Titel: Ueber Selbstentzündung des Heues.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 16 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi04_16

Ueber Selbstentzündung des Heues.

Daß das Heu, wenn es nicht ganz trocken eingefahren ist, sich bedeutend erhitzen kann, ist lange bekannt, daß dieß aber bis zur Entzündung gehen kann, war noch nicht sicher constatirt. H. Ranke (Annalen der Chemie und Pharmacie) hat nun einen solchen Fall auf seinem Gute Laufzorn, 4 Poststunden südlich von München, beobachtet. Am 19. October 1872, Morgens, bemerkte man in der westlichen Ecke |319| der großen, massiv gebauten Scheune einen brenzlichen Geruch. Es lagerte hier ein Theil des eingeheimsten Grummets in zwei dicht an einander gelagerten Haufen, wovon der eine circa 450, der andere 300 Centner hielt. Es war vom 5. bis 10. August bei schönem Wetter anscheinend gut getrocknet eingeerntet worden. Nur der größere Haufen stieß den brenzlichen Geruch aus. Er war 23 Fuß hoch, 23 Fuß lang, 16 Fuß tief, lehnte nach West und Süd an solides Mauerwerk, nach Norden an den kleinen Haufen und lag nach Osten frei gegen die Tenne. An den oberen Partien schwitzte das Grummet stark, war aber nicht warm und noch schön grün. Als von oben etwa 3 Fuß abgeräumt war, stieß man auf trockenes, sehr heißes Grummet. Beim Abräumen von der Seite nach der Tenne hin machte sich 1 1/2 Fuß nach dem Centrum des Stockes hin zunehmende Wärme bemerkbar. Als man oben etwa 5 Fuß tief abgeräumt hatte, kamen oben einzelne Funken zum Vorschein. Es ward nun mit Wasser begossen, aber das ausgefahrene Grummet zeigte doch noch plötzlich an mehreren Stellen Rauch und Funkensprühen und kam es auch zu offener Flamme. Es war dunkelbraun gefärbt. – Um den kleineren, nicht in Brand gerathenen Haufen zu schützen, ward zwischen beiden ein Ausschnitt von 3 1/2 Fuß Breite angelegt. Dabei fand eine gewaltige Ausströmung, wahrscheinlich von Kohlenoxydgas statt, so daß es kein Arbeiter länger als 1 bis 2 Minuten dabei aushielt. Sie kamen blaß und livid mit dem Gefühl des Erstickens heraus und schnappten nach Luft.

Die in Gluth gerathene Masse des Stocks hatte den Kern desselben gebildet, mochte oben circa 11 Fuß im Durchmesser betragen haben, hatte bis etwa 1 1/2 Fuß vom Boden gereicht, hier hatte sich aber die Gluth bis etwa 5 Fuß verjüngt. Nach rückwärts, gegen die Rückmauer der Scheune hin, reichte die Gluth bis etwa 1 1/2 Fuß vom Mauerwerk.

Der Zustand der glühenden Masse war der einer wirklichen Kohle mit Erhaltung der Structur. Sie gab jedoch in einer Glasröhre erhitzt noch viel empyreumatische Stoffe ab. Vollkommen erkaltet, hatte sie keine pyrophoren Eigenschaften; ward sie aber in einem Kolben im Oelbade bis zu einer Temperatur von 250 bis 300° Cels. erhitzt, ohne daß Feuer direct mit derselben in Berührung kam, und heraus in ein Häufchen geschüttet, so kühlte sie sich zwar anfangs rasch soweit ab, daß man sie in den Fingern halten konnte, nach wenigen Minuten machte sich aber darin wieder zunehmende Wärme bemerkbar und plötzlich hatten sich in dem Kohlenhaufen rothglühende Stellen gebildet; das Gtühen der Kohle dauerte nun fort, bis das Häufchen größtentheils eingeäschert war.

Ward die Grummetkohle dagegen so stark erhitzt, daß alles Empyreuma entfernt war, so entzündete sich die zurückbleibende erkaltete Kohle nicht mehr an der Luft, es spielt also dasselbe bei der Selbstentzündung wahrscheinlich eine Rolle und man wird an die schon öfters beschriebenen Fälle von Selbstentzündung aufeinander gehäufter Oellappen erinnert.

Grünes Grummet in einem Glase im Oelbade bis 300° C. erhitzt, entzündet sich gleichfalls nach dem Ausschütten nach wenigen Minuten. (Hannoversches Wochenblatt für Handel und Gewerbe 1873 S. 213.)

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