Titel: Der Gay-Lussac'sche Apparat bei der Schwefelsäurefabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 210/Miszelle 2 (S. 155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj210/mi210mi02_2

Der Gay-Lussac'sche Apparat bei der Schwefelsäurefabrication.

Geh. Rath Dr. Kunheim hielt im Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen einen Vortrag über die Anwendung des Gay-Lussac'schen Apparates bei der Schwefelsäurefabrication. Bei der großen Ausdehnung, welche die Schwefelsäurefabrication in der Neuzeit namentlich durch die Fabrication der künstlichen Dünger gewonnen hat, hat sich der Gay-Lussac'sche Apparat als nothwendig für die Oekonomie der Fabrication erwiesen; er ist aber auch geeignet, die Uebelstände zu beseitigen, die mit der Schwefelsäurefabrication für die Nachbarschaft verbunden sind; trotzdem gibt es noch viele Fabriken, die theils des Kostenpunktes wegen, theils aus mangelnder Kenntniß der Wirksamkeit des Apparates sich weigern, denselben einzuführen. Der Apparat besteht aus einem Thurm, durch den von oben nach unten concentrirte Schwefelsäure fließt, während die gasförmigen Stickstoffverbindungen des Sauerstoffes aus den Bleikammern unten in den Thurm geleitet und bei dem Aufsteigen durch die herabfließende Schwefelsäure absorbirt werden. Daß die Absorption der für die Nachbarschaft schädlichen Gase eine vollständige ist, erkennt man aus dem Umstande, daß die oben aus dem Thurm entweichende Luft bei guter Bedienung des Apparates vollständig farblos erscheint. Die unten abfließende, mit den Stickstoffverbindungen gesättigte Schwefelsäure gelangt in die Bleikammern zurück, um neue Mengen schwefliger Säure zu Schwefelsäure zu oxydiren. Zur vollständigen Absorption der schädlichen Gase kommt es hauptsächlich auf die gleichmäßige Vertheilung der Schwefelsäure an. Die früher angewandten Mittel haben diesen Zweck nur in unvollkommener Weise erreicht. In des Vortragenden Fabrik ist seit längerer Zeit zur gleichmäßigen Vertheilung der Schwefelsäure über dem Thurme ein Segner'sches Rad angebracht. Dasselbe wird durch Ausfließen der Schwefelsäure in bekannter Weise in rotirende Bewegung versetzt, und ermöglicht eine äußerst gleichmäßige Vertheilung der Schwefelsäure. Es hat sich die Anwendung dieses Rades vortrefflich bewährt und ist dasselbe als das beste Hülfsmittel bei dem Gebrauche des Gay-Lussac'schen Apparates zu empfehlen.

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