Titel: Mahler, über die moderne Sprengtechnik.
Autor: Mahler, Julius
Fundstelle: 1874, Band 214, Nr. VIII. (S. 25–38)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214008

VIII. Die moderne Sprengtechnik; von Julius Mahler in Wien.1)

Mit Abbildungen.

In der Dynamitfabrikation (dies Journal, 1872 Bd. CCVI S. 34) wurden in jüngster Zeit eine Reihe wichtiger Fortschritte gemacht, welche es ermöglichen, gegenwärtig bei jeder Sprengarbeit das alte Schwarzpulver mit Vortheil durch Dynamit zu ersetzen. Die Dynamite (von Mahler und Eschenbacher, Wien Wallfischgasse Nr. 4) sind pulverige, ziemlich plastische Massen von 1,5–1,6 spec. Gewicht. Durch Berührung mit Feuer oder glühenden Körpern verbrennt Dynamit selbst in Mengen von mehreren Pfunden ohne Explosion, wenn es nicht in sehr festen Hüllen eingeschlossen ist. (Dies Journal, 1868 Bd. CXC S. 125; 1869 Bd. CXCIII S. 495). Temperaturen unter 60° C. haben selbst |26| bei langer Dauer keine nachtheilige Einwirkung auf Dynamite. Diese können also ohne Schaden der Sonnenwärme ausgesetzt werden.

Durch Berührung der Schleimhäute der Nase oder des Mundes mit Dynamit können heftige Kopfschmerzen hervorgerufen werden und ist daher einige Vorsicht vor solch directer Berührung zu beobachten, was um so leichter möglich ist, da alles Dynamit in fertigen Patronen geliefert wird (vergl. dies Journal, 1871 Bd. CCII S. 372).

Durch sehr starke Stöße und Schläge zwischen harten Körpern kann Dynamit explodiren, dagegen wird es selbst durch sehr heftige Stöße von Holz gegen beliebige Unterlagen nicht zur Explosion gebracht. (Dies Journal, 1869 Bd. CXCII S. 174; Bd. CXCIII S. 496).

Gegenüber dem Schwarzpulver besitzen die Dynamite eine Reihe wichtiger Vorzüge, welche sich kurz in folgenden Punkten zusammenfassen lassen.

1) Bedeutende Arbeits- und daher auch Kostenersparniß, zunächst durch Erzielung gleichen Effectes bei weit geringerer Bohrarbeit.

2) Bedeutende Zeitersparniß Mit Dynamit kann die Sprengarbeit oft doppelt so rasch als mit gewöhnlichem Pulver gefördert werden – ein Umstand, der besonders im Eisenbahnbaue, beim Abteufen tiefer Schachte, Vortreiben langer Stollen u.s.w. von höchster Wichtigkeit sein kann. (Dies Journal, 1868 Bd. CXC S. 128; 1871 Bd. CCII S. 543).

3) Fast vollständige Gefahrlosigkeit während des Transportes, der Aufbewahrung und im Gebrauche. (Dies Journal, 1869 Bd. CXCII S. 174).

4) Vollständige Unschädlichkeit der Explosionsgase bei Abwesenheit von Rauch, also weit leichtere und gefahrlosere Arbeit an wetternöthigen Orten, welche man nach dem Abschießen sofort betreten kann, um weiter zu arbeiten (vergl. dies Journal, 1868 Bd. CXC S. 130; 1871 Bd. CCII S. 540).

5) Vorzügliche Eignung zum Sprengen von lockerem Gesteine, Conglomeraten, Kreide, Thon etc. (Dies Journal, 1871 Bd. CCI S. 80; 1872 Bd. CCVI. S. 46).

6) Sicherheit bei Unterwasser-Sprengungen. (Dies Journal, 1872 Bd. CCIII. S. 143).

7) Leichte Sprengung großer Gußeisenmassen, Stahlblöcke, Hohofensäure etc. (Dies Journal, 1872 Bd. CCII S. 471; 1869 Bd. CXCIII S. 492; 1872 Bd. CCV S. 430).

8) Ersparniß an Stahl, Schärfen und Verstählen der Bohrer etc. durch Verminderung der Bohrarbeit.

