Titel: Abrinden von Bäumen mit Dampf.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 210/Miszelle 5 (S. 394–395)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj210/mi210mi05_5

Abrinden von Bäumen mit Dampf.

Zum Abrinden von Eichen behufs Gewinnung von Gerberlohe hatte Jos. Maitre in Chatillon sur Seine vor circa 7 Jahren einen Apparat construirt (patentirt in England, Frankreich, Sachsen etc.) der auf Anwendung von Dampf beruht und im Jahrg. 1867 des polytechn. Journals Bd. CLXXXVI S. 77 näher beschrieben ist. Der |395| Apparat war – von Gagey, Seguin und Comp. in Dijon ausgeführt – bereits auf der Pariser Weltausstellung 1867 ausgestellt und erregte gerechtes Aufsehen, jedoch in sehr verschiedener Richtung. Während die Einen darin eine complete Umwälzung des bisherigen Schälverfahrens erblickten, hielten Andere die Erfindung für reinen Schwindel. In Würdigung der Wichtigkeit der Sache ließ die kgl. preußische Regierung zu Wiesbaden eine genaue Prüfung derselben anstellen.150)

Die Resultate dieser Untersuchungen stellen fest, daß

1) die chemischen und praktischen Resultate bezüglich des Gerbstoffgehaltes der Eichenrinden sich in Uebereinstimmung befinden, daß nämlich die Qualität des Leders dem durch chemische Untersuchungen festgestellten Gerbstoffgehalte der Rinden entspricht;

2) der Gerbstoffgehalt dieser Rinden während der verschiedenen Jahreszeiten keinen so erheblichen Schwankungen unterliegt, daß dieselben bei der Lederfabrication in die Wagschale fallen;

3) der Gerbstoffgehalt durch das Schälbarmachen der Rinde durch Dampf nach den chemischen Untersuchungen sowohl als nach den Gerbversuchen, namentlich auch von dem im Winter gefällten und im darauffolgenden Frühjahre geschälten Holze, keine Einbuße erleidet; somit

4) die Dampf-Schälmethode nach diesen Richtungen hin für die Lederfabrication keinen Bedenken unterliegen kann. (Deutsche Industriezeitung, 1873, Nr. 47.

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Näheres darüber in dem Schriftchen: Die Schälung von Eichenrinden zu jeder Jahreszeit, vermittelst Dampf nach dem System von J. Maitre. Im Auftrage der k. preuß. Regierung zu Wiesbaden forsttechnisch, chemisch und durch Gerbversuche geprüft von Dr. C. Neubauer, Prof. in Wiesbaden, W. Wohmann, kaiserlicher Forstmeister zu Metz und C. A. Lotichius, Lederfabrikanten zu St. Goarshausen a. Rh. (Wiesbaden, C. W. Kreidl's Verlag.)

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