Titel: Stingl, über Apparate für die chemische Großindustrie.
Autor: Stingl, Johann
Fundstelle: 1874, Band 214, Nr. XXX. (S. 117–130)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214030

XXX. Apparate für die chemische Grossindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873; von Johann Stingl, Präparator an der technischen Hochschule in Wien.1)

Mit Abbildungen.

Eine sehr werthvolle Ergänzung des in diesem Journal (Bd. CCXIII, erstes und zweites Juniheft 1874, Seite 410 und 480) auszugsweise wiedergegebenen Berichtes von Professor Dr. A. Bauer „über die chemische Großindustrie auf der Wiener Weltausstellung“ bildet die Besprechung der Maschinen und Apparate, welche auf dem Gebiete der chemischen Industrie verwendet werden und auf der Ausstellung repräsentirt waren. Es werden der Reihe nach behandelt: 1) Apparate der chemischen Großindustrie; 2) Abdampf- und Destillirapparate für Laboratorien und pharmaceutische Zwecke; 3) Eismaschinen und 4) Apparate der Leuchtgasfabrikation. Nachstehend mit gef. Genehmigung des Verfassers einige Notizen aus dem erwähnten Bericht, welche für die Leser dieses Journals einiges Interesse gewähren dürften.

1) Apparate der chemischen Großindustrie. Die Schwefelsäurefabrikation betreffend, so hatte die Firma Gebrüder Schnorf in Uetikon bei Zürich unter anderen Producten der Soda-Industrie auch die Kiesabbrände ausgestellt, welche nur mehr 1 bis 1 1/2 Proc. Schwefel enthielten, – ein Resultat, das nichts zu wünschen übrig läßt und welches die Möglichkeit bietet, die Kiesabbrände auf Eisen zu verhütten. In der erwähnten Fabrik werden Lyoner Kiese auf Schwefelsäure verarbeitet, und geschieht dies durch eigene Kies-Röstöfen, die eine ähnliche |118| Einrichtung haben, wie der Theil des Perret-Ollivier'schen Ofens, welcher zur Röstung der Kiesschliche dient.

In einem rechteckigen, gemauerten Raume sind fünf aus feuerfestem Thon geformte Platten derart horizontal befestigt, daß dieselben mit ihren längeren Kanten an den Mauern dicht anstehen, während die kürzeren abwechselnd von den zwei gegenüberliegenden Mauern abstehen, so daß die bei der tiefsten Platte eintretende oxydirende Luft einen schlangenartigen Weg über die Platten nehmen muß, um die Kiese zu bestreichen. Die Platten werden durch thönerne Träger unterstützt. Nachdem der Ofen angeheizt ist, wird auf die oberste Thonplatte der Kies durch eine Schüttvorrichtung aufgegeben und durch seitlich angebrachte Arbeitsöffnungen auf den Platten gleichmäßig vertheilt. Kies und atmosphärische Luft machen nun den entgegengesetzten Weg. Der erstere wird nach und nach von der obersten Platte bis auf die unterste gezogen und von dort als vorzüglich entschwefelter Rückstand dem Ofen entnommen, während die zur Oxydation nöthige Luft über der tiefsten Platte in den Ofen tritt und nach und nach über alle Platten streicht, um endlich – mit dem nöthigen Quantum schwefeliger Säure beladen – in die Bleikammern zu treten. Bevor dies geschieht, werden die sehr heißen Gase neben den Ofen abwärts und unter der tiefsten Thonplatte vorbei geführt, wodurch dieselbe immer glühend erhalten bleibt und so die Luft gleichsam vorhitzt. Arbeitsöffnungen und Luftzüge ermöglichen einen geregelten Gang dieses Ofens, der einfach construirt ist und bei geeignetem Kiese, wie der Lyoner, das genügende Quantum schwefeliger Säure bei so weit getriebener Entschwefelung des angewendeten Materials gibt. –

Bezüglich des Gerstenhöfer'schen Röstofens2) werden folgende Betriebsergebnisse mitgetheilt.

