Titel: Teirich, über Maschinen und Werksvorrichtungen für Thonwaaren-Industrie.
Autor: Teirich, Emil
Fundstelle: 1874, Band 214, Nr. VI. (S. 13–24)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214006

VI. Die Maschinen und Werksvorrichtungen für Thonwaaren-Industrie auf der Wiener Weltausstellung 1873; von Dr. Emil Teirich in Wien.1)

Die Maschinen zum Zwecke der Vorbereitung von Rohmaterialien oder der Formgebung in der Thonwaaren-Industrie sowie jene Vorrichtungen und Apparate, welche zum Brennen und Glasiren der geformten Stücke zu dienen haben, sollen uns hier beschäftigen. Es muß jedoch gleich jetzt hervorgehoben werden und ist lebhaft zu bedauern, daß die Wiener Weltausstellung im Vergleiche zu den glänzenden Sammlungen fertiger Fabrikate2), die dort zu sehen waren, ganz unverhältnißmäßig wenig auf dem bezeichneten Gebiete brachte, und daß selbst unter dem Ausgestellten nur sehr selten ganz neues zu finden war. Meist fehlte das Wichtigste und Interessanteste.

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Es gilt dies namentlich von solchen Maschinen, die in neuester Zeit von der englischen Plattenfabrikation nach Prosser's Proceß, dann bei der Erzeugung der deutschen (sogenannten Mettlacher) Fußboden-Platten verwendet werden; es gilt dies ferner von den verschiedenen mechanischen Töpferscheiben für runde und ovale Formen, wie sie in französischen Fabriken (so bei Hache und Pepin Lechalleur frères in Vierzon) als Tellermaschinen im besten Gebrauche sind, und von mannigfachen Drehbänken und ähnlichen Apparaten zur Bearbeitung des roh geformten und fast ganz getrockneten Thones, wie wir sie in ausgedehntester Verwendung bei Doulton in Lambeth (London) fanden. Die neueren englischen Röhrenpressen für bedeutende Durchmesser und die Erzeugung angeformter Muffen, welche mit directem Dampfdruck arbeiten oder jene sehr ingeniöse hydraulische Röhrenpresse, welche wir als Clark's Patent in einer der größten Fabriken Englands vor kurzem arbeiten sahen, sie waren ebenso wenig ausgestellt, wie Clayton's bekannte Vorrichtung zu gleichem Zwecke. Wir vermißten endlich Alfing's Feldspath-Mühle (Gesellschaft Aluminia bei Kopenhagen), welche in neuester Zeit beispielsweise von der Berliner königlichen Porzellanmanufactur versuchsweise benützt wurde, und die Trockenmühlen der Actiengesellschaft Humboldt, welche auch ebensowenig ihre renommirten Steinbrecher in Verbindung mit Walz- und Schüttelwerk zur Ausstellung sandten.

Es ließe sich die Reihe desjenigen, was wir auf der Ausstellung nicht sahen, noch um eine gute Länge vermehren, wollte man aller neueren Apparate gedenken, die namentlich von englischen Fabrikanten eingeführt und benützt werden. Diese selbst, wie der schon einmal genannte und sehr bekannte Clayton, sowie auch Whitehead oder Kirk und Pollock fehlten sonderbarer Weise im Prater gänzlich. Mehr noch als in manchen anderen Industriezweigen werden in der Thonwaaren-Fabrikation Hilfsmaschinen für specielle Zwecke construirt und daher auch nicht selten ängstlich geheim gehalten.

Das aber, was die Ausstellung brachte, zusammenzusuchen oder aufzufinden, war keine kleine Arbeit. Alle hier zu besprechenden Gegenstände fanden sich in die verschiedensten Gruppen eingereiht und über den ganzen Ausstellungsrayon so vertheilt vor, daß einer Berichterstattung etwaige Auslassungen kaum zum Vorwurf gemacht werden können. Das ganze Materiale war eben gewissermaßen nur durch zufälliges Auffinden zu sammeln.