9) Bedeutend größerer Stückkohlenfall bei Sprengungen in Kohle.

10) Möglichkeit voller Kraftentwickelung ohne Verdämmung.

Sprengungen im trockenen Gestein. Das Dynamit, welches zum Steinsprengen verwendet werden soll, wird in den Fabriken in cylindrische Hülsen aus ziemlich weichem Pergamentpapier eingepreßt und die vorstehenden Ränder der Hülse werden beiderseits über der Ladung niedergebogen. Das Laden eines Bohrlochs geschieht in folgender Weise. Eine Patrone wird in dasselbe eingeschoben und, wenn sie am |27| Boden angelangt ist, mit einem hölzernen Ladstocke sehr fest zusammengepreßt, so daß die Papierhülle auseinander geht und das plastische Dynamit sich vollkommen an die Bohrlochssohle und an die Bohrlochswände anschmiegt. Hierauf wird eine zweite Patrone eingebracht, ebenfalls fest zusammengedrückt u.s.f., bis man die nöthige Ladungshöhe erreicht hat. Das feste Zusammenpressen jeder einzelnen Patrone ist eine Hauptbedingung guten Erfolges. Man erreicht dadurch nicht nur möglichste Concentration der Ladung, sondern vermeidet zugleich die schädlichen Hohlräume rings um dieselbe. Auf die Ladung wird die Zündpatrone aufgesetzt.

Holzschnitt I, Bd. 214, S. 27 Holzschnitt II, Bd. 214, S. 27 |28|

Sprengungen in Wasser oder wasserhaltigem Gestein. Gegen bloße Feuchtigkeit ist Dynamit unempfindlich, bedarf also keiner besonderen Verwahrung. Hat man mit Wasser gefüllte Bohrlöcher und kann man dieselben bald nach vollendeter Ladung sprengen, so erfolgt das Laden in voriger Weise; nur müssen die Patronen mit Theer oder Unschlitt gut verschmiert und muß das starke Anpressen der einzelnen Patronen unterlassen werden.

Bei den Zündpatronen ist eine besondere Vorsicht zu gebrauchen. Zuerst muß der obere Rand des Zündhütchens, nachdem dieses an die Zündschnur befestigt ist, mit Wachs, Pech oder Talg gut verstrichen werden, so daß der Zündsatz der Kapsel gegen das Eindringen von Wasser vollkommen geschützt ist. Ist die Kapsel in die Zündpatrone eingeführt, so wird über das Dynamit rings um die Zündschnur etwas in Talg getauchtes Werg gegeben, der aufgebogene Papierrand der Patrone sehr sorgfältig an die Zündschnur festgebunden und alle offenen Theile mit Talg oder Wachs verschmiert. Die so hergerichtete Zündpatrone wird dann wie gewöhnlich auf die Ladung gesetzt, das Bohrloch mit Wasser vollgeschüttet und gezündet.

Holzschnitt III, Bd. 214, S. 28

Sprengungen bei niederen Temperaturen. Unter 8° erstarrt das Dynamit. Hat man verläßliche Leute, ordentliche passende Räume und Gefäße und sind die täglich nöthigen Ladungen nicht zu groß, so wird man am besten thun, wenn man das Dynamit nur in weichem Zustande verladet, weil man dann alle Bohrlochsräume gut ausfüllen kann und so die günstigste Wirkung erzielt.

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Das Aufthauen des gefrorenen Dynamits geschieht am zweckmäßigsten in den dafür construirten Wärmeapparaten aus doppelten Blechcylindern, deren Zwischenraum mit warmem (nicht heißem) Wasser gefüllt wird. Nie darf dieses Anschauen in unmittelbarer Nähe von Oefen oder am offenen Feuer geschehen. Praktisch ist es auch, um größere Partien Dynamit in weichem Zustande zu erhalten, große Holzkisten mit doppeltem Boden und Wänden zu machen, die Räume zwischen diesen mit Dünger auszufüllen und im Innern die Patronen aufzubewahren. Solche kleine Magazine für 20 bis 25 Kilogrm. sind besonders bei Bahn- und Straßenbauten praktisch, wo man pro Tag größerer Mengen Dynamit bedarf.

