Titel: Lichtdruck ohne Anwendung einer Presse; von Richard Jacobsen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 210/Miszelle 8 (S. 237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj210/mi210mi03_8

Lichtdruck ohne Anwendung einer Presse; von Richard Jacobsen.

Man verfertigt auf einer Glasscheibe ein Kohlebild nach bekannter Manier und umgibt das Bild mit einem Holzrahmen, der sich genau der Glasscheibe anschließt. Hierauf gießt man in den Rahmen eine nicht zu warme Masse bestehend aus 1 Theil Gelatine, 1 Theil arabischem Gummi und 2 Theilen Glycerin. Dieselbe muß die Eigenschaften der bekannten Buchdruckerwalzenmasse besitzen. Ist diese Masse in dem Rahmen erstarrt, so entfernt man letzteren vorsichtig mit einem Messer von derselben und kehrt ebenso vorsichtig die Gelatineplatte, welche sich mit dem Kohlebilde verbunden, um. Zum Druck, resp. Einschwärzen des Bildes bedient man sich einer außen mattgeschliffenen Glaswalze, und geschieht das Einschwärzen am besten auf einer gleichen elastischen Unterlage, wie die erwähnte Buchdruckerwalzenmasse.

Die Druckerschwärze, welche sehr consistent seyn muß, löst man zur leichteren Vertheilung zuvor in Terpenthinöl oder Benzol auf und gießt von dieser Lösung ohne Zufügung von Firniß auf die Platte und vertheilt dieselbe mit der Glaswalze. Hierauf schwärzt man die Platte ein, legt einen nicht coagulirten Eiweißbogen von entsprechender Größe auf das eingeschwärzte Kohlebild, streicht mit einem Gummistreicher sanft über den Bogen und zieht denselben von der Platte ab.

Das Eiweißpapier, welches durch das Aufliegen Feuchtigkeit aufnimmt, darf nicht zu lange auf der Platte liegen bleiben, weil sich sonst die Eiweißschicht ablöst und die Platte verunreinigt. Eine Anfeuchtung der Platte mit Wasser ist nicht nöthig, da die Platte hinreichend Feuchtigkeit besitzt, um einige Dutzend Bilder abdrucken lassen zu können. Natürlich erschöpft sie sich zuletzt, ist aber hygroskopisch genug, Feuchtigkeit in einigen Stunden aus der Luft aufzunehmen, so daß man dann wieder zu drucken vermag. Während bei den anderen Lichtdruckverfahren das Bild tief liegt und die Schwärze gewissermaßen eingedrückt wird, hat diese Methode den Vortheil, daß ein erhabenes Relief gebildet und somit der Druck erleichtert wird. Nach diesem Verfahren lassen sich ferner auch runde Gegenstände wie Flaschen, Vasen u.s.w. bedrucken, vielleicht auch mit Farben, die eingebrannt werden können. (Dr. E. Jacobsen's chemisch-technisches Repertorium, 1872, 2. Halbjahr. S. 144.)

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