Titel: Zeman, Notizen aus der Wiener Weltausstellung.
Autor: Zeman, Johann
Fundstelle: 1874, Band 214, Nr. I. (S. 1–8)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214001

I. Notizen aus der Wiener Weltausstellung 1873; mitgetheilt von Johann Zeman.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

(Fortsetzung von S. 294 des vorhergehenden Bandes.)

83–86. Maschinen zum Schleifen von Holzstoff für Papierfabrikation. (Figur 1 bis 10.)

Ich hatte zunächst nur die Absicht, die Maschinen zur Herstellung des geschliffenen oder sogen. mechanischen Holzstoffes, welche die Firma Theod. und Friedr. Bell in Kriens bei Luzern (Schweiz) ausgestellt hatte, näher mitzutheilen; der inzwischen erschienene (in diesem Journal S. 289 des vorhergehenden Bandes schon angezogene) Bericht* über „Papier-Industrie“ von Emil Twerdy ermöglicht es jedoch, auf die Fortschritte dieser Maschinenclasse im Allgemeinen hinzuweisen und an betreffender Stelle die Bell'schen Constructionen mit Zeichnungen näher beschrieben einzuschalten.

„Die Erzeugung und Anwendung des geschliffenen Holzstoffes – so berichtet Twerdy – hat seit dem Jahre 1867 einen großartigen Aufschwung genommen; die Holzstoff-Fabrikation ist zu einem selbstständigen blühenden Industriezweige geworden, der zwar im Principe keine wesentliche Aenderung, dagegen in den Details der Apparate manche werthvolle Vervollkommnung erfahren hat. Seit G. Keller den genialen Gedanken gefaßt, und Heinrich Völter in Heidenheim demselben durch zweckmäßige Form der Apparate praktische Verwerthung gegeben, sind Hunderte von Holzstoff-Fabriken errichtet worden, da sich die Verwendbarkeit des Stoffes immer deutlicher erwies und der Bedarf von Jahr zu Jahr wuchs. So würde beispielsweise Deutschland sieben Millionen Centner Hadern zur Erzeugung seines Papierquantums nöthig haben, während es nur zwei Millionen Centner producirt. Der Abgang wird zum geringen Theile durch die Haderneinfuhr und hauptsächlich durch Surrogate, worunter Holzstoff die bedeutendste Rolle spielt, gedeckt. Der außerordentliche Verbrauch an Holzstoff, welcher durch die bis 60–70 Procent gehende Beimischung zu den Hadernstoffen erklärt wird, weckte die Unternehmungslust zahlreicher Interessenten, welche in der Ausführung und Verbesserung der Schleifvorrichtungen |2| dankbare Objecte ihrer Bemühungen fanden. Allen voran steht jedoch Heinrich Völter in Heidenheim, der mit bewundernswerther Energie und Ausdauer den einmal gefaßten Gedanken verfolgte und ausbildete, und ihm gebührt das Verdienst diese Industrie zu ihrer heutigen Vollkommenheit und Bedeutung gebracht zu haben.

Die wünschenswerthen Resultate: möglichst großes Schleifquantum bei geringstem Kraftconsum, sowie große Feinheit und Gleichartigkeit der nicht allzu kurzen Faser bilden das Ziel aller Vervollkommnung. Je feiner und gleichartiger die Faser, desto schwieriger ist sie im Papiere erkennbar, und desto mehr convenirt sie dem Papierfabrikanten. Die gebräuchlichen Holzarten sind: Fichte, Tanne und Aspe. Das Aspenholz gibt ein sehr schön weißes, jedoch zu weiches Product, und erhält das Papier bei Mischungsverhältnissen, wo Fichtenholz noch sehr glattes, klangiges Papier liefert, bei Anwendung von Aspe einen lockeren, schwammigen „Griff“ und rauhes Aussehen. Hingegen kann man mit gleichem Kraftaufwand und gleichen Apparaten um 36 bis 40 Procent mehr Aspenstoff schleifen als Fichte oder Tanne. Ein sehr beliebter Ausweg, der sowohl dem Schleifer als dem Papierfabrikanten dient, ist das Mischen von Aspen- und Fichtenholz – und zwar derart, daß nach je 3 oder 4 oder 5 Fichtenholz-Klötzen, 1 Aspenholz-Klotz in die Schleif- (oder Preß-) Kammern des Defibreur eingelegt und die Mischung somit sehr intensiv erhalten wird.

