Titel: Ueber Nickel, seine Production und seine Verwendung in der Industrie und im Münzwesen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 210/Miszelle 2 (S. 75–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj210/mi210mi01_2

Ueber Nickel, seine Production und seine Verwendung in der Industrie und im Münzwesen.

Das Nickel wurde als eigenthümliches Metall erst 1751 von Cronstedt entdeckt.

Seine Farbe liegt zwischen gelblich-weiß und stahlgrau; es ist stark glänzend und bleibt selbst in feuchter Luft blank, hat die Härte des Eisens, ist vollkommen streck- und dehnbar, fast so strengflüssig wie Stabeisen, magnetisch, von 8,8 spec. Gewicht.

Nickel findet sich nicht gediegen und kommt überhaupt nur selten, meist in Verbindung mit Arsenik, vor.

Eigenthümlich ist das anscheinend stete Auftreten desselben im Meteoreisen.

Ohne im Uebrigen auf sein mineralogisches Vorkommen einzugehen, mag hier noch erwähnt werden, daß der als Schmuckstein bekannte lauch- oder apfelgrüne Chrysopras (eine Quarzvarietät) seine Farbe dem Nickeloxydul verdankt.

Die Nachrichten über die Production des Nickels sind im Ganzen genommen anscheinend sehr dürftig. Im Folgenden sind so ziemlich die sämmtlichen Angaben zusammengefaßt, welche sich in den beiden Jahrgängen der „berg- und hüttenmännischen Zeitung“ 1871 und 1872 finden.

Die Production der preußischen Hüttenwerke an Nickelproducten (Nickel und Nickelfabricaten) betrug im Jahre 1869 8685 Zollcentner zu 388,202 Thalern |76| an Werth; im Jahre 1880 9274 Ctr. zum Werthe von 548,064 Thlrn. Diese Production fand auf 8 Werken statt, welche 689 Arbeiter beschäftigten. Die Gesammtproduction Preußens an Nickelerzen dagegen wird für das Jahr 1870 nur auf 62 Ctr. zum Werthe von 489 Thlrn. angegeben.

Sachsen stellte 1870 auf seinen Hütten 1343 Zollcentner Nickel (Rohnickel?), 128,236 Thlr. werth, und Baden 376 Zollctr., 18,800 Thlr. werth, her.

Oesterreich producirt nur sehr geringe Mengen Nickelerze (im Jahre 1870 Nickel-, Kobalt- und Antimonerze zusammen 2236 Ctr., werth 4386 Thlr.).

Ungarn ist dagegen ein starker Nickelproducent; im Jahre 1869 wurden daselbst 8800 Ctr. Kobalt- und Nickelproducte gewonnen mit 44,800 Pfund Kobalt und 133,600 Pfund Nickel.

In Norwegen wurden in jenem Jahre 1200 Ctr. Nickelstein mit 60,000 Pfd. Nickel, in Schweden 1868 2400 Ctr. Nickelstein mit 120,000 Pfund Nickel gewonnen.

Großbritannien hat anscheinend so gut wie gar keine Nickelproduction; für 1870 werden 10 Ctr. Nickelerze zum Werthe von 180 Thalern als gewonnen angegeben.

Belgien soll im Jahre 1870 2 1/2 Tonnen Nickelerze zum Werthe von 8667 Thalern gewonnen haben.

Ueber die Production anderer Länder ist wenig bekannt.

Die größte Nickelgrube der Welt soll sich zu La Motte in Pennsylvanien finden und gleichzeitig Kupfer und Bleierz führen. Eine Lagerstätte von 5 Fuß Mächtigkeit soll sich weithin erstrecken. Die Eisensauen aus den Bleiöfen dasiger Gegend sind sehr nickelreich (Engin. and min. Journ. New-York 1872. Vol. XIV. Nr. 7 durch „berg- und hüttenmännische Zeitung“ Nr. 41; 1872.)

Die Chinesen haben das Nickel mit Kupfer und Zink schon lange zur Herstellung einer Metalllegirung (Packfong) verwandt; in Europa hat das Nickel erst seit etwa 50 Jahrentechnische Wichtigkeit erlangt, seitdem man auch hier die unter dem Namen Neusilber, Argentan etc. bekannten Mischungen von Kupfer, Zink und Nickel herstellt.

Die Hauptsitze der Fabrication von Neusilberwaaren (die versilbert Alfénidewaaren genannt werden) in Deutschland sind u.a. Berlin, im Kreise Altena, Iserlohn, Hannover; in Württemberg scheint die Fabrication noch neu zu seyn, eine dort zu Stuttgart gegründete Fabrik ist vor einiger Zeit nach Eßlingen verlegt.

Außerhalb Deutschlands dürften Paris, Wien, Birmingham die Hauptsitze dieser Industrie seyn.

In Wien werden die betreffenden Artikel Packfongwaaren, versilbert Chinasilber- oder Alpacca-Silberwaaren genannt.

Die Franzosen nennen die Legirung aus Kupfer, Zink und Nickel packfong oder cuivre blanc, auch maillechort, nach einem Lyoner Industriellen, Namens Maillet, der im Jahee 1827 ein auf ihre Herstellung bezügliches Patent nahm.

Nickel wird übrigens auch als einfaches Metall mehrfach verwandt; interessant ist die bei den in Wien ausgestellten Maschinen wiederholt vorkommende Anwendung von Nickel für Achsen und andere Maschinentheile, wie denn Nickel auch zu chirurgischen Instrumenten, in der Uhrenfabrication etc. verwandt wird.

