Titel: Ueber die Wiederbelebung der Knochenkohle nach dem Pfleger-Divis'schen Verfahren; von C. Preis, Assistent der Chemie am kgl. böhm. Landes-Polytechnicum in Prag.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 210/Miszelle 7 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj210/mi210mi05_7
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Ueber die Wiederbelebung der Knochenkohle nach dem Pfleger-Divis'schen Verfahren; von C. Preis, Assistent der Chemie am kgl. böhm. Landes-Polytechnicum in Prag.

Die Nachtheile der gewöhnlichen, auf Säuern mit Salzsäure und nachfolgendem Glühen basirten Wiederbelebungs-Methode sind wohl bekannt, und man hat schon seit vielen Jahren dieselbe in der Art zu modificiren gesucht, daß nicht nur die Reinigungskosten verringert, sondern auch das Spodium selbst mehr geschont würde. Diese Bemühungen haben besonders in zwei Fällen Erfolg gehabt, indem sie zu Methoden führten, welche in der Praxis Anwendung fanden. Der Verf. meint hier das Eisfeldt-Thumb'sche151) und das Sebor'sche Verfahren. Das letztere Verfahren, auf welches der Verf. später zurückzukommen gedenkt, hat eine ziemliche Verbreitung gefunden und zu äußerst befriedigenden Resultaten geführt. Das gehoffte vollständige Weglassen des Glühens, welches in qualitativer und quantitativer Beziehung dem Spodium am schädlichsten ist, konnte jedoch leider auch hier nicht Platz greifen, besonders dann nicht, wenn es sich um die Erzielung einer tadellos weißen Waare handelt.

Während das Eisfeldt'sche und das Sebor'sche Verfahren auf der directen Anwendung von Ammoniak basiren, wenden Pfleger und Divis eine kochende schwache Salmiaklösung zur Reinigung des Spodiums an. Dieselbe soll in erster Reihe die Entfernung des absorbirten Kalkes (resp. kohlensauren Kalkes) bewirken; das frei gewordene Ammoniak wirkt dann auf die im Spodium während der Filtration abgelagerten organischen Stoffe ein, und der Apparat ist so construirt, daß die Ammoniakdämpfe aus einem ersten Körper in einen zweiten, dritten und eventuell vierten übergehen, wodurch die Wirkung derselben vervielfacht wird. Um die Kosten der Wiederbelebung auf ein Minimum zu reduciren, ist noch ein Condensationsapparat beigegeben, welcher das schließlich abziehende Ammoniak condensirt und in Salmiak umwandelt.

Ueber die qualitative Wirkung des Salmiaks bei der Reinigung von Knochenkohle herrscht nicht der geringste Zweifel; Beweis derselben sind die erzielten praktischen Erfolge und Laboratoriums-Resultate, für die Wirkung des Ammoniaks speciell die bei der Anwendung des Eisfeldt'schen und Sebor'schen Verfahrens gemachten Erfahrungen. Die quantitative Wirkung ist in Betreff der Entkalkung auch nicht zu bezweifeln. In Bezug auf die organischen Stoffe liefern zwar die jetzt schon gewonnenen Resultate hinreichende Anhaltspunkte, welche ein günstiges Unheil zulässig machen (es wurden nämlich in Parduwitz während einer fünfwöchentlichen Versuchsperiode, in welcher das Spodium ausschließlich nach dem patentirten Verfahren wiederbelebt wurde, 23000 tadelfreie Melisbrode erzeugt); immerhin aber dürfte durch weitere Versuche im Beginn der nächsten Campagne noch definitiv zu entscheiden seyn, ob das Glühen vollständig umgangen werden könne, oder ob dasselbe, wenn auch in größeren Zeiträumen, noch stattfinden müsse.

Der Verf. hat das Verfahren in der praktischen Ausführung beobachtet, und er gesteht, daß nicht nur die Einfachheit der Manipulation, sondern auch die Qualität der erzielten Producte ihn überrascht hat. (Zeitschrift für Zucker Industrie, 1873 S. 181.)

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Das Eisfeldt-Thumb'sche Verfahren ist beschrieben im polytechn. Journal, 1872, Bd. CCVI S. 405.

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