Titel: Dialysirtes Eisen für Zwecke der Färberei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 209/Miszelle 3 (S. 464–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj209/mi209mi06_3

Dialysirtes Eisen für Zwecke der Färberei.

Bor einem Jahrzehnt machte der englische Chemiker Graham bekanntlich die Entdeckung, daß aus der Lösung eines krystallisirbaren Körpers, gemischt mit einem unkrystallisirbaren, der erstere durch eine thierische Haut (poröse Membran) oder ähnliche |465| Scheidewand zu wandern fähig ist, während der unkrystallisirbare auf der Membran zurückbleibt. Zur Ausführung des Versuches wird ein Reifen aus gehärtetem Kautschuck mit Pergamentpapier, der geeignetsten Membran, überspannt und dieser wie ein Sieb gestaltete Apparat auf Wasser schwimmen gelassen. Die gemischte Lösung gießt man in den Reifen und beobachtet nach einigen Tagen, daß der krystallisirbare Körper sich zum größten Theil im Wasser befindet, während der unkrystallisirbare auf der Membran zurückbleibt. Den Vorgang der Trennung nannte Graham Dialyse und den beschriebenen einfachen Apparat Dialysator.

Die Dialyse hat seit ihrer Entdeckung viel Verwendung gefunden. Vor Allem bedient sich die analytische Chemie ihrer mit Vortheil, um aus Gemischen krystallisirbarer und unkrystallisirbarer (besonders organischer) Körper die krystallisirbaren auszuscheiden. Einen besonderen Werth hat die Dialyse bei der Untersuchung gifthaltiger Magenausleerungen, wie sie bei Vergiftungsfällen zur Feststellung des Thatbestandes nothwendig sind. Die Gegenwart des Giftes in dem schleimigen Mageninhalte läßt sich auf andere Art nur höchst schwierig ermitteln. Es zieht indessen auch die Technik in neuerer Zeit von dieser wichtigen Entdeckung Nutzen. Ueber eine solche Benutzung der Dialyse, und zwar speciell für die Zwecke der Färberei, berichtet Dr. M. Reimann in seiner Färberzeitung.

Nach dem Obigen lassen sich aus gemischten Lösungen von Salzen und Gummi erstere ausscheiden, während Gummi zurückbleibt Bringt man in den Dialysator aber nur ein Salz, so strebt der krystallisirbare Theil des Salzes, gewöhnlich die Säure, in das umgebende Wasser zu wandern, während die Base auf dem Dialysator zurückbleibt. Es gibt nun eine Reihe von Basen, welche eine verhältnißmäßig große Menge von Säure erfordern, um gelöst zu bleiben. Dieß sind vor Allem die Sesquioxyde, und unter diesen besonders das Eisenoxyd. Die höchst sauren Salze des Eisenoxydes finden nun bekanntlich in der Seidenfärberei, speciell zur Darstellung von Schwerschwarz, als Eisenbeize die größte Verwendung. Eisenbeize, welche stark sauer ist und gewöhnlich einen Ueberschuß an Salpetersäure, auch wohl salpetriger Säure enthält, wirkt dabei so zerstörend auf die Faser ein, daß hochbeschwerte schwarze Seide einen großen Theil ihrer Haltbarkeit verliert, ja sich oft wie Zunder auseinanderziehen läßt. Um diesen Uebelstand zu vermeiden, kann man das Eisen in Gestalt von dialysirtem Eisenoxyd in Anwendung bringen. Zur Darstellung einer solchen Lösung bringt man in den Dialysator eine Auflösung von Eisenoxyd in Salzsäure (Eisenchlorid.) Nach einiger Zeit ist die Salzsäure ganz oder zum größten Theil in das umgebende Wasser gegangen, während auf dem Dialysator eine Lösung von Eisenoxyd zurückbleibt. Eine solche Lösung von Eisenoxyd gibt nun an die eingetauchte Faser mit größter Leichtigkeit ihr Eisenoxyd ab. Es erfolgt eine vollständige Beizung, während ein Angriff nicht erfolgen kann, da ja keine Säure, am wenigsten eine überschüssige, vorhanden ist. Eine solche Lösung ist weit wirksamer als eine gewöhnliche Eisenoxydauflösung (Eisenbeize), da das in ihr enthaltene Eisen eine hohe Tendenz hat, sich auf der Faser abzulagern, während das Eisenoxyd in der sauren Eisenbeize, durch die Säure gebunden, dieses Bestreben weit weniger zeigt. Es scheint auch nach allen bisher angestellten Ermittelungen, als sey die Beizung der Faserstoffe in der Lösung von Salzen überhaupt eine dialytische Erscheinung. Auch die Faser ist als ein Conglomerat von Membranen zu betrachten. Es ist daher sehr natürlich, daß die Seide z.B. aus einer Eisenoxydauflösung (Eisenbeize) das Eisen in sich behält, während die Säure in die umgebende Flotte geht. Man kommt also durch vorherige Dialyse dem Bestreben der Faser, das Oxyd zurückzuhalten, zu Hülfe.

Für technische Zwecke, besonders zum Beschweren der Seide, ist es nothwendig, der Oxydlösung ihren ganzen Säuregehalt zu nehmen. Es genügt hier schon eine Auflösung, welche nur noch einen Theil Säure, dagegen einen Ueberschuß von Eisenoxyd enthält.

Hr. Fr. Oltmanns, Apotheker in Oberndorf a. Oste (Provinz Hannover) stellt seit Jahren dialysirtes Eisenoxyd für medicinische Zwecke dar und fertigt in neuerer Zeit solche Lösungen auch für Zwecke der Färberei an. Das von ihm gelieferte dialysirte Eisenoxyd enthält 6 bis 7 Procent reines Eisenoxyd in Lösung. Es sind mithin in 100 Liter einer solchen Lösung 7 Kilogramme reines Eisenoxyd enthalten, eine Menge, welche bei der Leichtigkeit, mit der dieses Eisenoxyd sich auf die Faser wirft, für die meisten Zwecke mehr als ausreichend ist.

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