Titel: Japanischer Lack.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 210/Miszelle 14 (S. 159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj210/mi210mi02_14

Japanischer Lack.

Die Schönheit der japanischen lackirten Waaren hat, wie Jedermann weiß, schon lange den Wunsch entstehen lassen, dieselben in gleicher Vollendung auch in Europa anfertigen zu können, doch blieben alle Versuche bisher vergeblich. Man gab sich der Ansicht hin, daß Säfte von uns unbekannten Pflanzen zur Bereitung mitverwendet würden. Es war zu bedauern, daß von den vielen Europäern, welche, besonders in letzter Zeit, Japan besuchten, sich Keiner eingehend mit der Frage beschäftigte. In Holland wurden und werden bis zur Stunde lackirte Kästen mit Einlagen von gemalter Perlmutter verfertigt, welche ganz in japanischer Manier und wie man meinte mit aus Japan importirtem Lack ausgeführt sind. Ein solcher, besonders schöner Kasten befindet sich gegenwärtig in der permanenten Ausstellung des bayerischen Gewerbemuseums. Derselbe ist nicht nur außen, sondern auch innen auf allen Flächen, die Deckel innen und außen, mit dieser prachtvollen Malerei verziert.

Es wird nun gewiß von Interesse seyn, eine kurze Beschreibung der Fabrication dieser Waaren kennen zu lernen, welche auf amtlichen Erhebungen beruhend, beweist, daß die Vortrefflichkeit und Schönheit derselben nicht allein in der Güte des verwendeten Lackes, sondern namentlich in der sorgfältigen Bearbeitung begründet ist.

Zur Bereitung des Lackes wird der härteste Copal, besonders Zanzibarcopal verwendet, zur Erreichung der tiefschwarzen Farbe wahrscheinlich Tusch (ostindische Tinte).

Der Lack wird nicht aus Japan importirt, sondern führt in Holland den Namen „Deutscher prima Japanischer Lack.“ In Rotterdam lebt ein Lackirer, welcher ihn bereitet, aber die Art und Weise als Geheimniß bewahrt.

Nachdem die Gegenstände ein par Mal mit Lack überzogen sind, werden sie nochmals lackirt und in diesen Ueberzug, so lange er noch klebrig ist, die dünn geschliffene Perlmutter eingelegt. Die Figuren werden ausgesägt, häufig wiederkehrende Formen ausgestanzt oder mit Zangen ausgekneipt.

Die Gegenstände werden nun in einem Ofen getrocknet, wodurch der Lack und die Perlmutter die nöthige Festigkeit bekommen. Nach abermaligem Ueberstreichen mit Lack und Trocknen im Ofen wird mit Bimsstein der Lack von der Perlmutter abgeschliffen, und dieses wechselweise ganz Ueberstreichen und von den erhöhten Stellen wieder Abschleifen des Lackes solange fortgesetzt, bis die Perlmutter so dünn und der Lack so dick geworden sind, daß eine glatte Fläche hergestellt ist. Die Politur wird mit Tripel gegeben.

Die Malerei, in Farben oder Gold, hängt von der Geschicklichkeit und dem Geschmack des Arbeiters ab. Die Vergoldung wird entweder mit Blattgold oder Bronzepulver in der gewöhnlichen Weise erzielt und solche Stellen, welche als Relief hervortreten sollen, werden mit einer dicken Lackfarbe aufgetragen, angetrocknet, geschliffen, gemalt und vergoldet. (Kunst und Gewerbe.)

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