Titel: Ueber die Darstellung der Kohlensäure durch Gährung; von Franz Stolba.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 211/Miszelle 9 (S. 325–326)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj211/mi211mi04_9

Ueber die Darstellung der Kohlensäure durch Gährung; von Franz Stolba.

Die Darstellung der Kohlensäure durch Gährung ist in den Laboratorien am wenigsten gebräuchlich, obgleich sie in manchen Fällen sehr vortheilhaft seyn kann.

Handelt es sich z.B. um einen sehr lange anhaltenden Gasstrom, wie man eines solchen zur Darstellung gewisser Bicarbonate bedarf, so eignet sich hierzu die durch geistige Gährung gewonnene Kohlensäure ganz besonders. Ich verwende zu dieser Darstellung geräumige Thon- oder Glasgefäße an und als Material Rohzucker, der sich hierzu durch seine Billigkeit empfiehlt.

Der Zucker wird in 4 Theilen Wassers gelöst und mit der genügenden Menge Hefe versetzt (5 Volumina dicker Hefe per mille).

Die Gährung tritt im Lause einiger Stunden ein und kann durch Steigerung der Temperatur beschleunigt, durch Erniedrigung verzögert werden.

Man kann demnach durch Wahl eines passenden Locales die Gährung rascher oder langsamer verlaufen lassen.

Geht die Gährung zu Ende, so speist man mit frischer Zuckerlösung und gibt auch etwas Hefe hinzu.

Nachdem die Flüssigkeit während der Gährung steigt und schäumt, muß man eben Gefäße mit genügendem Steigraume verwenden.

Die vergohrene Flüssigkeit wird durch Destillation auf Spiritus verarbeitet.

Zum Waschen der Kohlensäure wendet man zweckmäßig einen mit Wasser gefüllten Kaliapparat, z.B. den von Liebig oder Mitscherlich an, den man mittelst Draht an den Hals des Entwickelungsgefäßes befestigt und die nothwendige Verbindung mit Kautschukröhren herstellt. Bei dieser Einrichtung wird der Apparat sehr handlich und compendiös.

Will man Melasse anwenden, so verdünne man selbe mit 3 Theilen Wasser und wende zum Waschen des Gases zunächst Eisenvitriollösung an, nachdem manche Melasse bei der Gährung Stickoxyd liefert, welches von der Vitriollösung absorbirt wird. Hierauf muß das Gas noch durch ein mit staubfreien Stückchen Holzkohle gefülltes |326| Rohr geleitet werden, um die Kohlensäure geruchlos zu erhalten. (Vorgetragen in der Sitzung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der königl. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften am 7. November 1873.)

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