Um das so Gefundene zu ordnen, besprechen wir hier der Reihe nach:

A. Maschinen, bestimmt zur Vorbereitung des Rohmaterials;

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B. Maschinen und Vorrichtungen, benützt zur Formgebung der vorbereiteten Thonmasse.

C. Apparate zum Trocknen und Brennen der geformten Gegenstände.

A. Maschinen zur Vorbereitung des Rohmateriales.

Thonschneider. Die ältesten Vorbereitungsmaschinen für die Verarbeitung des plastischen Thones im feuchten Zustande sind die Thonschneider, deren wesentlichster Theil, die vertical oder horizontal gestellte rotirende Welle, mit Messern oder schaufelförmigen Armen versehen ist, welche nach der archimedischen Schraubenlinie mehr oder weniger genau gestellt die Aufgabe haben, eine Zertheilung der aufgegebenen Thonstücke, ein inniges Vermengen der unhomogenen Theile des Thones oder verschiedener Zusätze zu demselben, wie Sand und dergl., zu bewirken. Eine zweite Function dieser Messerwelle, welcher gewöhnlich durch stete Benetzung mittels Wasser die Arbeit erleichtert wird und die daher auch den Thon in den zu seiner ferneren Bearbeitung nöthigen Feuchtigkeitsgrad zu versetzen hat, ist das Vordrücken der so gemengten und gekneteten Masse nach einem meist regulirbaren Mundstücke des Mantels, welcher die beweglichen Theile umfaßt. Der Thon tritt als Strang heraus, und wird dieser Theil der Function des Apparates den sogenannten Faßschaufeln übertragen, welche auf dem der Austrittsöffnung zunächst liegenden Ende der Welle aufsitzen. Weder an der allgemeinen Anordnung noch an den wesentlichsten Details der Construction dieser Thonschneider war neues zu sehen. Wird der austretende Thonstrang durch eine Vorrichtung in Stücke zertheilt, so stehen wir bereits vor der Ziegelmaschine, die denn auch wirklich zumeist aus einem Thonschneider in Verbindung mit einem Abschneideapparate besteht.

Bei Verwendung eines unreinen Materiales, namentlich also dort, wo der Thonschneider ein solches zu verarbeiten hat, das keinem Schlämmproceß noch unterworfen war, legt man vor denselben ein Walzenpaar zur Verkleinerung und Beseitigung von Steinen, zum Zerdrücken harter Thonklumpen.

An der Ziegelmaschine der Gebrüder Schmerber in Tagolsheim finden wir sogar ein doppeltes Walzwerk als Vorbereitungsmaschine für den Thonschneider, nach welchem ein Transporteur (Band ohne Ende) das zerquetschte Materiale führt. An den Maschinen der Eisengießerei und Maschinenfabrik in Nienburg an der Saale und an jener von L. Henrici in Wien fanden wir ein einfaches Walzenpaar dem Thonschneider vorgelegt. Bei Besprechung der Ziegelpressen, welche als Maschinen zur Formgebung im zweiten Theile unseres Berichtes zu behandeln |16| sein werden, müssen wir eingehender noch des Zusammenhanges von Thonschneider mit dem Walzwerke einerseits und dem Abschneide-Apparate andererseits handeln.

Schon oben geschah der verschiedenen Stellung der Thonschneider-Welle Erwähnung. Wir finden sowohl die horizontale als auch die verticale Anordnung derselben. Die letztere bietet gewisse, nicht zu unterschätzende Vortheile bei Lagerung der Welle, die schwächer gehalten und stabiler montirt werden kann, und es werden diese wohl nur zum Theil aufgewogen durch das erschwerte Aufgeben des Thones bei größerer Höhe des Mantels, der zudem oft gerade dort, wo das Einfüllen des Rohmateriales erfolgt, dem Antrieb der Welle durch ein stark übersetztes Kegelrad-Vorgelege einen Stützpunkt gewähren muß, wodurch eine unbequeme Verengung der Füllöffnung und eine Gefahr für die Verunreinigung des Getriebes entsteht.

