Titel: Heizeinrichtungen in den Cölner Lazarethzelten, welche während des Krieges von 1870 bis 1871 getroffen waren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 211/Miszelle 5 (S. 243–244)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj211/mi211mi03_5

Heizeinrichtungen in den Cölner Lazarethzelten, welche während des Krieges von 1870 bis 1871 getroffen waren.

Die Zelte, deren jedes 9 Meter breit, 12,5 Met. lang war, wurden zu je drei Stück aneinander gestellt, so daß sie einen Raum von 37,5 Met. Länge bilden. Solcher combinirten Zelte standen mit 2,5 Met. Zwischenraum vier in zwei Reihen bei einander mit im Ganzen 150 Betten, welche mit den Kopfenden nach den Seitenwänden gerichtet, und in der Mitte einen durchlaufenden Gang lassend, aufgestellt waren.

Die unteren Enden der Zeltwand waren durch hochkantig gestellte Breter und angeschüttete Erde gedichtet, und hatte man für den Wasserabfluß einen Graben gezogen.

Die Erwärmung wurde durch Wasserheizung bewirkt. Es wurde dazu ein disponibler stehender Kessel benutzt, dessen Rost 0,63 Met. Durchmesser hatte. Von dem Kessel ging an beiden Seitenwänden der Zelte vorbei ein Doppelrohrstrang ab, von welchem das obere Rohr etwas unter dem Niveau des Wassers vom Kessel aus das warme Wasser fortführte, welches dann abgekühlt durch das untere Rohr nach dem Kessel zurückgeleitet wurde. Die Erwärmung war so vollkommen, daß bei – 15 Grad im Freien die Temperatur in den Zelten constant auf + 12 Grad gehalten werden konnte.

Die Seitenwände der Zelte waren aus einfacher, das Dach dagegen aus doppelter Leinwand. In Folge letzteren Umstandes war die Ventilation zuerst ungenügend, |244| und wurden deßhalb auf jedem der combinirten 37,5 Met. langen Zelte oben in der First zwölf Fenster aus je zwei Scheiben bestehend angebracht, welche nach Bedürfniß geöffnet werden konnten. Die Wirkung entsprach den Anforderungen. Zug war selbst dann nicht vorhanden, wenn die Kopfenden des Zeltes geöffnet wurden, da die Seitenwände durch ihre große Zahl kleiner Oeffnungen die Luft in so genügendem Maaße zuführten, daß eine Bewegung derselben in keiner Weise fühlbar wurde.

Die gesammten Einrichtungen wurden von dem Ingenieur Hrn. Langen in Gemeinschaft mit Hrn. Dr. Lent, dem leitenden Arzte ausgeführt. Die Zelte wurden für Typhuskranke benutzt, und beschränkte sich die Behandlung der Hauptsache nach auf Regulirung der Temperatur des Blutes. Die Blutwärme wurde zu bestimmten Zeiten gemessen, und durch kalte resp. warme Bäder der normale Zustand herzustellen gesucht. Daß dabei gleichmäßige Temperatur des Krankenraumes und vollkommene Ventilation von der größten Wichtigkeit waren, leuchtet ein. Die erzielten Resultate waren überraschend günstig. Von allen Typhuskranken starben nur drei, und bei diesen war Lungenentzündung hinzugetreten. (Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1874, Bd. XVII S. 698.)

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