Wenn man mit weichem Dynamit geladen hat und die Bohrschüsse so rasch abthut, daß ein Frieren der Ladungen nicht zu besorgen steht, so kann man als Zündpatrone eine gewöhnliche kleine Dynamitpatrone nehmen; diese muß aber unbedingt in ganz weichem Zustande in das Bohrloch kommen, und man wird gut thun, um ihr rasches Frieren zu verhindern, sie mit warmem Talg oder Theer zu bestreichen und auf sie, als erste Verdämmung, einige Centimeter Sägespäne oder Werg zu geben.

Gefrorenes Dynamit darf nicht gewaltsam im Bohrloche gepreßt oder verkleinert werden, sondern man senkt einfach eine Patrone nach der anderen bis zur Erreichung der gewünschten Ladehöhe in das Bohrloch und setzt schließlich die Zündpatrone auf. Solche gefrorene Ladungen werden mit besonderen Zündpatronen in verstärkten Kapseln entzündet.

Adjustirte Zündpatronen, d.h. Dynamit-Patronen, in welchen bereits das Zündhütchen eingeführt ist, dürfen nie aufgethaut, ebensowenig aber auch aufbewahrt werden, da beides bei der geringsten Unvorsichtigkeit großes Unglück herbeiführen kann. Sollten nach Vollendung der Tagesarbeit solche gefrorene adjustirte Patronen übrig bleiben, so werden dieselben in einer Grube zur Explosion gebracht.

Wenn sich nach der Explosion schlechte Gase zeigen, so ist dies ein Beweis, daß die Zündung schlecht ausgeführt wurde. Unrichtige Zündung verdirbt nicht nur die Wetter, sondern vermindert auch den Sprengeffect. – Versagte Schüsse dürfen nie ausgebohrt werden, sondern man muß trachten, sie durch in der Nähe neu angelegte Schüsse abzuthun.

Ladungsregeln. Bei Gesteinssprengungen ist im Allgemeinen die Lage und Tiefe der Bohrlöcher ziemlich gleich jener bei Schwarzpulver anzunehmen; nur können die Gesteinsvorgaben bei Dynamit um wenigstens 1/3 größer sein. Die Bohrlochsweite ist beinahe immer geringer als bei gewöhnlichem Sprengpulver zu nehmen, und genügt |30| in fast allen Fällen im Steinbruche, Berg- und Tunnelbaue eine Bohrlochsweite von 25 Millimeter.

Nur dort, wo es sich in erster Reihe um rasche Arbeit, also um große Gesteinsbewältigung durch jeden Schuß handelt, und wo zugleich große Angriffsflächen vorhanden sind, also bei den meisten Bahneinschnitten, großen Hafenbauten und dergl. sind weite Bohrlöcher, starke Ladungen, aber zugleich auch sehr starke Vorgaben anzuwenden. – Man wird annehmen:

für 1–2 Meter Bohrlochstiefe Bohrer von 25 Millimeter,
2–4 30–40
4–6 50–65

Bei Arbeiten, wo das Gestein nur gespalten und möglichst wenig zertrümmert werden soll, also bei Gewinnung von Bausteinen, Werkstücken und bei Sprengungen in Kohle, wende man enge und tiefe Bohrlöcher an. Bei Sprengungen unter Wasser, wo das Anlegen von Bohrlöchern sehr schwierig ist, z.B. bei Flußregulirungsarbeiten, Bauten im Meere etc., kann man mit frei auf den Felsen aufliegenden Ladungen sehr günstige Resultate erlangen. (Dies Journal, 1871 Bd. CCIII S. 146).

Die Größe der Ladung bestimme man durch einige sorgfältig angelegte Probeminen. Als Ladungslänge nimmt man gewöhnlich bei sehr starker Gesteinsverspannung und sonst ungünstiger Schußlage (Einbruchsschüsse in Stollen) 1/3–1/4, bei Schüssen mit zwei freien Flächen und sonst günstiger Schußlage 1/4–1/5, bei Schüssen mit geringer Gesteinsverspannung (drei und mehr freie Flächen) 1/6–1/8 der Bohrlochstiefe. Hierbei ist angenommen, daß die Bohrlochsweite etwa um 25 Proc. geringer als bei Anwendung von Schwarzpulver ist.