Die wesentlichste Bedingung zur Erzielung einer feinen und gleichmäßigen Faser ist bei guter Construction und Ausführung, sowie möglichster Stabilität des Schleifapparates ein guter, feinkörniger Schleifstein und sein oftmaliges Schärfen. Bei den meisten bisher ausgeführten Schleifapparaten mit horizontaler Achse sind mechanische Steinschärf-Vorrichtungen noch nicht in Anwendung gekommen; dagegen zeigt der von der Firma Theod. und Friedr. Bell ausgestellte Apparat mit um eine senkrechte Achse rotirendem Stein die Anwendung einer solchen, und es steht wohl zu erwarten, daß der Schärfapparat in entsprechender Modification auch bei dem erstgenannten System zur Anwendung gelangt.

Um den Stoff rasch und sicher vom Stein abzuspülen, der dadurch wesentlich angriffsfähig erhalten wird, ist eine reichliche Menge unter Druck eingespritzten Wassers nöthig, und werden zu diesem Zwecke bei guten Apparaten hinter jeder Schleifkammer Spritzrohre eingesetzt. Leider trifft man noch vielfach mißlungene Imitationen Völter'scher Apparate, welche sich mit einem einzigen Einspritzhahn begnügen, und deren verfehlte Construction es außerdem bedingt, daß der Oberbau, dieser wichtigste und complicirteste Theil der Maschine, bei jedesmaligem Wechsel des Steines demontirt werden muß – ein Umstand, welcher bei der schwierigen und oft nicht immer genauen Wiedermontirung leicht von nachtheiligen Folgen für den Betrieb begleitet sein kann, und als ein entschieden grober Fehler bezeichnet werden muß.

Eine fernere Vervollkommnung der Defibreurs besteht in der Anbringung einer Stellvorrichtung, wodurch die die Schleifkammer bildenden Platten einen sehr genauen Anschluß an die Peripherie des Schleifsteines erhalten, in Folge dessen das Splittern des Schleifklotzes, mithin Stoffverlust vermieden wird. Das Anpressen der Druckplatten an den Schleifklotz erfolgt bei den neuen guten Maschinen nur mehr durch Wirkung von Hebeln, Rollen und Gewichten.

Einen nicht minder wichtigen Einfluß auf die Qualität des Stoffes, als der Defibreur, nimmt die Construction und Behandlung der Raffinir- und Sortirapparate. Zur Ausscheidung der groben Splitter werden Cylinder oder Schüttelsiebe angewendet, jedoch verdienen die letzteren, welche wie Knotenfänger fungiren, entschieden den Vorzug vor den Cylindern, weil ihre Anschaffung nicht nur billiger, |3| sondern auch die Reinhaltung leichter möglich ist. Die eigentliche Scheidung des Stoffes in fertiges und in der Raffinirung zu unterziehendes Product erfolgt noch immer am besten durch ein System von Cylindern, die mit verschieden maschigem Messingdraht-Gewebe übersponnen sind. Der Prima-Holzstoff, d.h. derjenige, dessen Vorkommen im Papiere mit freiem Auge nicht ersichtlich ist, hat einen ungleich höheren Werth als die Secundawaare. Ersterer kann mittelfeinen Druck-, Schreib-, Tapeten-, feinen Packpapieren sowie Affichen bis 60 Proc., sogar Cigarrettenpapieren bis 20 Proc. zugetheilt werden, ohne daß die Papiere an Güte verlieren. Secunda-Holzstoff hingegen macht selbst durch geringe Beimischung die Papiere auffallend rauh und brüchig, und findet deshalb nur zu ordinären Papieren Verwendung. Jeder Fabrikant kennt die enormen Calamitäten, welche ihm daraus erwachsen, wenn schlecht sortirter Holzstoff zu feineren Papiergattungen verwendet wird, und der fertige Bogen statt des gehofften glatten, ein bürstenähnliches Aussehen zeigt. Die Neuerungssucht von Reclame bedürftigen „Erfindern“ hat unter dem Vorwande erheblicher Kraftersparniß die Weglassung des Raffineur vorgeschlagen, wovon jedoch im Interesse des Holzschleifers selbst nicht dringend genug abzurathen ist.

