Titel: Ueber die Einwirkung der Mineralsäuren auf Zucker bei Gegenwart von Salzen der in den Rübensäften enthaltenen organischen Säuren; von E. Feltz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 211/Miszelle 10 (S. 326)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj211/mi211mi04_10

Ueber die Einwirkung der Mineralsäuren auf Zucker bei Gegenwart von Salzen der in den Rübensäften enthaltenen organischen Säuren; von E. Feltz.

Die Wirkung von Mineralsäuren auf eine Zuckerlösung ist bekannt; die kleinsten Mengen derselben verwandeln bei Anwendung von Wärme den Rohzucker in Invertzucker. Feltz suchte nun durch Versuche zu entscheiden, ob dieselbe Wirkung bei Gegenwart von Salzen der in den Rübensäften vorkommenden organischen Säuren eintritt, und diese Untersuchung gewann um so mehr an Interesse, als die Resultate derselben für die dem Hrn. Margueritte patentirte (unten mitgetheilte Methode der Reinigung von Zuckersäften von höchstem Belange sind.

18 Hektoliter Syrup (drittes Product) von 25° Baumé wurden mit 16 Liter käuflicher, mit dem fünf- bis sechsfachen Volum Wasser verdünnter Salzsäure gemischt, dem Gemisch eine Probe entnommen, dieselbe auf 20° Baumé verdünnt und alkalimetrisch untersucht; es wurden per Liter 2,44 Grm. HCl gefunden. Die Hauptmasse des Gemisches wurde dann im Robert'schen Apparate bei 68 bis 75° C. und einer Luftleere von 18 bis 20 Zoll auf 46° Baumé abgedampft. Es wurde nun wieder eine Probe auf 20° Baumé verdünnt und alkalimetrisch untersucht; gefunden wurden per Liter 0,71 Grm. HCl, also eine bedeutende Abnahme der sauren Reaction constatirt. Außerdem wurden vor dem Einkochen in dem auf 20° Baumé verdünnten Gemische per Liter 8,5 Grm. Glukose, nach dem Einkochen dagegen 9,9 Grm. derselben Zuckerart gefunden; der Unterschied ist, wie man sieht, gar nicht bedeutend.

Andere Versuche, deren Details in unserer Quelle mitgetheilt sind, gaben ähnliche Resultate. Es verflüchtigen sich etwa 60 bis 70 (nach einem Versuch 77,7) Proc. der ursprünglich vorhandenen Säure.

Im Anschluß an diese Fabriksversuche wurden einige Laboratoriumsversuche in gleichem Sinne angestellt, und die bei der Verdampfung resultirenden sauren Condensationswässer gesammelt und untersucht. Dieselben enthielten nur Spuren von Salzsäure; die saure Reaction derselben rührt also nur von den verflüchtigten organischen Säuren, welche durch die Salzsäure frei gemacht wurden, her.

Weitere Versuche des Hrn. Feltz ergaben, daß es unmöglich ist, alle im Syrup enthaltenen organischen Säuren durch Zusatz von Mineralsäuren in Freiheit zu setzen, ohne gleichzeitig eine theilweise Inversion des Zuckers einzuleiten. Doch scheint es möglich, wenigstens die Hälfte der organischen Salze in der Luftleere in Mineralsalze umzuwandeln, ohne daß man diese Veränderung zu befürchten hat.

Als Feltz 200 Kubikcentimeter einer reinen Zuckerlösung von 200 Baumé mit 0,71 Grm. HCl vermischte und die Mischung in einem offenen Gefäß auf 600 C. erwärmte, war nach zwei Stunden fast die ganze Zuckermenge invertirt; es waren nämlich per Liter 403 Grm. Glukose entstanden. Ein gleicher Versuch, mit einem Syrup von 170 Baumé, welcher per Liter 4,7 Grm. Glukose enthielt, angestellt, ergab dagegen, daß der Glukosegehalt desselben nur auf 6,49 Grm. gestiegen, also nur um circa 2 Grm. per Liter größer geworden war.

Die Wirkung von Mineralsäuren auf Zucker wird hiernach bei Gegenwart von Salzen organischer Säuren gänzlich modificirt, und die Anwendung von Mineralsäuren in der Zuckerfabrication kann nicht in dem Maaße schädlich wirken, als man bisher wähnte. Aus diesem Grunde kann die Benutzung dieser Säuren nach den Margueritte'schen Angaben auch dem Zuckerfabrikanten in vielen Fällen von Nutzen seyn. (La sucrerie indigène t. VII; Zeitschrift für Zuckerindustrie, 1873 S. 498.)

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