Titel: Ueber die Extraction der Wolle aus halbwollenen Stoffen
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 10 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi04_10

Ueber die Extraction der Wolle aus halbwollenen Stoffen

theilte Hr. Hofrath Dr. Wagner in der „deutschen Industriezeitung“ nach einem Berichte von Dr. Ch. Heinzerling und Al. G. Baeyer in Lissabon Nachstehendes mit:

Das bis jetzt in den Fabriken eingeführte Verfahren, die Baumwollen- und Leinenfaser in den halbwollenen Stoffen (Lumpen) mittelst 5procentiger Schwefelsäure zu zerstören, um daraus die reine Wollfaser zu gewinnen, läßt an Billigkeit, Güte und rascher Ausführung viel zu wünschen übrig. Die Verfasser haben nach vielfachen Untersuchungen Folgendes gefunden; 1) Bei Leinen- und Wollfaser läßt sich eine vollständige Zerstörung der vegetabilischen Faser nur mittelst concentrirterer (8- bis 10-procentiger) Schwefelsäure, sowie durch längeres Kochen mit derselben erreichen. 2) Selbst bei der sorgfältigsten Ausführung wird die Wollfaser immer etwas angegriffen. 3) Das Verfahren wird theuer, weil in einer großen Masse Flüssigkeit nur relativ kleine Quantitäten von Stoffen behandelt werden können. Bei gefärbten Stoffen kann man dieselbe Flüssigkeit zwei Mal, höchstens drei Mal anwenden. Der Aufwand an Brennmaterial ist natürlich sehr bedeutend. Wie Heinzerling und Baeyer nun mittheilen, |317| ist es ihnen gelungen, diese nachtheiligen Seiten des Processes zu umgehen, indem sie sich auf einen anderen chemischen Vorgang stützen. Die Kosten des neuen Verfahrens sind sehr gering, bei allerdings etwas (um ein Drittel) größerem Anlagecapital. Die Behandlung erfordere geringe Vorsicht, und die Wollfaser erleide durchaus keine gestaltliche Veränderung. Nähere Mittheilungen sind noch abzuwarten.

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