Titel: Ueber die Durchlässigkeit des Porzellans.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 10 (S. 468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi06_10

Ueber die Durchlässigkeit des Porzellans.

Salvetat erstattete vor Kurzem in der Société d'Encouragement zu Paris Bericht über verschiedene Experimente, die gezeigt haben, daß das Porzellan, selbst im glasirten Zustande, bei weitem nicht so undurchlässig ist, als man gemeinhin annimmt. Brogniart hat schon vor 25 Jahren gezeigt, daß das Porzellan nicht als Luftbehälter für ein Luftthermometer, um Ofentemperaturen zu messen, dienen kann. Im Jahre 1872 hat H. Sainte-Claire Deville wieder auf diese Durchlässigkeit des Porzellans aufmerksam gemacht. Die Industrie hat sich auch öfters in der Nothwendigkeit befunden, derselben Rechnung zu tragen.

Die Porzellanmaler wissen nämlich, daß gewisse Stücke die böse Eigenthümlichkeit haben, einen schwarzen Stich zu bekommen, wenn ihnen die Farben aufgebrannt werden, weil Stoffe, die sie an ihren freien Stellen absorbirt haben, sich allmählich in ihnen vertheilen und Grund werden zu einem Absatz von Kohlenstoff im Inneren der Theile, die gegen den Zutritt der Luft geschützt sind. Außerdem hat man die Beobachtung gemacht, daß ältere Stücke, die an feuchten Orten standen oder vergraben waren, splittern, wenn man sie schnell erhitzt. Salvetat zeigte einen Gegenstand vor, der mehrere Tage lang mit einer verdünnten Fuchsinlösung in Berührung gewesen war. Der Fuß desselben ruhte auf einer nicht glasirten Unterlage von ringförmiger Gestalt. Die Flüssigkeit konnte von dieser letzteren aus allmählich vorschreitend in das Innere der Masse vordringen und dort eine beträchtliche Menge Farbstoff ablagern. Der Gegenstand erscheint nun außen weiß, zeigt aber in der Durchsicht, z.B. beim Schein einer Lampe, ein lebhaftes, feuriges Roth.

Hieraus läßt sich Vortheil ziehen für die Decoration gewisser Gegenstände. Die Porosität des Porzellans läßt sich vergrößern durch Zusatz von kieselreichen Substanzen, so daß die Sinterung nicht vollständig wird.

Gewisse Theile, die man später durch Garnirung irgend welcher Art verdecken könnte, würde man ohne Glasur lassen, und von ihnen aus dem Farbelack Zutritt geben können. So könnte man sehr effectvolle Gegenstände darstellen, in denen die verborgene Farbe nur unter gewissen Umständen zur Erscheinung käme, z.B. Lichtschirme, die äußerlich weiß, beim durchfallenden Lichte aber in verschiedenen lebhaften Farben erschienen. Salvetat hat diese Einzelheiten veröffentlicht, um zu verhindern, daß sie später etwa Gegenstand eines Patentes würden. (Moniteur de la céramique, 1873 Nr. 11; deutsche Töpfer- und Ziegler-Zeitung, 1873 Nr. 14.)

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