Eine verläßliche Abdichtung der Ausguß-Mundstücke der Sortircylinder ist zum Zwecke einer genauen Sortirung von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Am vollkommensten wird dieselbe dadurch erreicht, daß ein mit Unschlitt getränkter Hanfzopf an die gedrehte Abgußflansche durch in drehbare Messinglaschen eingesetzte Stellschrauben angepreßt wird, wodurch nicht nur ein vollkommen wasser- und stoffdichter Anschluß erreicht, sondern auch sehr geringe Reibung erzeugt wird, was sich von keinem anderen Dichtungssystem – wie angespannte Kautschukgurten, Filze, Leder etc. – behaupten läßt. Das Productionsverhältniß der zwei Stoffqualitäten beträgt bei mangelhafter Anlage und Wartung der Apparate sogar 3 : 1, so daß die Secundawaare 25 bis 20 Proc. der Gesammterzeugung ausmacht. Dagegen läßt sich durch eine gute Anlage und zweckdienliche Manipulation, sowie durch wiederholtes Raffiniren dieses ungünstige Verhältniß wesentlich günstiger gestalten, so daß nur 5 bis 7 Proc. sogenannten Zweierstoffes entstehen. Je größer die Sortir-Siebflächen sind, desto genauer erfolgt die Ausscheidung. Ein sehr günstiges Resultat ergibt eine Sortiranlage von 1 Quadratmeter Siebfläche für je einen (in 24 Stunden erzeugten) Centner lufttrocken gedachten Stoffes. In der Construction der Sortircylinder hat man zu den mannigfachsten Anordnungen gegriffen. Ein guter Cylinder muß vor Allem leicht, und die das sortirende Drahtgewebe tragende Auflagefläche nämlich der Cylindermantel derart beschaffen sein, daß dem Durchlaß des Stoffes kein Hinderniß entgegensteht, daß das Sieb keine Falten zieht und sich sehr leicht reinigen läßt.

Die billigste und vielseitig angewendete Anordnung besteht in einem Gerippe von parallel zur Cylinderachse laufenden, nach Außen conisch zugespitzten, dünnen Holzstäben, auf welchen ein kräftiges Bodensieb ruht, welches dann das eigentliche Sortirsieb trägt.

Eine andere und bessere Anordnung ist die von ebenfalls zur Achse parallel laufenden Stäben, die jedoch von geschmiedetem Rundeilen sind, über welche dünne Metalldraht-Ringe in Abständen von 25 Millim. gespannt werden, welche direct das Sortirsieb tragen.

Eine dritte Art besteht in einem gelochten Zinkblech-Unterboden, auf welchen das Sortir-Drahtgewebe aufgelöthet wird. Diese Anordnung schont die Siebe sehr, beansprucht jedoch große Cylinderdurchmesser, da wegen des zwischen den Löchern des Unterbodens stehenbleibenden vollen Blechmateriales viel Durchgangsfläche verloren geht.

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Die am häufigsten vorkommende Disposition der Sortircylinder besteht in deren stufenweiser Aufstellung in hölzernen Kästen, in welche der Holzstoff an der rückwärtigen Längsseite einfließt. Der das Gewebe passirende, also sortirte Theil fließt durch den offenen Seitenkranz ziemlich tief unten ab, während der gröbere, also nicht durch das Gewebe durchgehende Theil sich unterhalb des Cylinders in den Vorderraum des Kastens drängt, von dem aufsteigenden Cylinder durch Reibung in dünnen Schichten aufgenommen, durch mit Filz umwickelte Walzen abgenommen und wesentlich entwässert durch einen Schaber in einen separaten Vorkasten abgelegt wird. Der Vortheil dieser Anordnung besteht darin, daß der Stoff unter geringem hydrostatischem Drucke durch das Sieb gedrückt wird; nachtheilig hingegen ist der Umstand, daß der sortirte Theil, als am Boden des Cylinders abfließend, immer noch Gelegenheit findet, sich mit dem außen befindlichen unsortirten, also gröberen Theil zu vermischen resp. zurückzutreten, und daß der gröbere Stoff eine die Vorderseite des Cylinders eng umschließende Wand bildet, welche große Reibung verursacht und behufs der Weiterbeförderung vom Cylinder gehoben werden muß. Die zur Stoffabnahme dienenden Filzwalzen haben das Unangenehme, Stofffasern in die Gewebemaschen einzuzwängen, welche dadurch verlegt werden und den freien Durchgang der Fasern hindern.

