Titel: Neue Imprägnir-Methode des Holzes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 210/Miszelle 3 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj210/mi210mi01_3

Neue Imprägnir-Methode des Holzes.

Bei Lösung der Frage, auf welche Weise Holz am besten gegen die Einflüsse der Witterung oder die des umgebenden Erdreiches geschützt werden könnte, waren stets zwei Punkte in's Auge zu fassen: 1) die passendste Präservativ-Substanz aufzufinden, 2) eine einfache, praktische Methode aufzustellen, mittelst welcher das Holz bis auf's Mark oder doch wenigstens bis auf eine bedeutende Tiefe durchtränkt werden kann. Zwar ist man durch die Methode Boucherie (Gewicht einer bedeutenden Flüssigkeitssäule), sowie durch das Verfahren von Bréaut, Fleury, Peronnet u.a. (Druck in geschlossenem Gefäße) dahin gelangt, das Holz bis zu einem sehr zufriedenstellenden Grade zu imprägniren, allein desto weniger glücklich war man bisher in der Wahl der Imprägnirsubstanz. Einige, welche meinten, das Verfaulen des Holzes müsse der Thätigkeit vegetabilischer und animalischer Parasiten zugeschrieben werden, haben das Holz mit Gift (Zinkchlorid, Kupfervitriol) zu imprägniren versucht. Nur die letztere |78| Substanz ist noch bei einigen Administrationen in Frankreich in Verwendung. Aber alle solche lösliche Salze können nur eine kurze Zeit wirksam bleiben, da sie nothwendiger Weise in Folge der Luft- oder Bodenfeuchtigkeit, des Regens etc. nach einer gewissen Zeit verschwinden.

Andere nahmen Patente darauf, das Hol; mineralisch zu imprägniren und zwar durch die successive Wirkung zweier Körper, welche ein unlösliches Salz bilden: phosphorsaures Eisensalz, schwefelsauren Baryt, Eisen-Silicate u.s.w. Allein im Allgemeinen hatten diese Methoden stets den Nachtheil, daß durch die schädliche Wirkung, der bei der Zersetzung und Salzbildung frei werdenden Säuren die Holzfaser in ihrer Zusammensetzung angegriffen wurde; deßhalb ist auch keines dieser Verfahren im Gebrauch geblieben.

Später adoptirte man das in England sehr eingebürgerte Imprägniren mit Kreosot. Allerdings wirkte man dadurch der Fäulniß entgegen, allein das Holz zu erhärten war man dadurch nicht im Stande. Außerdem ist dieses Verfahren sehr theuer, die Operation schwierig, die Apparate sehr kostspielig; größte Langsamkeit erforderlich; es muß durch fortwährende Analysen untersucht werden, ob sich die Flüssigkeit noch in dem richtigen Zustande befindet und außerdem ist die große Feuergefährlichkeit eine unangenehme Zugabe.

Hr. Hatzfeld, ein Industrieller in Nancy, hatte schon längst sein Augenmerk darauf gerichtet, daß Eichenholz sich vor Allem gut halte: hatte man doch im Jahre 1830 in Rouen Eichenpiloten ausgegraben, welche nachweislich im Jahre 1150 gesetzt worden waren, die nicht nur schwarz wie Ebenholz, sondern auch von einer ganz erstaunlichen Härte waren. Hatzfeld führte diese Eigenschaft des Eichenholzes auf seinen außergewöhnlichen Reichthum an Gerb- und Gallussäure zurück und ist der Ansicht, daß die so reichlich vertretene Gerbsäure auf die Holzfaser eine ganz ähnliche Wirkung hervorbringe, wie die Lohe auf animalische Häute, daß sie nämlich harte, unlösliche und undurchdringliche Zusammensetzungen bilde, welche ohne Aenderung den Einflüssen der Hitze wie der Feuchtigkeit Widerstand leisten können.

Die dunkle Färbung hat ja die Chemie längst als Ergebniß der Verbindung der Gallussäure des Holzes mit den in jedem Boden mehr oder weniger vorhandenen Eisenoxyden hingestellt. Und diese gerb- und gallussauren Eisenoxyde hält Hatzfeld für das beste Präservativ gegen Fäulniß.

Er schlägt deßhalb vor, das Holz mit Gerbsäure und dann mit einer Lösung von holz essigsaurem Eisensalze zu imprägniren und so gewissermaßen die Hölzer gleich in dem Zustande in die Erde zu setzen, in welchem wir sie andernorts nach Jahrhunderte langem Aufenthalte aus der Erde gezogen haben.

Diese Methode hat auch den großen Vortheil der Billigkeit und sind die angewandten Säuren der Holzfaser durchaus nicht schädlich. Die französische Telegraphen-Verwaltung macht in diesem Augenblicke Versuche im Großen mit dieser neuen Methode und zwar auf der Linie Nancy-Vezelise. Die Versuchsstation selbst befindet sich auf den Holzbauplätzen des Hrn. Hatzfeld in Nancy. (Gaz. des Arch. et du bât. No. 13.) (Aus der Zeitschrift des österr. Ingenieur- und Architektenvereines, 1873 S. 225.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: