Titel: Neues Verfahren bei der Zubereitung des Tabaks.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 13 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi04_13

Neues Verfahren bei der Zubereitung des Tabaks.

Bisher konnte man in den Vereinigten Staaten von Nordamerika nur den Tabak aus einigen Staaten, nämlich aus Connecticut, Pennsylvanien und Maryland, zur Fabrication von Cigarren verwenden. Der Tabak aus den anderen Gegenden konnte nur zu Rauchtabak für Pfeifen und zu Schnupftabak benutzt werden. Man hat nun aber folgendes Verfahren aufgefunden, denselben zu verbessern.

Man nimmt ein geeignetes Gefäß, am besten von Eisenblech und im Inneren emaillirt, füllt dasselbe mit den gepreßten Tabaksblättern und bedeckt es mit einem Deckel, welcher den Gasen den Abzug gestattet. Man stellt das Gefäß dann in ein Sand- oder Wasserbad und erhitzt gelinde, so daß man nach 6 Stunden die Temperatur |318| von 100° C. erreicht; in den ersten 3 Stunden darf die Temperatur 82° C. nicht überschreiten. Der Tabak ist nachher kraus geworden, hat an Gewicht abgenommen, und die Blätter, deren Farbe dunkler geworden ist, sind mit einem graulichen Staube bedeckt.

Die Tabaksblätter erleiden bei dieser Operation keine Gährung, sondern bloß ein anfangendes Backen, wodurch sie von den für Cigarren nachtheiligen Stoffen befreit werden. Sie sind nun zur Anfertigung von Cigarren ganz geeignet. Der so präparirte Tabak brennt gut, und wenn sein Rauch auch nicht so angenehm riecht, wie der Rauch des Havanna-Tabaks, so bringt er doch keine Uebelkeit mehr hervor. Es scheint, daß auch die Tabaksorten, welche man bisher schon zu Cigarren verwendet hat, durch die beschriebene Operation erheblich verbessert werden können, so daß sie Cigarren von besserer Qualität und besonders angenehmerem Arom liefern.

Um die Farbe der vor der Reife gesammelten Tabaksblätter zu entwickeln und gleichmäßig zu machen, wendet man dieselbe Behandlung an; nur läßt man dieselbe in diesem Fall nur 2 Stunden lang dauern und erhitzt den Tabak während dieser ganzen Zeit auf 100° C. (Chronique de l'industrie, vol. II p. 60.)

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