Um diesem Uebelstande zu entgehen, treibt Schlickeysen in Berlin seine verticale Thonschneider-Welle an den Ziegelmaschinen von unten an. Es macht dies natürlich eine Lagerung derselben oben und ein Stopfzeug unten nothwendig, welches den Austritt des unter Pressung befindlichen Thones hindert. Schlickeysen's Maschinen arbeiten gut, und haben überhaupt die verticalen Thonschneider-Wellen den Vortheil einer längeren Dauer und Haltbarkeit als die horizontalen.

Um das Einkarren auf so bedeutende Höhe zu umgehen, finden wir die Anordnung eines Transporteurs, meist in Form eines über zwei große Lattenwalzen gezogenen, von mehreren kleineren Walzen unterstützten endlosen Bandes. Keiner der auf der Ausstellung befindlich gewesenen Transporteure bot irgend eine wesentliche Neuerung.

Durch die horizontale Stellung der Thonschneider-Welle hat besonders die Firma Gebrüder Sachsenberg in Roßlau an der Elbe eine zweckmäßige Thonknete erhalten, deren Fülltrichter sich nur wenige Zolle über den Fußboden erhebt. Die ganze Anordnung ist zweckentsprechend und einfach. Angenehm ist die Möglichkeit, durch Lüften einiger Schrauben die obere Hälfte des gußeisernen Mantels abheben zu können, wodurch sich der Vortheil einer, bei manchen anderen Constructionen leider nicht erreichten, Zugänglichkeit der Messerwelle ergibt.

Die besprochene Knete dient zur Verarbeitung eines schon geschlämmten Materiales, zur Mengung verschiedener Thonsorten und Beisätze für die Zwecke der Terracotta- und Ofenkachel-Fabrikation etc., und ist mit keinem Walzwerke versehen.

Kollergänge. Weniger in Deutschland und Oesterreich als in England werden als Thonvorbereitungs-Maschinen, namentlich in der |17| Fabrikation von feuerfesten Steinen die Kollergänge verwendet, welche ebenso die Verkleinerung der aufgegebenen, sehr dichten, feuerfesten Thone, Chamotten und Quarze, sondern auch die Mischung aller dieser Stoffe im feuchten Zustande sehr zweckmäßig vornehmen. Die neueren Kollergänge mit stabilen Walzen und rotirender Tischplatte bieten den Vortheil leichteren Antriebes und größerer Bequemlichkeit der Manipulation, die an jeder Stelle des Tisches ungestört von den gewöhnlich umlaufenden Steinen vor sich gehen kann. Der Kraftaufwand beim Antriebe ist ein geringerer, die Centrifugalkraft der rotirenden Steine ist aufgehoben und hindert nicht mehr dem Apparate eine größere Geschwindigkeit als bei den alten Constructionen zu geben, daher auch die Leistungsfähigkeit der neueren eine viel größere wurde. Gute Lagerung und Unterstützung der rotirenden Platte durch Gleitrollen ist hierbei Hauptsache. Die Ausstellung freilich brachte fast gar nichts von solchen Kollergängen, wenigstens keine für die Zwecke der Thonwaaren-Industrie, welchen höchstens jener transportable Apparat von Herlop, Wilson und Budden in Newcastle upon Tyne dienen könnte.

Auf einem gemeinsamen Fundamente, das auf vier Eisenbahnrädern montirt ist, steht der Kollergang mit eisernen Quetschwalzen und fixer Platte, welche direct durch eine, mit einem stehenden Kessel vereinigte kleine Dampfmaschine mittels Vorgelege angetrieben werden. Die ganze Zusammenstellung ist äußerst compendiös gedacht, doch möchte dieses enge Aneinanderstellen der gegen Staub und sonstige Verunreinigungen sehr empfindlichen Dampfmaschine mit dem Kollergange nur in den seltensten Fällen anzuempfehlen sein. Die Zugänglichkeit fast aller Theile der Maschine ist gestört und der Raum für Aufgeben des Rohmateriales sowie für Entfernung des bearbeiteten sehr beengt.