Auf dem Fürst Auersperg'schen Werke in Lukawetz in Böhmen beträgt das Durchsetzquantum in 24 Stunden 35 Centner und werden die Kiese bis auf 2 bis 3 Proc. Schwefel in den Rückständen abgeröstet. Die zur Erläuterung der Ausstellung des besagten Werkes auf der Weltausstellung aufliegende Broschüre besprach den Gerstenhöfer'schen Ofen sehr günstig, der im J. 1868 am 18. August daselbst in Betrieb gesetzt und wo im J. 1871 ein zweiter erbaut wurde, so daß die Schwefelsäure-Production aus Kies von 15000 Centner im J. 1869 auf 29500 Centner im J. 1872 stieg.

Auf dem Morgensterner Werke bei Merzdorf in Schlesien werden die Kiese bis auf 4 Proc. Schwefel im Rückstande entschwefelt.

Die Schwelmer Schwefelkiese werden zu Beuel bei Bonn bis auf 3 bis 5 Proc. Schwefel abgeröstet.

|119|

Die kupferhaltigen Schwefelkiese der ungarisch-schweizerischen Sodafabrik zu Nagy-Bocsko müssen bis auf 5 Proc. Schwefel abgeröstet werden.

Die Muldnerhütte verröstet Gemenge von Zinkblende, Bleiglanz und Kies, wobei zu bemerken kommt, daß Bleiglanz bei der Rösttemperatur leicht sintert und daher die Röstung sehr erschwert. Es enthalten aus diesem Grunde die Kiesabbrände noch 10 bis 13 Proc. Schwefel.

Auf der Halsbrückner Hütte bei Freiberg, welche ein Gemenge von 1/3 Blei-Erz und 2/3 kiesigen Erzen verröstet, finden sich in dem Röstgute noch 7 bis 9 Proc. Schwefel.

Diesem Ofen wird hauptsächlich vorgeworfen, daß der Flugstaub, der in Folge des zersplitternden Falles der Kiesschliche gegen den Luftstrom unvermeidlich ist, in solcher Menge auftrete, daß er häufige Reinigungen der Canäle und Flugstaub-Kammern erforderte. Um diesen Uebelstand zu beheben, hat Gerstenhöfer die Einrichtung getroffen, daß die mit schwefliger Säure beladenen Gase im obersten Theile des Ofens durch Seitenöffnungen entweichen – und nicht, wie früher, in der Mitte durch eine Oeffnung – während das Kiesklein in der. Mitte durch eine Oeffnung in den Ofen fällt; ferner müssen die Gase, bevor sie in die Flugstaub-Kammer treten, einen niedergehenden Weg einschlagen, wodurch die größte Menge des Flugstaubes am Anfange der Kammer sich absetzt.

Die Flugstaub-Menge aus diesem Ofen beträgt z.B. in Lukawetz 1,7 Proc. des Durchsetzquantums, mithin 0,6 Centner in 24 Stunden, so daß nach Angaben des Directors Waadt in Lukawetz der Ofen 5 bis 6 Monate betrieben werden kann, ohne daß die Flugstaub-Kammern entleert werden müßten; die oberen Träger werden täglich viermal, die unteren ein- bis zweimal gereinigt, und die oberen Züge in zwei bis drei Wochen einmal ausgeleert.

Im Mansfeld'schen beträgt die Flugstaub-Menge, da eine bedeutende Durchsetzmenge durch den Ofen geht, gegen 5 Procent des Durchsetzquantums.

Dort, wo Kiesschliche vorliegen oder der Kies leicht in Schlichform zu bringen ist, wird der Gerstenhöfer'sche Ofen stets dominiren, da er den großen Vortheil bietet, daß er selbständig als Kiesschlich-Röstofen functionirt und ein großes Durchsetzquantum erlaubt, wenn der Rückstand noch weiter verhüttet werden soll; aber auch eine gute Entschwefelung von Schwefelkies oder Kupferkies haltigem Kies wird erzielt, wenn dieselben aus Schwefelsäure verarbeitet werden.