Dieser mißliche Umstand ist bei der von der Firma Theod. und Friedr. Bell in Kriens bei Luzern (Schweiz) ausgestellten Sortiranlage durch eine sehr sinnreiche Construction behoben, und verdient überhaupt die von dieser Firma exponirte Schleifereianlage eine eingehende Würdigung.“

Die von Bell ausgeführte Schleifmaschine (Defibreur) ist mit einem horizontal liegenden, um eine verticale Achse rotirenden Stein versehen (vergl. Figur 1 in 1/40 n. Gr.), um welchen acht Kästen zur Aufnahme der zu schleifenden Holzstücke gleichmäßig vertheilt sind.

Das Anpressen des Holzes gegen den Stein erfolgt durch Hebel a, a' und Gewichte b. In jeder Preßplatte sind zwei Schrauben c, c eingelassen, und deren Querstück d, welches mit dem Druckhebel a verbunden ist, durch Muttern verstellbar derart, daß beim Abnehmen des Steindurchmessers die Preßplatten nachgerückt werden können. Der geschliffene Holzstoff wird durch acht Spritzröhren e – je eine für jede Preßkammer – vom Stein in den durch Blech abgeschlossenen Raum f abgespült und durch einen Canal weggeleitet.

Die Schleifmaschine ist auf vier kräftigen eisernen Säulen aufmontirt; die verticale Schleifstein-Spindel wird durch conische Räder von der Haupttransmissionswelle angetrieben.

Der Steinschärfapparat, welcher ohne den Defibreur zerlegen zu müssen aufgesteckt und in Thätigkeit gesetzt werden kann, ist in Figur 2 bis 4 (in 1/10 n. Gr.) dargestellt. Er besteht aus zwei durch mehrere gezahnte Stahlscheiben gebildete Fräsköpfen a, a, welche sich lose um die verticalen Stifte b drehen, wenn die Fräsen mittels des Hebels d gegen den rotirenden Stein angedrückt werden. Durch Drehung der Kurbel e erhalten die Schärfrollen eine auf- und abgehende Bewegung über die |5| ganze Höhe des Steines, indem der Lagerhebel d sich entlang der Schraubenspindel c verschiebt. Diese Spindel findet im eisernen Gerüst des Steines ihre passende Lagerung (Figur 3) und zwar in einer Zelle zwischen zwei Preßkammern, bei welcher vor dem Schärfen die Verschlußplatte f (Fig. 4) weggenommen wird.

Als Vortheile dieser Schleifmaschine werden angegeben: Einfache und solide Aufstellung; einfacher Antrieb; gleichmäßiger Druck auf den Schleifstein; geringerer Kraftbedarf bezieh. größere Production (3 bis 3 1/2 Pferdestärken pro 50 Kilogrm. trocken gedachten Stoff); Erzielung eines gleichmäßigen Stoffes; bequeme Bedienung sowohl in Hinsicht des Einlegens der zu schleifenden Holzstücke als der Regulirung des Druckes.

Eine von den bisherigen Einrichtungen wesentlich abweichende Anordnung hat der Sortirapparat, wie derselbe in Figur 5 und 6 (in Vorder- und Längenansicht – theilweise Schnitt – in 1/20 n. Gr.) dargestellt ist. Die drei zusammenarbeitenden Sortircylinder liegen, wie die Skizzen ganz deutlich zeigen, parallel zu einander und zwar der erste oder Vorsortir-Cylinder b vor den beiden anderen tiefer gelegenen eigentlichen Sortircylindern c, c, über welche der mittels der Rinne a herbeigeführte Stoff nach seinem Durchgang durch den Cylinder b von der Blechrinne d gleichförmig auffließt. Der hier durchgehende Stoff wird durch die Rinnen h, h aufgenommen und zum Entwässerungscylinder weitergeleitet.