Am ehesten eignet sich eine solche Anordnung wohl als Mörtelmaschine und Betonknete bei Bauten, wo der Vortheil der leichten Fortbewegung des Ganzen sehr zu Gunsten dieser sonst weniger zweckmäßigen Construction spricht.

Kollergänge zur Verkleinerung der Glasurschmelze, ehe sie auf die Mahlmühlen gelangt, waren gar nicht ausgestellt worden.

Behufs der Verkleinerung von Quarz und Chamotte, ja selbst mit ausgezeichnetem Erfolge als Bearbeitungsmaschine für feuchten Thon, hat sich der Desintegrator bewährt, den in der Originalconstruction von Carr die Pariser Ausstellung zum erstenmal zeigte. Bekanntlich besteht dieser höchst interessante Apparat aus zwei bis drei horizontalen, in einander gesteckten Trommeln, an deren Peripherie Schlagstäbe aus Schmiedeisen oder für sehr hartes Materiale aus Stahl eingesetzt sind. |18| Jede dieser Trommeln rotirt mit sehr bedeutender Geschwindigkeit, aber stets nach der entgegengesetzten Richtung wie die vorhergehende. Das zu verkleinernde Materiale wird in der Richtung der horizontalen Rotationsachse aufgegeben, passirt, durch Hunderte von Schlägen zerkleinert, die Trommelperipherien und gelangt in sehr rascher Zeit in den Zwischenraum derselben mit einem den ganzen Apparat umhüllenden Mantel, aus dem zweckmäßig ein Paternosterwerk die verkleinerten Stoffe entfernt.

Die benöthigte Kraft für den Antrieb dieser Maschine ist wohl bedeutend, die Abnützung aller ihrer Theile eine sehr empfindliche, dagegen aber auch ihre Leistungsfähigkeit eine ganz erstaunliche. Durch manche Verbesserung, namentlich der Lagerung hinsichtlich der stark beanspruchten Wellen, hat man diesem trefflichen Apparate, der sich besonders in Thonwaaren-Fabriken noch viel zu wenig Eingang verschafft hat, größere Stabilität und Dauerhaftigkeit zu geben gewußt. Durch Vergrößerung des Trommeldurchmessers ist es möglich geworden, die Umdrehungszahlen für die stark beanspruchten Wellen zu reduciren; immer aber machen die größten bis jetzt gebauten Desintegratoren von 1,5 Meter Diameter eine Umdrehungszahl von 400 bis 550 Touren, was einer enormen Umfangsgeschwindigkeit von circa 30 Meter pro Secunde entspricht. Bei solcher Arbeit benöthigt der Apparat dann freilich zwischen 15 bis 20 Pferdestärken zum Antriebe, leistet dann aber auch 20000 Kilogramm per Stunde, selbst bei einem sehr harten Materiale, da er im Gegensatze zu anderen Pulverisatoren die härtesten Körper am leichtesten zermalmt.

Desintegratoren der bisher am häufigsten angewendeten Größe, von einem Durchmesser von 1 Meter, verarbeiten mit 7 Pferdestärken Betriebskraft durchschnittlich 7000 Kilogramm Rohmaterials zu Pulver von ganz bedeutender Feinheit.

Als Mischapparat für verschiedene Thonsorten ist ein Desintegrator trefflich zu verwerthen, ebenso als Vorbereitung für Maschinen, die trockenen Thon zu verarbeiten, oder für Ziegelpressen, welche grubenfeuchtes Materiale zu formen haben. Namentlich kalksteinhaltige oder schotterige Thonsorten werden solcherweise – und zwar auch billig und zweckmäßig gereinigt, respective die störenden Beimengungen so sehr vertheilt, daß sie in der ganzen Masse unschädlich werden. In der deutschen Thonwaaren-Industrie hat sich der Desintegrator nun freilich noch kaum eingebürgert. Anders in England, dort wird er häufig bereits verwendet. Wir haben ihn bei Gibbs and Canning in Tamworth, bei G. Jennings in Poole, Perrens and Harrison in Stourbridge, Ensor |19| and Sons in Burtonupon Trent und bei Cliff and Son in Leeds zur vollen Zufriedenheit arbeiten gesehen.

