Titel: Ueber Condensiren von Gasen und Flüssigkeiten durch Holzkohle; von Melsens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 210/Miszelle 3 (S. 394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj210/mi210mi05_3

Ueber Condensiren von Gasen und Flüssigkeiten durch Holzkohle; von Melsens.

Die Absorption des Chlors durch Holzkohle kann, nach einer Mittheilung des Hrn. Melsens, soweit gehen, daß es an Gewicht der Kohle gleichkommt. Die condensirende Kraft der Kohle kann daher benutzt werden zur Verflüssigung der nicht permanenten Gase.

Man sättigt mit trockenem Chlor etwas Holzkohle in einer heberförmigen Röhre, deren beide Enden man hernach an der Lampe verschließt; wenn man dann den langen Schenkel der Röhre, der die Kohle enthält, in einem Bade von siedendem Wasser erhitzt und den kurzen Schenkel in eine Kältemischung taucht, so verläßt eine beträchtliche Menge Chlor die Kohle, um gasförmige Gestalt anzunehmen, und unter dem Einflusse des hier sich entwickelnden Druckes wird dieses Gas im kurzen, kalten Schenkel flüssig.

Hr. Melsens hat so mehrere Kubikcentimeter flüssigen Chlors erhalten. Hebt man die Röhre aus dem Bade, so geräth das flüssige Chlor von selbst ins Sieden und condensirt sich von Neuem auf der Kohle, während der kurze Schenkel beschlägt. Und man kann nun wieder von vorn diese Erscheinungen des Verflüssigens und Condensirens wiederholen.

In derselben Weise sind andere Gase verflüssigt worden, welche in der Kälte von der Kohle absorbirt, bei einer Temperatur, die nicht über 100° C. steigt, sich wieder aus ihr entwickeln: Ammoniak, schweflige Säure, Schwefelwasserstoff, Bromwasserstoff, Aethyl-Chlorür und Cyan.

Nicht minder interessant ist die Wärmeentwickelung, welche Hr. Melsens beobachtete, wenn er Flüssigkeiten wie Wasser, Alkohol, Aether, Schwefelkohlenstoff und Brom von Kohle absorbiren ließ. So betrug bei Anwendung von flüssigem Brom z.B., und zwar von 1 Theil Kohle und 7 bis 9 Theilen Brom, die Temperaturerhöhung mehr als 30° C., wenn man nur mit 5 bis 10 Grm. operirt. Die in dieser Weise in den Poren der Kohle condensirten, flüchtigen Flüssigkeiten werden dann selbst durch eine Temperatur von 100° C. nicht mehr herausgetrieben, oder entwickeln sich höchstens sehr unvollständig. (Comptes rendus vom 6 October 1873.)

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