Titel: Höchst schwerschmelzbarer deutscher Dinasstein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 210/Miszelle 1 (S. 153–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj210/mi210mi02_1

Höchst schwerschmelzbarer deutscher Dinasstein.

Hr. Dr. Carl Bischof in Wiesbaden theilt Folgendes mit:

„Unter verschiedenen Dinasstein-Fabricaten, welche mir in letzter Zeit zugeschickt wurden, beschreibe ich nachstehend ein solches, das auf Grund mehrfach abgeänderter vergleichender Versuche mit den besten englischen, in mehr als einer Beziehung als ein vorzügliches zu bezeichnen ist. Dasselbe ist angefertigt in der renommirten Fabrik feuerfester Producte von R. Keller in Stolberg bei Aachen.

Der vorliegende gelbliche, außen fein punktirte Stein fühlt sich körnig und nicht glatt an, ist ohne Klang, scheitert beim Anschlagen, und es sind hier und da Rißchen zu bemerken. Der körnige Bruch läßt eine sehr gleich dichte, nicht löcherige und wenig fleckige Masse erkennen, eine mäßig feinkörnige, in welcher größere Theile bis zur Größe eines Pfefferkorns innigst, aber nicht häufig und von der Grundmasse kaum unterscheidbar, eingebettet liegen.

Der Stein ist im Ganzen nicht sehr fest und weicht in dieser Hinsicht von den englischen ab, die außen glatt oder gleichsam candirt und überhaupt compacter erscheinen und innen eine zuckerartige, durch partielle Verschmelzung bewirkte Verkittung einer sehr feinen Grundmasse mit einem reichlicheren und meist gröberen Zusatze aufweisen. |154| Wegen dieser im Allgemeinen größeren mechanischen Festigkeit der englischen Steine sind dieselben, wie bekannt, transportfähiger; doch hat diese nützliche Eigenschaft auch ihre Schattenseiten. Die englischen, namentlich die mehr candirten, glasharten Steine zeigen eine größere Empfindlichkeit gegen raschen Temperaturwechsel und eine fatale Neigung zum Abspringen. Auch sind sie schwieriger zu behauen. Bei einem geringeren Grade von mechanischer Festigkeit sind diese Nachtheile auch ebenso von geringerer Bedeutung, und es dürfte das vorliegende Fabricat, dessen Festigkeit für einen nicht allzu fernen Transport wohl ausreichen mag, rationeller den in dieser Hinsicht difficilen Punkt getroffen haben. Zu dem Stolberger Dinasstein wird ein grauer, feinkörniger und sehr harter Sandstein der Steinkohlenformation des dortigen Indebeckens verwendet. Die Steine werden hergestellt im gewöhnlichen englischen Format (Square Brick), 9 × 4 1/2 × 2 1/2 Zoll, und kosten circa 6 Thaler per 1000 Pfd. ab Stolberg.

Pyrometrische Bestimmung. – Eine Durchschnittsprobe der fraglichen Steinmasse feinst pulverisirt und controllirter Platin-Schmelzhitze ausgesetzt:

ist noch körnig und staubt ab beim Schaben mit dem Messer. Die Masse erscheint schön weiß und fast ohne Verdichtung auf dem Bruche.

Damit ebenso eine Probe des besten englischen Dinassteines, die mechanisch fester, doch nicht bedeutend, verglichen:

ist gleichfalls körnig und staubt ab beim Schaben mit dem Messer. Der Bruch erscheint mehr verdichtet, und die Färbung ist eine graulich-weiße.

Ein anderer bester englischer Dinasstein, der wesentlich fester, in derselben Weise verglichen:

ist gleich körnig und abstaubend; doch erscheint der Bruch ebenfalls mehr verdichtet, und die Färbung ist eine graue mit einem Stich in's Gelbliche.

Ferner ebenso heftig geglüht Bruchstücke des fraglichen Steines: bilden eine lose, zusammengesinterte körnige Masse ohne Glanz. Nur die gröberen Theile zeigen eine glänzende, schmelzartige Umhüllung.

In derselben Weise geglühte Stücke der besten englischen Dinassteine: bestehen aus einer verdichteten (wie mit Oel getränkten) Grundmasse, von welcher die gröberen, übrigens gut erhaltenen schneeweißen Theile mehrfach rissig sich abgelöst haben.

Schließlich zwei gleiche, cylindrische Probesteinchen zurecht gehauen aus dem deutschen und dem besten englischen Stein und einander kreuzweise gegenüber auf einem Untersatze dem offenen, heftigsten Feuer (annähernder Platin-Schmelzhitze) eine Stunde lang ausgesetzt:

bilden beide Steinchen eine verdichtete, aber geschlossene, fast unveränderte Masse.

Dagegen ist bei dem englischen die Grundmasse zwischen den groben Körnern theilweise schon ausgeflossen, wodurch letztere hervortreten und die Proben ausgefressen erscheinen.

Deßgleichen nach zwei Stunden:

sind die deutschen Steinpröbchen im Ganzen noch erhalten, das Innere bildet eine ölige, verdichtete Masse, und nur äußerlich an der Peripherie zeigen sich ausgeflossene Höhlungen.

Dagegen sind die englischen von weit größeren und durch und durch gehenden Höhlungen bis in das Innere erfüllt.

Die quantitative Bestimmung des Eisens und des Kalkes in dem bezeichneten Dinasstein durch Digeriren erst mit concentrirter Schwefelsäure, und alsdann mit Salzsäure ausgezogen, ergab 0,23 Proc. Eisenoxyd und nur Spuren von Kalk, also wesentlich geringere Mengen, als in den besten englischen Dinassteinen gefunden werden.

Zusammenfassung. Auf Grund vorstehend beschriebener Versuche ergibt sich demnach:

Der vorliegende deutsche Stein als Ganzes genommen ist nicht allein höchst schwerschmelzbar, sondern übertrifft noch entschieden und evident in pyrometrischer Hinsicht die besten englischen Dinassteine. Unterscheidet man zwischen Grundmasse und dem gröberen Zusatz, so ist demnach die inländische, nicht so feinkörnige und lose, aber gleichmäßig dichtere Grundmasse mehr schwerschmelzbar, als die englische; dagegen verhält sich der grobe, dort mehr verschwindende Zusatz, der |155| sich aber fester und ohne Risse brennt, nicht so strengflüssig wie bei dem englischen.

Hinsichtlich geringerer Empfindlichkeit gegen Temperaturwechsel und geringeren Abspringens dürfte zugleich dem Keller'schen, mechanisch weniger festen Fabricat ein mehr günstiges Prognostikon zu stellen seyn.“ (Berggeist, 1873, Nr. 30.)

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