Titel: Verfahren zur vollständigen Entschwefelung der Kiese bei der Schwefelsäurefabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 210/Miszelle 12 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj210/mi210mi05_12

Verfahren zur vollständigen Entschwefelung der Kiese bei der Schwefelsäurefabrication.

Einem Berichte von Lamy über die letzte Lyoner Industrieausstellung entnimmt das „polytechnische Centralblatt“ Folgendes: Die Kiese von Lyon, welche zur dortigen |400| Schwefelsäurefabrication dienen, enthalten im Mittel 45 Procent Schwefel und 39,5 Proc. Eisen. Beim Rösten derselben blieben bisher selbst unter den günstigsten Verhältnissen nicht weniger als 4 Proc. Schwefel in dem Rückstande, und dieser konnte wegen dieses Schwefelgehaltes nicht zur Eisenfabrication benutzt werden. Um eine vollständige Entschwefelung zu erzielen, braucht man zwar nur den Rückstand vom Rösten der Kiese zu pulverisiren und dann nochmals zu rösten; es ist jedoch schwierig, dieß in hinreichend wohlfeiler Weise auszuführen.

Michel Perret glaubt nun aber mittelst eines Ofens mit mehrfachen Etagen (französisches Patent vom 20. Mai 1870), wie er in den meisten französischen Fabriken angewendet wird, dieses Problem gelöst zu haben. Dieser Ofen besteht im Wesentlichen aus zwei Theilen: unten einem mit einem Roste versehenen Schachte zum Verbrennen der Stückkiese und oben einer Reihe von Etagen aus thönernen Platten bestehend, zwischen denen die aus dem Schacht aufsteigenden heißen Gase circuliren. Auf diesen Etagen breitet man den pulverförmigen Kies in dünnen Schichten aus, und er verbrennt hier in 24 bis höchstens 36 Stunden.

Um nun eine vollständigere Entschwefelung zu Stande zu bringen, so daß nur 1 bis 2 Tausendstel Schwefel zurückbleiben, unterwirft man den Rückstand vom ersten Rösten einer zweiten Röstung, indem man dabei die beim ersten Rösten entwickelte Wärme benutzt. Man verwendet nämlich zum nochmaligen Rösten dieses Rückstandes einen Theil der Etagen des Ofens, und zwar in der Weise, daß jede Schicht dieses Rückstandes zwischen zwei Schichten von noch nicht abgeröstetem pulverförmigen Kies eingeschaltet wird; durch die beim Verbrennen des letzteren entwickelte Wärme wird dann eine zur vollständigen Entschwefelung des Rückstandes hinreichende Temperatur unterhalten. Man muß bei diesem Verfahren mehr Luft in den Ofen treten lassen, als wenn man bloß rohe Kiese röstet, und der Ofen muß so eingerichtet seyn, daß man den Rückstand vom zweiten Rösten herausnehmen kann, ohne daß er sich mit dem Rückstande vom ersten Rösten vermischt.

Die Gesellschaft von St. Gobain hatte in Lyon Walzeisen ausgestellt, welches aus dem Rückstande vom Entschwefeln der Kiese dargestellt war.

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