Wo das Gestein nur gespalten und nicht zertrümmert werden darf, z.B. bei Erzeugung von Werkstücken, dann bei Sprengungen in Kohle, wendet man mit gutem Erfolge sehr schwache, aber wiederholte Ladungen an.

Sprengungen in zähen Erdarten (Thon, Tegel, Schotter) haben den Zweck, die mühsame und kostspielige Arbeit mit der Spitzhaue zu reduciren, und werden in folgender Weise vortheilhaft durchgeführt. In das 40 Millim. weite und circa 3 Meter lange Bohrloch, welches eine seiner Tiefe gleiche oder geringere Vorgabe enthält, wird zuerst eine längere, an die Zündschnur befestigte Dynamitpatrone hinabgelassen und ohne Verdämmung zur Detonation gebracht, wodurch eine kugelförmige Kammer entsteht. Je nach der Größe der Kammer, welche man zu einer bestimmten Ladung von Dynamit gebraucht, setzt man vorsichtig dieses |31| Ausschießen fort, bis man die gehörige Größe erhält, um eine Ladung von 2,5 bis 25 Kilogrm. Dynamit aufzunehmen.

Diese Art des Erweitern der Bohrlochsohle, das Ausschießen, empfiehlt sich auch für alle Arten von Gestein, vorzüglich zur Erzeugung von kleinen Minen, statt des langweiligen und kostspieligen Vorganges mit Salzsäure.

Vorzügliche Resultate wurden beim Roden von Wurzelstöcken erzielt.

Holzschnitt IV, Bd. 214, S. 31

Transport und Aufbewahrung von Dynamit. Für den Transport von Dynamit auf Eisenbahnen und Dampfschiffen gelten bestimmte gesetzliche Vorschriften. Beim Transport per Achse beobachte man alle jene Vorsichtsmaßregeln, welche Schwarzpulver erfordert. Die Aufbewahrung von Dynamit geschieht in ganz gleicher Weise wie jene von Schwarzpulver und unter denselben Vorsichtsmaßregeln. Nie darf man sich durch die relative Ungefährlichkeit des Dynamits zur Vernachlässigung der größten Vorsicht verleiten lassen, am allerwenigsten aber, wie es leider nur noch zu häufig geschieht, Dynamit in bewohnten Räumen oder in unmittelbarer Nähe von solchen aufbewahren. Ist es möglich, so wähle man trockene Orte, deren Temperatur nicht unter 10–12° sinkt. Kapseln und Zündschnüre müssen stets entfernt von Dynamit und immer an trockenen Orten aufbewahrt werden.

Bohrmaschinen für Bohrlöcher in Stein. Während Dynamit bei allen möglichen Sprengarbeiten die ausgedehnteste Verwendung findet, ist es erst im Vorjahre gelungen, die allen praktischen Forderungen |32| entsprechende Steinbohrmaschine nach dem System Burleigh (dies Journal, 1873 Bd. CCVIII S. 290), welche ihre Entwickelung bei Herstellung des Hoosac-Tunnels2) fand, in Europa einzuführen.

Die hauptsächlichsten Vorzüge der Maschinenbohrung gegenüber der Handbohrung bestehen in großer Zeitersparniß, da die Arbeit mit Bohrmaschinen doppelt so rasch als mit Handarbeit gefördert werden kann; in kräftiger Ventilation durch die aus der Maschine austretende Luft oder directe Oeffnung der Luftleitung; sowie in bedeutender Ersparung an Kosten, da diese bei gleichzeitiger Anwendung von Dynamit nur 40 bis 60 Proc. derjenigen betragen, welche Handbohrung und Schwarzpulver fordern.