Selbach und Deiters in Mannheim stellten zwei sehr schön gearbeitete Desintegratoren aus3), welche sich durch die Möglichkeit der Regulirung während des Ganges mittels Anziehen von Keilen ebenso auszeichnen wie durch die sehr zweckmäßige Construction der ganz geschlossenen Lager, welche vor Staub, der stets im Gefolge solcher Verkleinerungsmaschinen sich findet, vollständig geschützt und so eingerichtet sind, daß mit geringstem Oelverbrauch die bei so hohen Umdrehungszahlen nöthige ausgiebige Schmierung gewissermaßen selbstthätig vorgenommen wird.

Ein Apparat, der sich in der Thonwaaren-Industrie ebenfalls bereits einzubürgern sucht, ist der Steinbrecher, von dem verschiedene Constructionen theils ausgeführt, theils in Zeichnung und Modell auf der Ausstellung zu finden waren. Der Steinbrecher wird vorwiegend, und dort ganz zweckmäßig, in der Fabrikation refractärer Producte, zum Verkleinern von Quarz, Chamotte, alten Kapseln und dergl. benützt und zeichnet sich durch eine besondere Leistungsfähigkeit und Einfachheit der Construction aus, was bei so sehr angestrengten Maschinen stets ein wesentlicher Vortheil ist. Außer dem Bruche einer leicht zu ersetzenden Backe des Brechmaules ist ein solcher Steinbrecher guter Construction fast unverwüstlich. Im Vereine mit einem Walzen-Quetschwerk und Siebapparat kann er auch die Verkleinerung der Rohstoffe auf einen sehr hohen Grad der Feinheit bringen.

Mannigfache, mehr oder minder abweichende Constructionen, welche zumeist darin culminiren, die Stellung der Backen des Steinbrechers während des Ganges zu reguliren, fanden wir ausgestellt. Wesentlich bei diesem sonst so einfachen Apparate ist die Beschaffenheit des Eisengusses, der, wenn spröde, selbst bei den stärksten Dimensionen in Stücke geht. Es wäre wünschenswerth, daß die Fabrikanten hierauf mehr Rücksicht nehmen würden, als dies bisher oft geschah.

Von österreichischen Firmen hat Korösi in Graz einen, der Construction nach guten, sehr stark gebauten Steinbrecher ausgestellt. Sehr sauber und fleißig ausgeführt ist ein schönes Stück von Selbach und Deiters in Mannheim, dessen Construction die Regulirung des Ganges der Maschine respective die Größe der zu erzeugenden Stücke ebenso zuläßt wie bei Korösi.

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Hinsichtlich der Leistungsfähigkeit dieser Maschine folgen wir den Angaben der Fabrikanten, welche uns von verschiedenen Seiten bestätigt wurden, und die wir selbst zu erproben Gelegenheit fanden.

Es verbraucht bezieh, verarbeitet ein Steinbrecher

Nr. 1 mit Brechmaul-Oeffnung von 500 × 300 Millim. 8 Pferdest. resp. 75000 Kilogr.
Nr. 2 450 × 250 8 50000
Nr. 3 325 × 220 8 30000

bei einer Arbeitszeit von 12 Stunden.

