Titel: Ueber die Structur des Porzellans; von H. Behrens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 211/Miszelle 9 (S. 486)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj211/mi211mi06_9

Ueber die Structur des Porzellans; von H. Behrens.

Nach der zuerst von Ehrenberg 153) gemachten Angabe bestände das Porzellan aus einer geschmolzenen Masse, deren wesentlicher Bestandtheil die dem Kaolin zugesetzten Flußmittel wären, in welcher Masse die aus an einander gereihten Kügelchen gebildeten und dadurch gegliedert erscheinenden Kaolin-Stäbchen, welche wie ein Filz zusammengehäuft sind, unter dem Mikroskope deutlich zu erkennen seyen. Demgemäß wird, und zwar allgemein, das Porzellan als das Product einer partiellen Schmelzung betrachtet; es ist undurchsichtig, weil es ungeschmolzene Kaolinpartikeln in reichlicher Menge enthält, deren Aggregate durch die glasartig geschmolzenen Flußmittel durchscheinend gemacht sind, wie mit Firniß getränktes Papier; es würde durchsichtig seyn, wenn es einer zur Schmelzung des Kaolins genügenden Temperatur ausgesetzt gewesen wäre.

Dagegen behaupteten Oschatz und Wächter,154) das Porzellan sey ein Glas, aus dem sich Krystalle ausgeschieden haben; und Behrens hat gefunden, daß diese Behauptung richtig ist. In keinem der von ihm untersuchten Porzellanpräparate war etwas von gegliederten Kaolin-Stäbchen zu bemerken, und die Partien, welche sich noch etwa als Kaolin deuten ließen, waren keineswegs bloß von Fluß durchtränkt, sondern vollständig flüssig gewesen. Der einzige Bestandtheil, welcher theilweise festen Aggregat-Zustand behalten hatte, war der Quarz; der Verf. betont: theilweise, denn die Kanten der kleinen Quarzsplitter waren allemal abgerundet, und zudem gibt es Sorten von ächtem, hartem Porzellan, die keinen Quarz erkennen lassen, während ihr mikroskopisches Bild sonst in allen Stücken dem der quarzhaltigen Porzellane gleicht. Der Quarz zeigt in diesem Falle ein ähnliches Verhalten, wie der Olivin in geschmolzenem Basalt, der nur dann zum Flusse zu bringen ist, wenn man den Basalt zu äußerst feinem Pulver zerrieben hat. (Poggendorff's Annalen der Physik und Chemie, 1873, Bd. CL S. 386.)

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Poggendorff's Annalen Bd. XXXIX S. 106.

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Polytechn. Journal Bd. CVI S. 322.

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