Die bewegende Kraft in der Burleigh'schen Bohrmaschine ist über Tage bei kurzer Leitung Dampf, bei längeren Leitungen (über 200 Meter) und immer unter Tag comprimirte Luft. Die Maschine für Einschnitte, Steinbrüche, Tunnele, Bergwerke bohrt Löcher von 20–50 Millim. Durchmesser. Ohne Bohrwechsel bohrt sie bis 0,5 Meter Tiefe, mit Bohrwechsel selbst 2,5–4,5 Meter. Die Maschine hat eine Länge von 1,65 Meter, einen Querschnitt von 30 und 23 Centim. Seite. Sie wiegt 75 Kilogrm., das zu ihr gehörige Gestell (Dreifuß) 70 Kilogrm., das Streckengestell 90–100 Kilogrm. Zu ihrer Bewegung bedarf man pro Minute bei 350 Hüben etwa 0,35 Kubikmeter Dampf von 4 1/2 Atmosphären Spannung oder ein gleiches Luftquantum. Im Allgemeinen wird man für den directen Betrieb einer Maschine einen Dampfkessel von 3 Pferdekraft rechnen müssen. Für zwei gleichzeitig arbeitende Maschinen genügt aber vollkommen ein Kessel von 4–5 Pferdekraft.

Die Maschine für außergewöhnlich große Arbeiten, wie z.B. Strom-, Hafenbauten und längere Eisenbahn-Tunnele, bohrt Löcher von 50 bis 100 Millim. Durchmesser und ohne Bohrwechsel 0,6, mit Bohrwechsel 3 bis 6 Meter tief. Die Maschine hat eine Länge von 2 Meter, einen Querschnitt von 38 und 33 Centim. Seite. Sie wiegt 222 Kilogrm., das zu ihr gehörige Gestell 176 Kilogrm. Zum Betrieb benöthigt dieselbe einen Kessel von 5–6 Pferdekraft.

Die Leistung einer Burleigh'schen Bohrmaschine bei Anwendung nur eines Gestelles beträgt in 10 Arbeitsstunden etwa:

In weichem Stein (Sandstein, weicher Kalk, Schiefer) 36 Meter
mittelhartem Stein (festen Sand- und Kalkstein) 30
hartem Stein (Granit, Dolomit) 27
sehr hartem Stein (Gneis, Kieselschiefer u.s.f.) 21
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Einen Vergleich mit der Leistung der übrigen Systeme von Bohrmaschinen geben folgende Daten: Es bohren in gleichem Steine (Kalkstein) Osterkamp 3) 50, Döring 100, Sachs 140 und Burleigh 200 Millim. pro Minute. In sehr hartem Gestein (Granit, Kieselschiefer, Grauwacke etc.) stellt sich das Verhältniß der Sachs'schen gegen die Burleigh'sche Maschine wie 1 zu 2.

Für den Vergleich gegenüber Handarbeit gibt das Folgende einige Anhaltspunkte:

Feinkörniges Kalkconglomerat: Die Maschine in 13 1/2 Minuten, dreimaliges Bohrerwechseln eingerechnet, 151 Centim.; drei Arbeiter bohrten in derselben Zeit 16 Centimeter.

Kieselschiefer sehr hart mit Quarzit durchsetzt: Die Maschine in einer Minute 4–5 Centimeter als Mittel aus 35–60 Centimeter tiefen Bohrlöchern. Zwei Arbeiter in zwei Stunden ein 30 Centimeter tiefes Bohrloch von demselben Durchmesser.

In dem Hoosac-Tunnel arbeiteten die Burleigh'schen Bohrmaschinen seit dem Jahre 1869 und wurden mit nur acht solchen Maschinen die letzten 4774 Meter Richtstollen durchgearbeitet. Das Gestein war Gneis mit Quarz durchzogen. Mit Handarbeit war der Fortschritt per Monat 15 Meter, mit der Burleigh'schen Bohrmaschine dagegen 45 Meter, und stellten sich mit letzterer die Kosten noch um 1/3 billiger als mit Handarbeit. Nach dem Engineering (19. Januar 1872) kostete der laufende Meter des Mont-Cenis-Tunnels 213, beim Hoosac-Tunnel trotz des viel festeren Gesteins nur 197 Pfund Sterling. Auch bei den submarinen Sprengungen in Hallgate bei New-York bewährten sich nach dem Scientific American (21. Januar 1874) diese Bohrmaschinen, namentlich dem Diamantbohrer gegenüber, so daß sie zur Vollendung dieser großartigen Arbeiten ausschließlich beibehalten wurden.