Die Kosten eines solchen Apparates variiren je nach der Größe zwischen 1600 bis 800 Gulden. Gewöhnlich sind die beiden Backen des Brechmaules mit zwei leicht auszuwechselnden gußstählernen oder in Schalenhartguß hergestellten gerippten Platten armirt, welche so ziemlich bei guter Construction die einzigen, allerdings dann auch sehr starker Abnützung unterworfenen, Theile sind. Ferdinand Del in Vierzon (Cher, Frankreich) verwendet jedoch an seinem transportablen Steinbrecher gehärtete Stahlbleche zum Schutze der gußeisernen Backen, welche glatt, ohne Riefung bleiben. Del stellte seine Steinbrecher auf einen, für dessen immerhin bedeutendes Gewicht denn doch zu schwindsüchtig construirten, hölzernen Wagen. Auch hier ist durch Anziehen eines Keiles die Brechmaulweite zwischen 5 und 60 Millimeter während des Ganges veränderlich; im übrigen steht Construction und Solidität der Ausführung den vorhin genannten Apparaten nach, von welchen namentlich die der Mannheimer Fabrik sehr compendiös und gut angeordnet sind. Die Leistungsfähigkeit des französischen Concasseur wird bei einer Brechmaulbreite von 350 Millimeter auf circa 30 bis 35 Kubikmeter bei einer Betriebskraft von 5 Pferdestärken angegeben. Der Preis von 4400 Franken ist gegenüber den deutschen Fabrikaten ein relativ hoher.

Bei allen bisher besprochenen Steinbrechern finden wir das ursprünglich Blacke'sche System in Anwendung, bei welchem ein um einen festen Aufhängepunkt schwingender Backen mittels Excenterbewegung gegen einen feststehenden angepreßt wird. Anders arbeitet aber der Steinbrecher nach Archer's Patent4) (England). Eine horizontale, rotirende und canellirte Hartguß-Walze wird annähernd zur Hälfte von einer starken gußeisernen, an der Innenseite gerippten und ebenso breiten Gabel umfaßt, die um eine fixe Achse oscillirt, welche etwas höher als die der Walze, aber mit derselben parallel gelagert ist, so zwar, daß zwischen Walze und Gabel oben ein weiterer, unten ein enger Zwischenraum bleibt.

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Diese Stellung zu der genannten Walze macht es möglich, daß in dem weiten Zwischenraum von Gabel und Walze die zu zerbrechenden Materialien eingeführt und durch die Walze mitgenommen, an das der Peripherie am nächsten stehende andere Gabelende gebracht werden, während nun rasche Zerkleinerung stattfindet. Der Apparat ist außerordentlich wirksam und leistungsfähig. Leider sind die abgenützten Theile schwer auszuwechseln und die Construction überhaupt sehr dem Zerbrechen dann ausgesetzt, wenn allzu ungleichförmiges Materiale aufgegeben wird. Dieser Steinbrecher war nur als Zeichnung auf der Ausstellung zu sehen, fand aber bereits vielfach praktische Verwendung.

Für gewisse Zwecke, namentlich dort, wo es sich um Zerkleinerung respective das Pochen sehr harter und besonders großer Stücke eines Rohmaterials handelt, wird in neuester Zeit, anstatt der bisher nicht selten üblichen Schwanzhämmer, der Dampfhammer 5) angewendet, ähnlich wie dies schon seit Jahren bei der Verkleinerung des Naxosschmirgels geschieht. Gewöhnlich sind es solche von 3- bis 400 Pfund Fallgewicht, die sich zu solchen Zwecken am besten eignen und hierfür völlig ausreichend sind. Zweckmäßig sind Schnellhämmer, die bei vier Atmosphären Admissions-Dampfspannung 300 bis 350 Schläge pro Minute machen und dadurch zu äußerst leistungsfähigen Maschinen für. die Zwecke der Großindustrie werden. Der leichteren Zugänglichkeit wegen und um Raum zur Anbringung einer Aufschüttvorrichtung zu haben, sind einständrige Hämmer vorzuziehen. Da solche genügen, deren Hub nicht variabel ist, so kann die Steuerung eine einfache sein, was um so nothwendiger wird, wenn es sich darum handelt, sehr stark staubende Materialien zu pochen. Die feinen scharfkörnigen Staubtheilchen nützen die Steuerungsapparate ungemein rasch ab, und wird es nöthig, was übrigens ganz leicht geschehen kann, die Kolbenstange vor deren Einwirkung zu schützen.