Eine Verwendung des Nickels, die jetzt besondere Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist die zu Münzzwecken.

Bekanntlich sollen nach dem Münzgesetze vom 9. Juli 1873 als Nickelmünzen Zehnpfennigstücke und Fünfpfennigstücke ausgeprägt werden; der Gesammtbetrag der Nickel- und Kupfermünzen soll zwei und eine halbe Mark für den Kopf der Bevölkerung des Reiches nicht übersteigen.

Die Gründe, weßhalb man als Münzmaterial für die Münzen zu 10 und 5 Pfennigen an die Stelle des geringhaltigen Silbers nach dem Vorgange der Schweiz, Belgiens und der Vereinigten Staaten eine Nickellegirung hat treten lassen, fassen die Motive zu dem Entwurf des Münzgesetzes im Wesentlichen dahin zusammen:

Bei Münzen, wie den oben genannten, ist die Wahl des Münzmetalles ohne Rücksicht auf den Werth lediglich nach Gesichtspunkten der äußeren Zweckmäßigkeit zu treffen. Die bisherigen geringhaltigen Silberscheidemünzen lassen, wenn sie einige Zeit im Gebrauch gewesen sind, von ihrem Silbergehalt nur noch eine weiße schwache Spur erscheinen, so daß die Verwendung des Silbers, welches schwer wieder auszuscheiden ist, ihren Zweck verfehlt und daher als Verschwendung erscheint. Eine Metalllegirung |77| aus Kupfer mit Zusatz von Nickel, vielleicht auch etwas Zinn oder Zink, ohne Beimischung von Silber, gibt ein Münzmetall, welches sich durch seine Farbe sowohl von dem Silber, als auch von dem Kupfer nachhaltig unterscheidet, weniger Schmutz annimmt, als das geringhaltige Silber, und der Abnutzung und Oxydation anscheinend besser widersteht als das Münzmetall unserer Groschenstücke. Die Münzen aus diesem Metall können etwas schwerer ausgeprägt werden als die kleinen Silberscheidemünzen, weil ihre Farbe sie von den Silber- und Kupfermünzen leicht unterscheiden läßt. Endlich wird die Wahl dieses Münzmetalles auch eine nicht unwesentliche Kostenersparniß herbeiführen.

Das Material der belgischen Nickelmünzen, welche aus 75 Proc. Kupfer und 25 Proc. Nickel bestehen, kommt – wenn auch das Nickel im Preise sehr gestiegen ist und ferner noch steigen wird (1 Pfund kostete im März 1873 etwas über 3 Thlr.) – viel billiger zu stehen als das Material unserer Silberscheidemünzen. Ein Pfund Nickellegirung würde nämlich etwa 1 Thaler kosten, während das Pfund 1/12-Thaler-Silber 12 Thaler, das Pfund 1/30- und 1/60-Thaler-Silber 7 Thlr. kostet.

Bei den geringeren Kosten der Nickellegirung, verglichen mit denen der Silberlegirung, könnte man allerdings fürchten, daß die Nickelmünzen nachgeprägt werden; in Belgien soll man jedoch davon nichts bemerkt haben, vielmehr mit den Nickelmünzen sehr zufrieden seyn. Die nähere Feststellung der zu wählenden Nickellegirung ist im Münzgesetz dem Bundesrathe vorbehalten.

Zum Schluß fügen wir noch die nachstehenden Bemerkungen hinzu.

Die Preise des Nickels, welche vor nicht langer Zeit durchschnittlich zu 1 Thlr. 10 Sgr. für das Pfund angenommen wurden, sind in der neuesten Zeit ganz außerordentlich gestiegen, weit über 3 Thlr. hinaus; wir hören, daß dieselben sich jetzt auf etwa 5 Thlr. für das Pfund belaufen.

Selbstverständlich ist hierdurch die Neusilberwaaren-Industrie sehr empfindlich betroffen.

Die Handelskammer des Kreises Altena zu Lüdenscheid schreibt darüber in ihrem Jahresberichte für 1872: „Für die Fabrication von Neusilber ist gegen Ende des Jahres 1872 der schwerwiegende Uebelstand eingetreten, daß Nickel, welches den werthvollsten Bestandtheil dieses Artikels bildet, bis heute um das Vierfache gestiegen ist, und zwar hauptsächlich wohl in Folge der durch die Reichsregierung projectirten Ausprägung von Scheidemünzen aus Nickel. Ob diese Steigerung nur eine vorübergehende, durch die Speculation einstweilen aufrecht erhaltene, oder aber ob durch diese neue Münzsorte ein andauernder Mangel an Nickel, dessen Ausbeute überhaupt nur eine beschränkte ist, eintreten könnte, wird sich erst herausstellen, nachdem das Münzgesetz einige Zeit in Wirkung getreten seyn wird.

Jedenfalls würde ein Verzicht auf diese Münzsorte für die ganze so ausgedehnte Industrie von Neusilberwaaren außerordentlich wünschenswerth gewesen seyn.“

Auch die Handelskammer des Kreises Iserlohn besorgt von der außerordentlichen Steigerung der Nickelpreise große Gefahr für die Neusilberwaarenbranche. (Hannoversches Wochenblatt für Handel und Gewerbe, 1873, Nr. 36.)

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