Wenzel Nemecek, k. k. Bergmeister in Pribram gibt folgende Tabelle über die Resultate der vergleichenden Versuche mit Burleigh's und Sachs' Bohrmaschinen, dann mit Handarbeit. (Gestein: fester Diorit.)

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Textabbildung Bd. 214, S. 34

Elektrische Zündung. Die in Oesterreich in der Civil-Sprengtechnik am häufigsten angewendete Zündmaschine ist die vom Mechaniker Bornhardt in Braunschweig (dies Journal, 1863 Bd. CLXVIII S. 342). Der Reibungsapparat (Holzschnitt V und VI) besteht aus |35| einer Hartgummischeibe F, welche durch Drehung mittels der Kurbel zwischen Pelzwerk R gerieben wird. Die hierdurch erzeugte negative Elektricität der Scheibe F wird durch den Saugapparat J von der inneren Staniol-Belegung des Flaschencondensators H, die positive des Pelzwerkes R aber von der äußeren Belegung der Flasche aufgenommen, und steht letztere in Verbindung mit der Oese D.

Holzschnitt V, Bd. 214, S. 35
Holzschnitt VI, Bd. 214, S. 35

Zur Entladung des Flaschencondensators H dient der Entlader E, welcher durch einen Druck auf den an der Seite befindlichen Knopf K mit dem Condensator in Berührung tritt (die in der Figur punktirte Lage annimmt) und hierdurch mit der Oese C verbunden wird. Sind sonach in den beiden Oesen C und D die Enden eines isolirten Drahtes eingehängt, in welchem ein oder mehrere elektrische Zünder eingeschaltet wurden, so wird die Zündung nach vorhergegangener Ladung des Flaschencondensators in dem Momente erfolgen, in welchem man auf den Knopf K drückt, resp. die Entladung des Flaschencondensators vornimmt. Die Elektrisirmaschine des Zündapparates befindet sich in einem luftdicht verschlossenen Blechkasten, der zum Trockenhalten noch Rollen A mit wasserabsorbirenden Substanzen enthält. Trotz dieser Maßnahme ist es stets angezeigt, den Apparat in einem warmen trockenen Locale aufzubewahren.

Man unterscheidet bei jeder elektrischen Leitung die Luft- oder Hinleitung, in welcher die negative Elektricität von der inneren Belegung des Flaschencondensators, also von der Oese C des Apparates, bis zu ihrem Wirkungsorte auf wohl isolirte Metalldrähte angewiesen ist, und die Erd- oder Rückleitung, bei welcher die positive Elektricität von der äußeren Belegung des Flaschencondensators, also von der Oese D des Apparates, durch den Erdboden oder durch einen sonstigen Leiter zum elektrischen Zünder geleitet wird. Da mit der Zündmaschine eine um so größere Zahl elektrischer Zünder momentan gezündet werden |36| können, je isolirter auch die Rückleitung ist, so wendet man bei wichtigen Sprengungen, wo auf einen sicheren Erfolg gerechnet wird, stets isolirte Hin- und Rückleitung an.

Wird zu den Drahtleitungen für elektrische Zündungen Eisendraht verwendet, so muß derselbe gut ausgeglüht und bei Hinleitungen über Isolatoren aus Glas, Porzellan oder vulkanisirtem Kautschuk gespannt werden. Bei Anwendung von mit Guttapercha überzogenen Kupferdraht sind diese Isolatoren entbehrlich.

Holzschnitt VII, Bd. 214, S. 36

Sind zwei Drähte mit einander zu verbinden, so werden die Enden blank geschabt, zusammengeflochten, die vorstehenden Drahtspitzen zurückgebogen, das ganze Geflechte mit einer kleinen Breitzange gepreßt und die Drahtspitzen abgezwickt (Holzschnitt VIII).

