Titel: Ueber Schmalzöl und Schmalzbutter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 210/Miszelle 14 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj210/mi210mi04_14

Ueber Schmalzöl und Schmalzbutter.

Schmalzöl und Schmalzbutter werden seit einigen Jahren in Hamburg und Leipzig aus Repsöl fabricirt. Nach C. Puscher läßt sich das Rübsamenöl in folgender Weise von seinem unangenehmen Geruch und Geschmack befreien und in angenehm süßlich schmeckendes Schmalzöl verwandeln. 6 Loth feingepulverte Kartoffelstärke rühre man unter 6 Pfd. Repsöl und erhitze solches in einem gut verzinnten kupfernen Kessel unter stetem Umrühren mittelst eines hölzernen Spatels, am besten in einem Sandbade bis zum angehenden Sieden. Hierbei fängt das Oel an zu schäumen, weßhalb es räthlich ist, ein zwei Mal so großes Gefäß als der Raum des Oeles einnimmt, anzuwenden. Nach einer Viertelstunde läßt dieses Schäumen nach, das Oel kocht nun ruhig fort, die darin suspendirte Stärke färbt sich schwarzbraun und eine starke Entwickelung |319| des unangenehm riechenden ätherischen Oeles findet statt. Letztere Entwickelung ist bei größeren Quantitäten sehr stark und ist es daher rathsam die Operation unter einem gutziehenden Schlot vorzunehmen. Man läßt nun das Oel 2 bis 3 Stunden, bei größeren Quantitäten noch länger, fortsieden, bis dasselbe seinen widerlichen Geruch und Geschmack mit einem angenehm süßlichen vertauscht hat. Der Kessel wird dann vom Feuer entfernt und das erkaltete Oel zum Absetzen der gebildeten Stärkekohle in ein passendes Gefäß gegossen. Nach 48 Stunden Ruhe erhält man ein klares, goldgelb gefärbtes Oel, welches sich kalt zu Salat und erhitzt zu den verschiedensten Speisen mit Vortheil anstatt Butter und Schmalz verwenden läßt. Um ein Entzünden des Oeles zu verhüten, muß das Erhitzen desselben nothwendig im Sandbad vorgenommen werden. Die Feuerung kann dann auch mit dem billigsten Brennmaterial geschehen. Der Verlust bei dieser Reinigung beträgt kaum 2 Proc. Ein so zubereitetes, also von Wasser und ätherischen Oelen befreites Repsöl hat auch die Eigenschaft erlangt, an der Luft nicht ranzig zu werden, eignet sich daher auch als ein vortreffliches und billiges Schmiermittel zu allen Maschinentheilen. Vermischt man 2 Thle. von diesem Oel mit 1 Thl. frischem Rindsfett, so stellt dieses Gemisch die oben erwähnte Schmalzbutter dar. Daß man statt Kartoffelstärke auch Weizenstärkeabfälle, Sägespäne etc. anwenden kann, ist nicht zu bezweifeln.

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