen. Ein Blasrohr bewirkt mittelst der abgehenden Dämpfe den Zug für die Dampfkesselfeuerung, führt aber das Gemisch von Rauch und Dampf in den Niederschlag- oder Fällungsapparat, wo ein kräftiger Regen von Wasser (welches aus dem Steigrohr der Pumpe entnommen wird) das Gemisch fällt. Das Wasser fließt ein wenig trübe gefärbt ab, ohne Zweifel einen Theil der Verbrennungsgase theils chemisch, theils mechanisch beigemengt mit sich führend. Der Wetterzug beseitigt den Rest. Nach Angabe von Augenzeugen geht die Einrichtung sehr gut. – Somit hat sich auf dem Gebiete der Pumpen in den letzten Jahren eine förmliche Umwälzung theils bereits vollzogen, theils angebahnt, welche von ganz bedeutenden Folgen zu seyn verspricht. Sie kann nicht anders als auf dem praktischen Felde des Kohlenbergbaues die vortheilhafteste Wirkung ausüben, indem sie ermöglicht, leichter als bisher in größere Teufen zu gehen. Auch auf dem Gebiete der Landdampfmaschinen kann die Fällung der Verbrennungsgase, namentlich für Anlagen in großen Städten, von Wichtigkeit werden, indem sie unter Umständen die Anlage eines Schornsteines entbehrlich machen kann.

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Baumann's Dampfpumpe ist nach beigegebener Zeichnung im polytechn. Journal, 1870, Bd. CXCVII S. 303 beschrieben.

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