Der auf den drei Cylindern b und c, c zurückbleibende und zum Raffineur zurückzuführende Stoff wird durch die Spritzröhren e in die Behälter ff resp. gg abgespült und damit zugleich die Maschen der Drahtgewebe continuirlich gereinigt und ein Verschmieren derselben also wirksam hintangehalten.

Die Sortircylinder haben keine Radsterne; deren Mantel wird einfach durch in die zwei Endkränze eingelassene Rundstäbe und darüber gelegte Drahtringe gebildet, welche das Sortirsieb unmittelbar tragen. Die Endkränze sind rund abgedreht und erhalten durch die Frictionsrollen i auf der Transmissionswelle, auf welcher die Cylinderkränze aufruhen, eine ruhige gleichmäßige Drehung. Zur Führung der Cylinder sind noch die Rollen k, k bezieh. l, l passend angebracht.

Und so bleibt noch der Bell'sche Trockencylinder mit directer Feuerung (Figur 7 und 8 in 1/40 n. Gr.) zu betrachten übrig; letztere wurde gewählt, theils um das Brennmaterial besser auszunützen, theils um für Localitäten, welche hinlänglich Wasserkraft zur Verfügung haben, die Anlage von Dampfkesseln zu ersparen.

Um eine zwischen den festen Gestellwänden f, f angebrachte Feuerung |6| rotirt der auf vier Rollen d liegende gußeiserne Trockencylinder mit dem seitlich angegossenen Zahnkranz c, in welchen ein Getriebe der Vorgelegewelle eingreift. Ein dichter Abschluß zwischen Seitenwänden und Cylinder wird durch Ringe e erzielt, welche durch Spiralfedern gleichförmig gegen den Seitenkranz am Trockencylinder angedrückt werden. Die Feuerung erfolgt auf dem Roste g, welcher durch die Thüre h in der einen Seitenwand zugänglich ist; die Verbrennungsgase entwickeln sich in Folge der Einmauerung nach aufwärts, vertheilen sich rechts und links und ziehen entgegengesetzt der Feuerthüre durch die Oeffnung k in eine Röhre zum Kamin. Zur Regulirung der Wärme des Cylinders dienen die Schieber i: l bezeichnet den ebenfalls durch die Thüre zugänglichen Aschenfall.

Der Stoff kommt von der Stoffpresse über den endlosen Filz a (Fig. 7), welcher ihn an das endlose Metalltuch b abgibt; dieses führt den Stoff in directer Berührung mit dem Trockencylinder herum und zum nächsten Cylinder.

Die Gesammtanlage einer Holzschleiferei (mit Weglassung der Holzputzerei, Aufzüge und sonst bekannter Hilfsapparate) noch Bell's System ist in zwei Ansichten durch Figur 9 und 10 veranschaulicht.

Von den Defibreurs A, A wird der geschliffene Holzstoff durch Canäle a, a nach dem Späncylinder B geleitet – ein mit grobem Sieb überzogener Cylinder, welchen der Stoff passirt, während die Späne zurückgehalten und von Zeit zu Zeit entfernt werden. Von hier gelangt der Stoff über die Leitung b, b zu dem Sortirapparat C, passirt zunächst die Vorsortircylinder c, c und wird durch die Rinnen b', b' über die Sortircylinder c', c' ausgebreitet. Der hier zurückgehaltene Stoff wird in den unterhalb des Sortirapparates C disponirten Kasten C' mit Rührhaspel abgespritzt und gesammelt, durch eine Pumpe P auf den Raffineur A' geschafft und nach hier stattgehabter Verarbeitung wieder zum Sortiren zurückgeführt.

Derjenige Stoff, welcher die Sortircylinder c', c' passirt hat, fließt über die Rinnen d, d zum Entwässerungsapparat D. Durch die feinen Messingsiebe der Entwässerungscylinder wird der Holzstoff zurückgehalten, ein Theil seines Wassers aber entzogen.