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Holzschnitt VIII, Bd. 214, S. 37

Beim Guttaperchadraht wird zuerst von den beiden zu verbindenden Drahtenden auf 5 Centim. die Guttapercha mittels eines Messers entfernt, die blosgelegten Kupferdrähte wie vorerwähnt verbunden (Fig. IX), und sodann entweder ein Kautschukröhrchen, welches gleich Anfangs auf den einen Draht geschoben wurde, über die Verbindung gezogen und über der Guttapercha beider Drähte festgebunden (Fig. X), oder man umgibt zuerst die Drahtverbindung mit weich gemachter Guttapercha, wasserdichter Pasta oder einfachen Gummistreifen, und zieht dann erst das Kautschukröhrchen darüber.

Holzschnitt IX, Bd. 214, S. 37
Holzschnitt X, Bd. 214, S. 37

Ist der elektrische Zünder in einer oder der anderen Weise mit genügend langen, gut von einander isolirten Drähten versehen, so wird er ebenso mit einer Zündpatrone verbunden, wie dies bei gewöhnlicher Zündung der Fall ist, die Zündpatrone auf die Ladung gegeben und verdämmt.

Jeder Häuer ladet seine Schüsse in der früher bezeichneten Weise. Aus jedem Schusse ragen dann die Enden der zwei Bohrlochsdrähte einige Centimeter hervor. Der mit der Fertigstellung der Zündung betraute Vormann verbindet nun den einen Bohrlochsdraht eines Schusses durch ein eingeschaltetes Drahtstück mit der Hinleitung. Der zweite Draht des Schusses wird mit einem Drahte eines Nachbarschusses, der gleiche Draht des letzteren mit einem Drahte eines dritten Schusses u.s.f. – endlich das übrig bleibende Ende des letzteren Schusses mit der Rückleitung durch eingeschobene Drahtstücke (Kuppeldrähte) verbunden. Kommen dieselben durchaus auf trockenen Stein, so wählt man als Kuppeldraht geglühten Eisendraht; kommen sie auf feuchten Boden, so nimmt man gewöhnlichen übersponnenen Blumendraht, welchen man mit Talg einschmiert; kommen endlich die Kuppeldrähte ins Wasser, so müssen gute Kautschukdrähte genommen werden. Die Verbindungsstellen müssen bei feuchtem Auflager gut mit getheerter Leinwand oder Pechpflästerchen |38| umbunden, bei Liegen im Wasser aber sorgfältig mit Kautschukmasse u.s.f. verwahrt werden.

Holzschnitt XI, Bd. 214, S. 38

Der Holzschnitt XI zeigt die Disposition bei einem trockenen Einschnitte. eaaabd ist die Hinleitung, dbaae ist die Rückleitung; d, d... sind die Bohrlöcher mit eingeführten Zündern, c, c.. die Kuppeldrähte; e bezeichnet die Maschine.

Sind alle Schüsse untereinander verbunden, so hängt der Vormann die beim Apparate befindlichen Enden der Hauptdrähte in die Leitungsknöpfe, steckt die Kurbel, welche er bei sich getragen hat, an den Apparat, ladet denselben mittels 30–40 Umdrehungen und drückt während der letzten Drehungen auf den Knopf K (Holzschnitt V, VI, d.h. er zündet.

Hierauf werden die Drahtenden wieder ausgehängt, die Kurbel von der Maschine abgezogen, und kann nun der Sprengort gefahrlos betreten werden, ohne Rücksicht darauf, ob alle Schüsse losgegangen sind oder nicht. –

Nach Mittheilung des Vorstandes der österreichischen General-Inspection für Eisenbahnen – Hofrath v. Pischof – haben die Erfahrungen beim Aussprengen des Buchenberg-Einschnittes gezeigt, daß bei richtiger Verwendung der elektrischen Zündung im Durchschnitt die doppelte Wirkung erzeugt wird, als wenn die Ladungen auf gewöhnliche Art einzeln abgefeuert werden.

F. F.

Nach einem uns vom Verfasser gütigst zugeschickten Separatabdruck.

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Der Hoosac-Tunnel in Nordamerika für die Eisenbahn von Troy am Hudson (New-York) nach Greenfield (Massachusetts) hat eine Länge von 7,93 Kilometer. Der Mont-Cenis-Tunnel ist 12,22, der Gotthard-Tunnel wird 14,9 Kilometer lang.

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Dies Journal, 1871 Bd. CCI S. 6.

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