Titel: Anwendung des schwefligsauren Natrons zum Einquellen des Mais- und Getreidemehles in der Brennerei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 11 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi05_11

Anwendung des schwefligsauren Natrons zum Einquellen des Mais- und Getreidemehles in der Brennerei.

Die Erfahrung hat zur Genüge erwiesen, daß die Branntweinmaischen, wenn man sie mit wässeriger schwefliger Säure behandelt, bedeutend höhere Spirituserträge geben. Man glaubte damit einen großen Fortschritt in der Spiritusfabrication gemacht zu haben; leider zeigte es sich aber, daß dieses Verfahren auch seine Schattenseiten hat. Der dabei erzeugte Spiritus nimmt nämlich einen fremdartigen, widerlichen Geschmack an, so daß er nur zu technischen Zwecken verwendbar ist, also viel unter dem Preise abgegeben werden muß, und deßhalb die höheren Spirituserträge die gedrückten Spirituspreise nicht mehr ausgleichen.

Nach vielem Suchen hat man nun in dem schwefligsauren Natron einen anderen und in dem zweifach-schwefligsauren Natron einen noch besseren Stoff gefunden, welcher in noch höherem Maaße die Auflösung der Cellulose bewirkt (?), dabei aber einen rein schmeckenden Spiritus gibt.

|400|

Schwefligsaures Natron, auch Antichlor genannt, wird erzeugt, indem man in eine Auflösung von kohlensaurem Natron schwefligsaures Gas leitet und einen etwaigen Ueberschuß an Säure durch Zugabe von kohlensaurem Natron bindet. Das zweifachschwefligsaure Natron erhält man, wenn man in die Auflösung von kohlensaurem Natron schwefligsaures Gas im Ueberschuß leitet.

Die Erzeugung des schwefligsauren Natrons kann in den Brennereien selbst geschehen, indem man ebenso verfährt, wie bei der Darstellung der wässerigen schwefligen Säure, aber zum Absorbiren des durch Verbrennen von Schwefel gebildeten schwefligsauren Gases mit (kohlensaurem) Natron versetztes Wasser benutzt. Es genügt 1/2 Kilogrm. Natron (calcinirte Soda?) auf einen österreichischen Eimer (50 Quart). Diese Lange wird durch den Hatschek'schen Gasapparat113) gelassen. Aus der Natronlösung, welche das schwefligsaure Gas aufnimmt, entweicht die Kohlensäure. In diesem schwefligsauren Natronwasser werden das Maismehl und die anderen Getreidemehlarten eingequellt, ganz so wie früher in geschwefeltem Wasser.

Da das Natron mit dem schwefligsauren Gas eine chemische Verbindung eingegangen ist, so trennt sich die schweflige Säure durch die verschiedenen Manipulationen beim Brennereibetriebe nicht von dem Natron, und deßhalb nimmt der Spiritus auch keinen fremden Geschmack an. Die Schlempe wird durch dieses Salz nicht verdorben, da es höchstens etwas abführend wirkt. (Illustrirte landwirthschafliche Zeitung.)

|400|

Dieser Apparat ist im Jahrg. 1868 des polytechn. Journals Bd. CLXXXVIII S. 246 beschrieben.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: