Titel: Scheibler's, neue Methode der Bestimmung des theoretischen Rendements der Rohzucker.
Autor: Scheibler, Carl
Fundstelle: 1874, Band 211, Nr. LV. (S. 277–280)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj211/ar211055

LV. Ueber eine neue, sehr vereinfachte Methode der Bestimmung des theoretischen Rendements der Rohzucker; von Dr. C. Scheibler.

Mit einer Abbildung.

Dr. Scheibler theilt in einer in der Zeitschrift des Vereins für die Rübenzucker-Industrie des deutschen Reichs, Bd. XXIII S. 304 u. f., enthaltenen, mit der vorstehenden Ueberschrift versehenen Abhandlung eine bedeutende Vereinfachung der ursprünglich von ihm angegebenen, mit einem Preise gekrönten Methode134) zur Werthbestimmung der Rohzucker mit. Indem wir hinsichtlich der Details derselben auf die erwähnte |278| Abhandlung selbst verweisen, geben wir hier eine gedrängte Beschreibung des jetzt von Dr. Scheibler vorgeschlagenen Apparates und der Benutzungsweise desselben.

Die nachstehende bezügliche Skizze (Fig. 1) macht die Construction des neuen Apparates ersichtlich. Derselbe besteht aus zwei Glaskölbchen A und B, von denen das erstere mit einer engen Glasröhre o, s versehen ist. An dem unteren Ende dieser Röhre, bei s, ist ein kurzes, gerade abgeschnittenes Glasrohr angesetzt, welches einen solchen äußeren Durchmesser hat, daß es noch bequem durch den Hals des 50 Kubikcentimeter-Kölbchens hindurch geht. In diesem angesetzten weiteren Röhrenstückchen befindet sich das Filter s, bestehend aus einer dicken Filzscheibe, welche einen etwas größeren Durchmesser hat, als der lichten Weite des Röhrenstückchens entspricht, so daß sie, in dieses eingeklemmt, fest sitzt. Dieses Filzfilter ragt unten etwas aus dem Röhrenstückchen hervor, und die Röhre o, s wird mittelst des Korkes (welcher den Kolben nicht luftdicht verschließt, sondern einen seitlichen Längsschlitz besitzt) so tief eingesetzt, daß die untere Filzfläche den möglichst flachen Boden des Kolbens leicht berührt.

Fig. 1., Bd. 211, S. 278

Während der Kolben A sammt Zubehör die Function des eigentlichen Auswaschapparates hat, dient der Kolben B, welchen man durch |279| das Kautschukrohr q mit A in Verbindung setzt, als Saugapparat. Die Bestimmung erfolgt nämlich auf eine sehr einfache Weise durch successives Auswaschen des im Kolben A direct abgewogenen Rohzuckers mit den von Scheibler in der früheren Abhandlung (polytechn. Journal Bd. CCVI S. 48) gegebenen Waschflüssigkeiten, welche der Reihe nach direct aus den Standgefäßen durch die Röhre n eingeführt werden. Nachdem dieselben auf den Zucker eingewirkt haben, wird durch Saugen bei m und nachheriges Schließen des Quetschhahnes p in B eine Luftverdünnung hervorgebracht, und dadurch das Uebersteigen der Waschflüssigkeit aus A durch das Filter s nach B bewirkt. Der ausgewaschene Zucker wird zuletzt unter Einhaltung gewisser Vorsichtsmaßregeln direct in A aufgelöst, verdünnt, geklärt u.s.w. (Zeitschrift für Zuckerindustrie, 1873 S. 432.)

Aus dem Bericht der von dem königl. preuß. Ministerium für Handel etc. eingesetzten Commission 135) zur Prüfung des Scheibler'schen Verfahrens der Bestimmung des Raffinationswerthes der Rohzucker vom 29. März 1873 theilen wir hier zugleich Folgendes mit.

„Nach den Ergebnissen unserer Versuche... bleibt uns kein Zweifel darüber, daß das Scheibler'sche Verfahren eine Raffination im kleinen Maaßstabe ist, bei welcher die in Arbeit genommenen Proben vollständig und sicher in krystallisirten Zucker und Melasse zerlegt werden. Es ist demnach ein Mittel gegeben, innerhalb zwei Stunden, unter Zuhülfenahme der Polarisation, den Procentgehalt eines Rohzuckers an krystallisirtem Zucker festzustellen; auch können mehrere Proben gleichzeitig vorgenommen werden, und unsere Versuche haben dargethan, daß die Methode in verschiedenen Händen hinreichend übereinstimmende Resultate liefert. Wir stellen nun den Antrag, daß von Neuem Versuche im Großen veranlaßt werden, bei welchen die ganze Menge des aus bestimmten Rohzuckern, fabrikmäßig zu gewinnenden krystallisirten Zuckers zuverlässig festgestellt wird. Wenn nun solche Versuche, wie wir voraussehen, zeigen, daß die Ergebnisse des Betriebes im Großen nothwendig und erheblich hinter dem mit der kleinen Probe erhaltenen Resultate zurückbleiben, so wird als wahrer Raffinationswerth eines Rohzuckers der um eine erfahrungsmäßig festgestellte Größe verringerte Procentgehalt desselben an krystallisirtem Zucker – wie solcher nach der von Dr. Scheibler vorgeschlagenen Methode ermittelt wird – anzunehmen seyn.

Dieser Werth würde unseres Erachtens geeignet seyn, als Maaßstab |280| der Besteuerung, resp. Ausfuhrvergütung, an Stelle der sämmtlichen Arten der jetzt üblichen Beurtheilung zu treten. Denn diese Arten der Beurtheilung (Polarisation und Beurtheilung nach Farbe, Korn etc.) sind ihrem Wesen nach alle mehr oder minder trügende Schätzungen des in Rede stehenden Werthes, und das Bestehen verschiedener neben einander führt noch besondere Uebelstände herbei.“ (Vereins-Zeitschrift für Zuckerindustrie, 1873 S. 457.)

|277|

Diese Methode ist im polytechn. Journal Jahrg. 1872, Bd. CCVI S. 48, eine Vereinfachung derselben im Jahrg. 1873, Bd. CCVII S. 150 beschrieben.

|279|

Diese Commission besteht aus den Herren A. W. Hofmann, H. Landolt, H. Wichelhaus und Th. Schütze in Berlin.

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