Wird nun der Holzstoff gleich zur Papierfabrikation verwendet, so läßt man ihn aus den Entwässerungscylindern in die unterhalb derselben angelegten Setzkästen D' abfließen, um ihn noch mehr zu entwässern, weshalb die Böden dieser Kästen mit fein durchlöcherten Backsteinen belegt sind. Soll aber der Stoff weiter versendet werden, so kommt er aus den Entwässerungscylindern in den Kasten e, von wo er durch ein |7| Schöpfrad g der Stoffpresse E regelmäßig zugeführt wird. Der Stoff verläßt die Presse (mit etwa 50 bis 55 Procent Wassergehalt) in Papierform und wird bei kurzen Transportsstrecken direct in die Säcke verpackt – bei Versendung auf große Entfernung aber vorher auf den Trockencylindern F bis auf etwa 20 Proc. Wassergehalt getrocknet. In diesem Falle kommt der Stoff von der Presse noch mit 80 Proc. Wasser beladen zum ersten Trockencylinder. Die Zahl der letzteren richtet sich nach der Quantität Holzstoff, welche lufttrocken geliefert werden soll. Pro Cylinder kann man 500 Kilogrm. Production rechnen.

Bei der skizzirten Anlage ist eine 24stündige Production von circa 1500 Kilogrm. lufttrocken gedachten Holzstoff anzunehmen.

Theod. und Friedr. Bell haben bereits (bis Mitte 1873) 78 Schleifmaschinen ausgeführt und zwar: 34 für die Schweiz (darunter 12 für die Fabrik Perlen bei Luzern mit 700 Pferdestärken), 20 für Frankreich (worunter 10 nach Mandeure, 10 nach Bellegarde), 7 nach Baden, 3 für Württemberg, 2 für Bayern, 11 für Italien und 1 Maschine nach Oesterreich. Diese 78 Schleifmaschinen erfordern über 3000 Pferdestärken Betriebskraft.

„Von Holzschleif-Apparaten ist ferner eine „patentirte Holzzerfaserungs-Maschine“ von H. Völter und J. M. Voith in Heidenheim an der Brenz (Württemberg) ausgestellt gewesen. Wie zu erwarten, ist diese Maschine in Construction und Ausführung gleich vorzüglich und bietet einige beachtenswerthe Verbesserungen. Das System ist das von Völter ursprünglich aufgestellte, mit einem verticalen Schleifstein. Ein sehr kräftiges, gußeisernes Gestell enthält die Stuhlung der Hauptlager, die Führung der fünf Preßkammern und die Lager der Preßvorrichtung.

Die Form der Ständer ist derart, daß der Stein ohne Schwierigkeit heraus- und hereingebracht werden kann, und kein Theil der Maschine, außer einem leichten Blechdeckel, losgeschraubt zu werden braucht. Die Preßkammern sind verstellbar, legen sich genau an den Stein an, und hat jede Presse ihren eigenen Wasserhahn. Die Pressung erfolgt durch ein an einer Kette hängendes Gewicht, die Kette ist um sämmtliche Rollen geschlungen, woraus der Vortheil erwächst, daß die beim Auslösen einer oder zweier Pressen frei werdende Kraft sofort von den übrigen Pressen aufgenommen wird, wodurch sowohl Kraft gespart als auch zugleich ein regelmäßiger, stets sich gleich bleibender Gang der Maschine erzielt wird. Die Gewichtsbelastung wird continuirlich von der Maschine selbst in Thätigkeit erhalten, so daß der Arbeiter beim Einlegen des Holzes blos die Presse und kein Belastungsgewicht zu heben hat. Das Auslösen des Zahnrades, welches durch den Eingriff in die Zahnstange die Pressung bewirkt, von der Kettenrolle geschieht durch eine sehr sinnreich angeordnete Vorrichtung. Die Kettenrolle sitzt lose auf der Welle des Zahnrades. Letztere ist hohl und enthält eine schwache Spindel, welche an dem vorderen vorstehenden Ende ein Schraubengewinde besitzt und durch ein als Mutter fungirendes Handrädchen eine hin- und hergehende Bewegung erhält. Das andere Ende der Spindel hat eine festgekeilte Frictions-Kuppelungsmuffe, welche in eine gleiche an die Kettenrolle angegossene eingreift. Soll Pressung erfolgen, so wird durch einige Umdrehungen des erwähnten Handrädchens |8| nach rechts die Spindel in die Kettenrolle eingekuppelt und die Zahnrad-Welle mitgenommen; soll hingegen die Presse gehoben werden, so wird durch einige Umdrehungen nach links die Spindel ausgekuppelt, und die Hebung der Zahnstange erfolgt mit Leichtigkeit. Das Aufheben des Gewichtes erfolgt durch einen schwachen Riemen und Rädervorgelege. Die Preßkammern sind allseitig dicht geschlossen, daher der Stoff nicht leicht verunreinigt werden kann.

