Titel: Ueber Glasthränen; von V. de Luynes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 7 (S. 397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi05_7

Ueber Glasthränen; von V. de Luynes.

Man nimmt gewöhnlich an, daß das Zerfallen der Glasthränen nach dem Abbrechen des Schweifes eine Folge der Spannung ist, die durch die inneren Theile derselben auf die äußere Hülle ausgeübt wird. Die rasch zum Erstarren gebrachte äußere Schicht schließt noch ausgedehnte heiße Glastheile ein, welche, wenn sie sich frei abkühlen könnten, nach der gewöhnlichen Annahme ein geringeres Volumen einnehmen würden, als sie in der That erlangen. Dadurch wird ein Zug auf die äußere Schicht ausgeübt, und sobald dieselbe an einer Stelle verletzt wird, muß dieser Annahme zufolge der Bruch erfolgen. Des Verfassers Untersuchungen haben gezeigt, daß dem nicht so ist. Wenn man eine Glasthräne mittelst eines Fadens so über in einer Platinschale enthaltener Fluorwasserstoffsäure aufhängt, daß der Schweif eintaucht, so kann man letzteren ganz auflösen, ohne daß die Glasthräne zerstört wird. Sobald aber die Säure den dickeren Theil der Glasthräne berührt, wird das Gleichgewicht immer gestört und der Körper zerfällt in Stücke. Taucht man andererseits die Glasthräne mit dem dicken Ende in die Säure, so daß der Schweif ganz außerhalb derselben bleibt, so läßt sich der ganz eingetauchte Theil auflösen, während der Schweif intact bleibt. Läßt man bei verschiedenen Glasthränen die Einwirkung der Säure verschieden lange dauern, so zeigt sich, daß der Rest, der noch am Schweife hängen bleibt, nicht mehr die ursprünglichen Eigenschaften der Glasthräne zeigt. Er zerfällt nicht mehr, wenn man den Schweif abbricht und hieraus geht hervor, daß die innere Masse des Glases bei dem in gewöhnlicher Weise bewirkten Zerbrechen ohne Wirkung ist. Diese Versuche zeigen, daß die Ursache der Stabilität der Glasthräne an der Stelle zu suchen ist, wo der dicke Körper in den Hals übergeht. Bleibt dieser Theil unverletzt, so bewahrt auch die Glasthräne ihren Zusammenhang. (Aus den Comptes rendus, durch chemisches Centralblatt, 1873 S. 210.)

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