Vorstehenden Bedingungen entspricht wohl am besten der von G. Brinkmann in Witten an der Ruhr ausgestellte Viercentner-Schnellhammer mit constantem Hub, welcher gar keine außen liegenden Steuerungstheile hat und auch sonst von einer sehr soliden Construction ist.

Die bekannten Firmen, zu deren Specialität Dampfhämmer zählen, haben sich auch diesmal eingefunden und mehr oder weniger für unseren Zweck passendes geliefert. Nennen wir darunter Banninger in Wetter an der Ruhr, B. und S. Massey in Manchester und Sellers |22| in Philadelphia, die durchwegs ausgezeichnete Hämmer brachten, von denen einige zu sehr billigen Preisen verkauft wurden.

Handelt es sich um Verkleinerung geringerer Quantitäten, so ist wohl immer noch in den Thonwaaren-Fabriken das Stampfwerk im Gebrauche. Die oft noch übliche, recht primitive Construction desselben aus Holz mit Daumenwelle wird aber jetzt gewöhnlich ersetzt durch die ausschließliche Anwendung des Eisens, wie wir sie an dem schönen Pochwerke der schon mehrfach genannten Firma Selbach und Deiters in Mannheim finden. Das sehr schön gearbeitete Pochwerk hat sechs rotirende Stempel, je im Gewichte von 250 Pfund. Die Roste sind mit gelochten Stahlplatten garnirt, und der Stampftrog durch einen gußeisernen zweitheiligen Aufsatz verschlossen, der durch angebrachte Thüren zugänglich gemacht wird. Namentlich für stark staubendes Materiale ist diese Anordnung zweckmäßig. Die Auswechslung der abgenützten gußeisernen Stempelschuhe ist leicht vorzunehmen. Der Apparat, welcher circa fünf Pferdestärken zum Betriebe bedarf, leistet je nach der Art des aufgegebenen Materiales sehr viel, immerhin aber viel weniger als die vorgenannten Hämmer.

Ganz nach demselben Systeme und gleichfalls mit einem rotirenden Stempel versehen, fanden wir eine hübsche Anordnung bei Beyer frères in Paris, die allerdings auf der Ausstellung von denselben zur Verkleinerung von Substanzen angewendet wurde, die in der Chocoladefabrikation Verwendung finden, welche wir aber dort auch empfehlen würden, wo es gilt kleinere Quantitäten von Emails, Farbflüssen u.s.w. zu zerstampfen, die man auf die sonst üblichen großen Kollerwerke nicht bringen kann.

Ein einziger Stempel, gehoben durch einen von der Hand oder mittels Maschine getriebenen Daumen an einer Welle, fällt in einen Mörser. Während des Hubes erhält er eine rotirende Bewegung durch einseitigen Angriff des Daumens an einen horizontalen Bund des Stempels. Um Reibung, Abnützung und Geräusch zu vermeiden, ist an diesen Bund eine Lederscheibe aufgesteckt, welche also zwischen den arbeitenden Eisentheilen bleibt. (Auch beim Pochwerke von Selbach und Deiters wäre diese Lederscheibe zweckmäßig einzuschalten.) Beyer bringt zudem recht sinnreich angetriebene Sieb- und Schüttelvorrichtungen, die in der Thonwaaren-Fabrikation gleichfalls gute Verwendung finden können.

Glasurmühlen und Mühlen zur Vermahlung trockenen Thones waren auf der Ausstellung gar nicht vertreten, jedoch ist hierher eine |23| Feldspathmühle von A. W. Schmidt in Berlin zu zählen, die im Modelle ausgestellt gewesen sein soll.6)

Von neueren Apparaten für das Schlämmen des Thones war gar nichts ausgestellt, und doch weist die moderne Thonwaaren-Industrie auch hierin manche Verbesserung der alten, primitiven Verfahrungsweisen auf, die zum Theile mit der Anwendung von Thonfilterpressen im Zusammenhange steht.