2) Destillir- und Abdampfapparate. Um in der Praxis Substanzen im luftverdünnten Raume abzudampfen, was auch in Laboratorien und bei vielen pharmaceutischen Präparaten oft erwünscht ist, bedient man sich bekanntlich der sogen. Vacuumapparate. Für kleineren |120| Bedarf wurden dieselben bis jetzt ganz nach dem Principe der Vacuumapparate der Zuckerfabriken ausgeführt, d.h. das Vacuum wurde mittels Luftpumpen und Condensation des Wasserdampfes erzeugt; nur waren dem entsprechend auch die Apparate kleiner. Allein trotzdem haben dieselben den großen Uebelstand, daß ihre Anschaffung theuer, daß man ferner einen Motor zum Betriebe der Luftpumpen benöthigt, und daß ihre ganze Einrichtung für kleinere Abdampfungen viel zu complicirt ist.

Holzschnitt I, Bd. 214, S. 120 |121| Holzschnitt II, Bd. 214, S. 121 Holzschnitt III, Bd. 214, S. 121 |122|

3) Wird dieser Abdampfapparat als gleichzeitiger Destillirapparat für Destillationen im luftverdünnten Raume benützt, so bekommt derselbe nachstehende Einrichtung. Die Adjustirung der Abdampfschale (Holzschnitt IV) ist dieselbe, wie früher angegeben wurde. Der Unterschied zwischen der vorigen und der jetzigen Anordnung liegt darin, daß die Luftpumpe mit der Vorlage A durch die Röhre a in Verbindung steht und hier ein Vacuum erzeugt, das sich durch die Röhre b dem Abdampfraume mittheilt. Durch diese Röhre b gelangt gleichzeitig das Destillat in die Vorlage A. Dieselbe ist ein starkes Glas, auf welches ein Zinndeckel mittels eines Kautschukringes luftdicht paßt. Der Deckel C der Abdampfschale hat an seinem oberen Ende eine Röhre c eingeschraubt, welche mit einem Hahne verschließbar ist. Durch diese Röhre und das Vorrathsgefäß B wird die Füllung der Abdampfschale bewerkstelligt.

Holzschnitt IV, Bd. 214, S. 122

Aus diesen kurzen Mittheilungen erhellt die Wichtigkeit und Einfachheit dieses Apparates, der einem viel gewünschten Bedürfnisse auf eine sinnreiche Art gerecht wird. Nach den Mittheilungen des Hrn. Wolff sind seit der Ausstellung schon mehrere derartige Apparate sowohl an größere Laboratorien, als auch an andere Etablissements – z.B. in der Schweiz zur Fabrikation von condensirter Milch – abgesetzt worden.

3) Eismaschinen. Auf der Ausstellung war von den verschiedenen Maschinen die continuirlich wirkende Carre'sche Ammoniak-Eismaschine |123| durch zwei deutsche Firmen: Aktiengesellschaft für Fabrikation von Eismaschinen, Mineralwasser- und sonstigen technischen Apparaten (vormals Oscar Kropf und Comp.) zu Nordhausen und von Vaas und Littmann in Halle vertreten; ferner war ausgestellt eine Aether-Eismaschine durch die Firma Siebe und West in London.

Die Carre'sche Ammoniak-Eismaschine5) hat sich bis jetzt am meisten Bahn gebrochen und findet in ausgedehnterem Maße Anwendung. Wesentliche Neuerungen in der Construction wurden an derselben seit der Pariser Ausstellung nicht wahrgenommen.

