Titel: Preisaufgabe, die Desinfection des Abgangwassers aus Rübenzuckerfabriken betreffend.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 9 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi03_9

Preisaufgabe, die Desinfection des Abgangwassers aus Rübenzuckerfabriken betreffend.

In dem Maaße, wie die Rübenzuckerfabrication an Ausbreitung gewonnen hat, sind Uebelstande, veranlaßt durch die Beschaffenheit des aus den Fabriken abfließenden Wassers, fühlbarer und Klagen darüber häufiger geworden. Dieses Wasser enthält Bestandtheile, welche theils an sich, theils in Folge fortlaufender Zersetzungs-Processe belästigend wirken und mehr oder minder erhebliche Nachtheile, selbst in sanitätischer Beziehung hervorrufen können. Auch wo das Auftreten derartiger Stoffe und Zersetzungsproducte |240| sich nicht als direct schädlich bezeichnen läßt, kann unter Umständen das Wasser dadurch zu weiterer Benutzung untauglich werden; in einer Reihe von Fällen hat aber die Beschaffenheit desselben auch bereits zu polizeilichen Bedenken in verschiedener Richtung und zu Anordnungen geführt, durch welche die Betriebs- und Ertragsfähigkeit der Fabriken in nicht geringem Grade beeinträchtigt werden kann.

Man hat sich allerdings mehrfach mit der Auffindung geeigneter Mittel beschäftigt, um die das Wasser verunreinigenden Stoffe entweder zu beseitigen oder unschädlich zu machen; keines dieser Mittel hat aber bis jetzt allen Anforderungen entsprochen oder sich nachhaltig von Erfolg gezeigt.

In Anerkennung des noch ungemindert fortbestehenden Bedürfnisses, den angegebenen Uebelständen Abhülfe zu schaffen, hat deßhalb der Verein für die Rübenzucker-Industrie des Deutschen Reiches in seiner Generalversammlung zu Cassel am 21. Mai d. J. beschlossen, die zweckmäßigste Art der Herbeiführung einer genügenden Desinfection des aus den Fabriken abfließenden Wassers zum Gegenstand einer Preisaufgabe zu machen. In Gemäßheit dieses Beschlusses und im Auftrage des Vereinsausschusses setzen wir hiermit einen Preis von

Eintausend Thalern

für die Lösung der folgenden Aufgabe aus:

Welches Verfahren ist anzuwenden, um zu verhüten daß das aus den Rübenzuckerfabriken abfließende Wasser unmittelbar oder in Folge späterer Zersetzung schädlich oder belästigend wirken kann.“

Das zu prämiirende Verfahren muß ohne Beschränkung auf einen bestimmten räumlichen Umfang der Zuckerfabriken ausführbar seyn und darf nicht Kosten in solcher Höhe verursachen, daß der zu erwartende Nutzen durch den Betrag der aufzuwendenden Geldmittel illusorisch werden würde.

Für den Fall, daß eine vollständige Lösung dieser Aufgabe nicht erfolgen sollte, bleibt vorbehalten, diejenigen Arbeiten, welche am meisten geeignet erscheinen, die Aufgabe ihrer Lösung näher zu bringen, in angemessener Weise zu honoriren.

Der ausschließende Zeitpunkt für die Einsendung von Bewerbungsarbeiten, welche in Deutscher Sprache abgefaßt seyn müssen, ist der 1. August 1874. Die Bewerbungsschriften sind an das Directorium des Vereines, zu Händen des unterzeichneten Geheimen Ober-Finanzrathes a. D. Wollny in Berlin zu adressiren; eine jede derselben muß mit einem Motto versehen und dieses auf dem Aeußeren eines beigefügten versiegelten Couvertes, welches den Namen des Verfassers enthält, wiederholt seyn.

Die Entscheidung über die Zuerkennung des ausgesetzten Preises, eventuell eines Honorars für Arbeiten, durch welche die Lösung nicht erreicht, jedoch wesentlich gefördert werden sollte, erfolgt durch eine Kommission von Sachverständigen und wird in der Generalversammlung des Vereines im Jahre 1875 bekannt gemacht werden.

Das Eigenthum der eingelieferten Arbeiten verbleibt deren Urhebern, vorbehaltlich der Berechtigung des Vereines, die prämiirte Schrift, eventuell die honorirten Abhandlungen, durch die Vereinszeitschrift, ohne Gewährung eines besonderen Honorars, zu veröffentlichen.

Berlin, im Juni 1873.

Das Directorium des Vereines für die Rübenzucker-Industrie des Deutschen Reiches.

Wollny. Sombart. Treutler.

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