Anstatt in Schlämmkästen oder sogenannten Rainen die Verdickung der Schlämmmasse abzuwarten, wird immer häufiger, ja in der Porzellanindustrie fast allgemein schon, die Filterpresse angewendet. Bei kurzen und darum auch poröseren, sandigen Massen functioniren diese Apparate eben ganz vorzüglich. Anders ist dies in der Terracotta-Industrie und überall dort der Fall, wo es sich darum handelt, sehr fette Massen zu entwässern. Da sinkt die Leistungsfähigkeit der Pressen sehr herab und oft versagen diese Apparate ganz den Dienst. Man ist dann immer wieder auf die Verdampfung des Wassers auf natürlichem Wege oder durch Zuführung künstlicher Wärme in gemauerten Pfannen u.s.w. angewiesen.

Erstere Procedur ist zeitraubend und setzt den Thon manchen Zufälligkeiten und Verunreinigungen aus; die zweite Methode, vielfach geübt in England, wo eben billiger Brennstoff zur Verfügung steht, ist bei uns meist allzu kostspielig, liefert aber wohl die homogensten und am feinsten vertheilten Massen.

A. L. G. Dehne in Halle an der Saale stellte eine Filterpresse aus, welche direct mit der Zuführungspumpe für den aufgeschlämmten Thon versehen ist.

Dehne baut zweierlei Systeme solcher Pumpen, eines mit centralem, ein zweites mit außenliegendem Zuleitungsrohr und einer Vorrichtung zur Selbstentleerung der zurückgebliebenen Massekuchen. Beide Systeme arbeiten gleich gut bei gleichem Materiale.

Für eine stündliche Production von 300 bis 350 Pfund respective 150 bis 200 Pfund trockener Masse kosten die Maschinen erster Construction 750 Gulden und 600 Gulden, jene der zweiten Construction 600 Gulden und 450 Gulden, ja von letzterer werden auch noch kleinere |24| Pressen für eine Leistungsfähigkeit von 70 bis 100 Pfund Masse zum Preise von 300 Gulden gebaut.

Die Ausführung dieser Maschinen ist eine vorzügliche und deren Kosten nicht allzu hoch.

Der gewünschte Feuchtigkeitsgehalt der zu erzeugenden Masse ist durch variable Belastung eines Sicherheitsventiles an der Pumpe bestimmbar, was die Möglichkeit, ziemlich homogene Massen aus verschiedenen aufeinander folgenden Pressungen zu erhalten, sehr erleichtert.

(Fortsetzung folgt.)

Mit gef. Genehmigung des Verfassers, Hrn. Ingenieur Dr. Emil Teirich, Generalsecretär der Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugesellschaft und Mitglied der internationalen Jury aus dem officiellen Ausstellungsbericht (Heft 42); Druck und Verlag der k. k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1873.

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Der ausgezeichnete Bericht über die Thonwaaren-Industrie von demselben Autor bildet das 34. Heft des officiellen österreichischen Ausstellungsberichtes. Die Red.

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Siehe dieses Journal, 1874 Bd. CCXI S. 102.

D. Red.

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Vergl. die Notiz in Dingler's polyt. Journal, 1872 Bd. CCIV S. 364.

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Ein Dampfhammer zum Pochen von Erz etc. ist in diesem Journal, 1871 Bd. CC S. 177 beschrieben.

Die Red.

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Dank der ganz unübersichtlichen Ausstellungsweise der hier behandelten Maschinen ist es dem Verfasser nicht gelungen, obiges Modell aufzufinden. Eine directe briefliche Anfrage beim Aussteller hierüber, sowie über die Wirkungsweise seines Apparates, blieb resultatlos, ganz ebenso wie ein Ersuchen an den Vertreter der deutschen Reichscommission, welcher den Ort der Ausstellung des Objectes nicht zu wissen vorgab.

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