Titel: Große Bandsäge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 2 (S. 464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi06_2

Große Bandsäge.

In dem Etablissement von J. J. van Pelt zu New-York befindet sich eine mächtige Bandsäge, welche nach den Planen der Ingenieure Richards zu London und Kelley zu Philadelphia gebaut ist. Dieselbe dient vorzüglich zum Zerschneiden großer Blöcke – bis 5 Fuß Dicke – in Planken und Breter. Die Blätter derselben sind 55 Fuß (16,8 Met.) lang, und 4 1/2 bis 6 Zoll (114 bis 152 Millimet.) breit, und von der bekannten Firma Perin und Comp. zu Paris geliefert. Der Preis derselben betrug 1000 Dollars. Die Rollen sind ganz von Schmiedeeisen construirt, und haben 75 Zoll (1905 Millimet.) Durchmesser. Dieselben sind mit einer Belegung von Fichtenholz, und darüber mit einem Lederbande versehen. Die Zapfen der Rollenachsen sind 4 Zoll (101 Millimet.) stark und 12 Zoll (305 Millimet.) lang; die Lagerschalen bestehen aus einer Legirung (Rothguß) von 6 Theilen Kupfer und 1 Theil Zinn. Die Spannung der Säge beträgt 1 bis 4 Tonnen, was natürlich ein enorm starkes Gerüste verlangt, um jede Veränderung in der Lagerung der Rollen auszuschließen.

Das Holz liegt auf dem Blockwagen völlig ruhig, und braucht kaum festgeklammert zu werden. Beim ersten Schnitte wird der Block mit dem Fortschreiten der Säge genau adjustirt, worauf die weiteren Schnitte mit Hülfe feststehender Lehren geführt werden. Hierbei werden verschiedene sinnreiche Einrichtungen zur Führung und Unterstützung des Blockes benutzt, welche der Besitzer van Pelt selbst angegeben hat.

Die Schnittbreite der Säge beträgt 1/8 Zoll (3,2 Millimet.) oder weniger als die Hälfte der einer Kreissäge. Die Geschwindigkeit des Blattes ist 4500 Fuß per Minute (75 Fuß oder 22,8 Met. per Secunde). Fichtenholz wird mit 60 Fuß, Eichenholz und Yellow pine mit 30 Fuß Fortrücken per Minute geschnitten.

Die Vortheile der Bandsäge gegenüber der Gatter- und Kreissäge sind bekannt; sie leistet mehr als die erste, und arbeitet schöner und mit geringerer Betriebskraft in dicken Blöcken als letztere. Der größte Vortheil besteht aber darin, daß es möglich ist, mit der Bandsäge nach der Faser des Holzes zu schneiden, also auch gekrümmte Hölzer zu bearbeiten, wie dieß für Schiffsbauzwecke oft erforderlich ist. Hierdurch wird nicht nur viel Material erspart, sondern auch der Werth des Productes erhöht; so sind z.B. Deckplanken, in der erwähnten Weise geschnitten, volle 10 Proc. mehr werth, als wenn mit der Kreissäge gefertigt. Die Leistungsfähigkeit der Säge nach einer anderen Richtung ist durch die Thatsache illustrirt, daß mit derselben von einem 50 Fuß (15,2 Met.) langen und 20 Zoll (500 Millimet.) hohen Blocke über dessen ganze Länge ein Bret von nur 1/8 Zoll (3,2 Millimet) Stärke – also ein starkes Furnür – ohne jeden Fehler geschnitten werden konnte. In dem Etablissement von van Pelt werden jährlich etwa acht bis zehn Sägeblätter verbraucht, und die Betriebskosten sind etwa dieselben, wie bei den gewöhnlich angewendeten Sägen. (Scientific American, März 1873, S. 175; polytechnisches Centralblatt, 1873 S. 849.)

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