Titel: Ueber ein Substitut für die Oelbeize der Türkischrothfärber; von Armand Müller in Hard bei Zürich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 210/Miszelle 7 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj210/mi210mi03_7

Ueber ein Substitut für die Oelbeize der Türkischrothfärber; von Armand Müller in Hard bei Zürich.

Der Verf. geht von der Voraussetzung aus, daß die zum Ausfärben in der Krappflotte fertige Baumwollfaser Alaun, Gerbstoff und Sämisch-, d.h. Oelleder in geeigneter Menge und passendem Verhältniß in ihren Poren niedergeschlagen enthalte. (Auf eine Analogie der Gerberei- und Rothfärberei-Processe hat schon R. Wagner in seinem Handbuch der chemischen Technologie hingewiesen.) Wenn auch nicht anzunehmen ist, daß die Niederschläge, welche durch Leim, Albumin u.s.w. und Gerbstoff, Alaun, Oel erhalten werden, eigentliches Leder sind, so animalisiren sie doch die Faser ungemein stark und sind unlöslich in schwachen Säuren und Laugen, wie gewöhnliches Leder. Behalten wir also den Ausdruck „Lederniederschläge“ bei.

Es ist bekannt, daß die Rothfärber ihren Oel-Emulsionen Kuhkoth zusetzen, welcher eine nicht unbedeutende Menge Leim und Proteinstoffe enthält. Ohne diese Substanzen ist keine eigentliche Weißbeize denkbar, was direct durch Färbeversuche bewiesen werden kann.

1) In der Oelbeize muß Leim vorhanden seyn. Der Grund nun davon, daß sich durch eine einzige Beizung nur sehr wenig oxydirtes Oel (Sämischleder) bildet, ist nur in der relativ geringen Menge des Leimes im Mordant zu suchen. Es ist dadurch angezeigt, daß wir eine gewisse Quantität zusetzen, da die Baumwollfaser sich an der Reaction nicht betheiligt, oder nur insofern, als sie als poröses Material sauerstoffabsorbirend ist. Wir wissen, daß bei der Sämischgerberei, wie bei der Rothfärberei, das Oel (durch längeres Aufeinanderliegenlassen, an die Luft hängen und Trocknen bei höherer Temperatur) „oxydirt“ wird; den Chemismus des Vorganges, wie sein Endproduct kennen wir allerdings nicht; dieß thut indessen nichts zur Sache. Durch Versuche hat sich ergeben, daß die Oxydation künstlich ohne Wärme durch unterchlorigsaure Alkalien (nicht aber durch übermangansaures Kali) herbeigeführt werden kann. Es bildet sich schon beim Stehen einer solchen Flüssigkeit ein schmieriger, weißer, specifisch leichter, mordirender Körper von indifferenten Eigenschaften, löslich |237| in Aether, Terpenthinöl und Aceton. Mit Leim, Thonerde und Tannin behandelt, färbt er sich durch künstliches Alizarin scharlachroth. Es ergibt sich daraus:

2) Kalte Lösungen von unterchlorigsauren Alkalien vermögen nach kurzer Zeit die Oxydation des Oeles auf der Faser zu bewirken.

Aus diesen beiden Sätzen folgt, daß wir ein Substitut für die Oelbeize in folgender Weise erhalten können: Man bereitet sich eine Emulsion von gewöhnlichem Olivenöl (es braucht natürlich nun kein schleimiges Tournantöl zu seyn) in einer passend starken Leimlösung, was ungemein leicht gelingt, bringt dann die Lösung eines unterchlorigsauren Alkalis (z.B. Eau de Javelle) hinzu, läßt die stark schäumende Masse höchstens zwei bis vier Stunden lang stehen, beizt, trocknet bei gewöhnlicher Temperatur ein bis zwei Mal, gibt ein Lauterbad, wäscht, alaunirt, kreidet, schmackirt und färbt endlich aus.

Der Verf. hat auf diese Weise schöne, wenn auch noch nicht völlig befriedigende Resultate erhalten und wird die Versuche fortsetzen. Die quantitativen Verhältnisse kann er jetzt noch nicht angeben. (Chemisches Centralblatt, 1873 Nr. 34.)

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