H. Völter hat vom Jahre 1852 bis Ende 1872: 360 Schleifapparate geliefert und zwar vom Jahre 1852 bis 1859: 13 Maschinen, von 1860 bis 1866: 61 Maschinen, von 1867 bis 1872 : 136 Maschinen – zusammen 210 Maschinen für Europa und 150 Maschinen für Nordamerika. Von den patentirten Völter-Voith'schen Apparaten sind bereits 24 Stück im Betriebe. Von den 210 Apparaten arbeiten: in Deutschland 77, Oesterreich 24, Schweden und Norwegen 53, Rußland 16, Belgien 12, Frankreich 10, England 6, Schweiz 6, Italien 3, Dänemark 2 und Spanien 1 Stück. Die größten bis jetzt existirenden Holzzeugfabriken arbeiten mit Völter'schen Maschinen, wie z.B. Longed, Munkedal und Skärblacka in Schweden, sodann in Nordamerika, woselbst solche mit je deren 18, 20 und 24, in ein und demselben Locale stehend, versehen sind und zum Theil gleichsam unbegrenzte Wasserkräfte besitzen, während jene schwedischen Fabriken je über circa 1000 Pferde starke Wasserkräfte disponiren.

Ein weiterer Fortschritt in der Holzstoff-Fabrikation, welche Völter in die Praxis eingeführt, ist das von Oswald Meyh in Zwickau erfundene und ihm patentirte Verfahren, das Holz vor dem Schleifen auf eine sehr einfache und wenig kostspielige Weise zu präpariren, daß es einen zwar braun gefärbten, aber viel faserreicheren Stoff gibt, als der aus nicht präparirtem Holze ist, so daß man daraus ohne allen Zusatz von Hadern ein Papier von bemerkenswerther Zähigkeit erhält. Seiner braunen Farbe wegen ist dieser Stoff jedoch nur zu Pappen, Einschlag- und ordinären Tapetenpapieren verwendbar. Das den Herren C. A. Specker und Waisnix patentirte Holzstoff-Sortirungsverfahren, mittels gelochter blecherner Schüttelsiebe und mit Weglassung des Raffineur zu sortiren, war auf der Ausstellung nicht vertreten und hat bisher nur wenig Anklang gefunden.

Die zur Erzeugung des Holzstoffes nöthigen Schleif- und Raffineursteine spielen in dieser Industrie eine wichtige Rolle, und erst seit kurzer Zeit befassen sich mehrere Mühlstein-Fabriken mit der Herstellung auch dieser Sorten. Die eigenthümliche Structur des hierzu nöthigen Materiales fand sich nicht überall, wo sonst ganz brauchbare Mühlsteine gewonnen wurden. Sächsische und schweizer Steine werden sogar noch heute nach Schweden und Norwegen exportirt.

Gebrüder Israel in Währing bei Wien hatten einige sehr schöne Exemplare von Defibreurs und Raffineurs exponirt.

Wir schließen die Betrachtung der Holzstoff-Industrie mit dem Ausdrucke der Ueberzeugung, daß dieser Papier-Rohstoff wegen seiner einfachen Erzeugung, dem massenhaften Vorkommen des Rohmateriales, und seiner Billigkeit einen bleibenden Werth in der Reihe der Hadernsurrogate behaupten wird. Der Vorwurf, daß geschliffener Holzstoff nur zu Mittelpapieren Verwendung finden kann, ist allerdings unwiderlegbar; nichtsdestoweniger ist er das einzige Hadern-Ersatzmittel, um diese Gattung Papiere, welchen eine so wichtige volkswirthschaftliche Bedeutung innewohnt, billig zu gestalten. Wir erinnern hier einfach an das Zeitungs- und Bücherpapier, dessen Billigkeit so wesentlich zur allgemeinen Zugänglichkeit wichtiger Bildungsmittel beiträgt.“

|1|

Heft 38. Druck und Verlag der k. k. Hof- und Staatsdruckerei; Wien 1873.

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