Titel: Sogenannte plastische Kohle zu Filtern; von Prof. V. Kletzinsky.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 4 (S. 396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi05_4

Sogenannte plastische Kohle zu Filtern; von Prof. V. Kletzinsky.

Zwei Mischungen bewähren sich in praktischer Beziehung am besten. Die eine dieser Mischungen besteht aus 60 Theilen Kohks, 20 Theilen Spodium (Thierkohle), 10 Theilen Holzkohle und 10 Theilen Pfeifenthon; die andere dieser Mischungen besteht aus 10 Theilen Kohks, 30 Theilen Spodium, 20 Theilen Holzkohle und 40 Th. Asbest kurzfaseriger Gattung. Die einzelnen Ingredienzen werden, mit Ausnahme des Asbestes, fein gepulvert und gesiebt, trocken im richtigen Verhältnisse innig gemischt und hierauf mit Melasse (Syrup) soweit verbreitet, daß ein plastischer Teig geknetet werden kann, wozu man ungefähr an Gewicht so viel Melasse braucht, als das Gewicht des trockenen Pulvers beträgt. Der gut durchknetete Teig wird in Scheiben oder Cylinder geformt, einige Zeit bei mäßiger Wärme austrocknen gelassen und dann ohne Luftzutritt in der vorsichtig geheizten Muffel gebrannt. Nach langsam erfolgter Abkühlung werden die gebrannten Massen in stark verdünnte Salzsäure gelegt, um alle löslichen Aschensalze auszuziehen und das Schwefeleisen zu zersetzen. Hierauf werden sie in fließendem Wasser vollständig ausgewaschen, getrocknet und noch einmal in gut geschlossener Muffel bis zur dunklen Rothgluth erhitzt. Die solchergestalt fertige Masse wird nun mechanisch vollendet, indem man ihr auf der Drehbank die gewünschte Form gibt und daraus die Schalen, Becken, Trichter u.s.w. formt.

Sollen geschlossene Hohlräume von dieser Kohle gebildet werden, so kittet man die zwei erforderlichen Schalenhälften auf folgende Weise: Die abgefallenen Drehspäne der gewaschenen Masse werden mit reinem Syrup dünn verbreitet und verrieben, den man sich durch Zerlassen von Raffinadezucker in seinem halben Gewichte Wasser erzeugt; mit diesem Breie werden die Ränder der aufeinander zu passenden Hälften bestrichen, alle Fugen damit gut verstrichen und das solchergestalt gekittete Hohlfilter nach dem Uebertrocknen in geschlossener Muffel bei schwacher Glühhitze gebrannt. Der schmelzende Zuckerkohk gibt die frittende Substanz ab. Kohks, Thon und Asbest bedingen die relative Festigkeit und bilden das Gerüste des Filters. Die Holzkohle bindet vorzüglich übelriechende Gase und Fuselöle, die Stickstoffkohle des Spodiums übelschmeckende Extractivstoffe und Farbstoffe. Glasröhren, Thon- und Porzellanröhren und, wenn zulässig, Metallröhren aus Antimonzinn und Antimonblei lassen sich in die angebohrte Kohlenfiltermasse mittelst plastischen Schwefels, oder mittelst guter Cemente (Kreide, Thon und Wasserglas) dicht und haltbar einkitten.

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