Die Firma Vaas und Littmann verwendet statt der bisher gebräuchlichen genieteten Verdampfkessel geschweißte Kessel, welche gefahrlos eine Spannung von 16 bis 20 Atmosphären aushalten und nicht so leicht rinnen wie die genieteten. Jede Röhre besitzt ferner einen sorgfältig gearbeiteten Hahn, so daß man nicht mehr gezwungen ist, bei nothwendigen Reparaturen die ganze Maschine in Unthätigkeit zu versetzen, sondern in vielen Fällen durch die entsprechende Hahnstellung abgeholfen werden kann. Vaas und Littmann verwenden bei ihren größeren Eismaschinen zwei, ja drei Gefrierer in der Art, daß die das flüssige Ammoniak führende Röhre in zwei resp. drei Zweigröhren sich theilt, deren jede durch einen Hahn geschlossen oder geöffnet werden kann. Um die in den Gefriergefäßen befindliche Chlorcalciumlösung gleichmäßig abzukühlen, befindet sich in denselben ein Rührwerk, aus einem kleinen Flügelrade bestehend. Diese Maschinen liefern Eisplatten von 80 Millim. Stärke, 185 Millim. Breite und 750 Millim. Länge und einem Gewichte von 20 Zollpfund. Die Preise und Leistungsfähigkeit der continuirlichen Carre'schen Ammoniak-Eismaschine stellen sich nach den Mittheilungen der Firma Vaas und Littmann, wie folgt:

Leistungsfähigkeit per Stunde in Zollpfund 50 100 200 500 1000
Preis der Maschine incl. Ammoniaklösung
und Chlorcalcium, in Thaler pro Centner

1600

2600

4300

6400

10000
Erforderliches Kühlwasser bei 14° C. per
Stunde, in Liter

750

1500

3000

6000

15000
Verbrauch an Steinkohle per Stunde, in
Pfund

8

10

18

30

60
Zur Bedienung der Maschine erforderliche
Arbeiter

2

2

2

3

4
Erforderliche Betriebskraft für die Eismaschine
und Wasserpumpe, in Pferdekräften



2

3

4
Beiläufiges Gewicht der Maschine, in Centner 75 120 200 310 480
|124|

Der tägliche Bedarf an Kohle, Ammoniakflüssigkeit und Chlorcalcium (in Pfund ausgedrückt) ist für diese Eismaschine von verschiedener Leistungsfähigkeit folgender.

Eismaschine von Kohle Ammoniaklösung Chlorcalcium
50 Pfund stündlicher Leistung 150 1 1
100 „ „ „ 300 1 1/2 2
200 „ „ „ 600 3 1/3 3
400 „ „ „ 1800 10 4
1000 „ „ „ 2400 15 8

Berücksichtigt man alle einschlägigen Factoren, so stellt sich 1 Centner Eis, je nach der verschiedenen Leistungsfähigkeit der Maschinen, wie folgt:

Bei einer Leistungsfähigkeit der Maschine von

50 Pfund pro Stunde, kostet 1 Centner Eis 11 Silbergroschen 10 Pfennig,
100 1 7 1
200 1 5 9
400 1 4 6
1000 1 3

Aus diesen Daten ersieht man, daß die Preise des Eises bei größerer Leistung der Maschine niederer zu stehen kommen.

Nach der Angabe der Firma „Actiengesellschaft für Fabrikation von Eismaschinen etc. (vormals Oscar Kropf) in Nordhausen,“ deren Maschinen im Wesentlichen denen der früheren Firma gleichen, und welche am frühesten die Eismaschinen in Deutschland fabricirte, stellen sich die Preisverhältnisse und Leistungsfähigkeit der Eismaschinen folgendermaßen.

Leistungsfähigkeit per Stunde, in Pfund 15 50 100 200 500 1000
Preis der Maschine, in Thaler 750 1500 2400 4000 6000 10000
Kühlwasser von 12° C. per Stunde,
in Liter

350

750

1500

3000

6000

12000
Verbrauch an Steinkohle per Stunde,
in Pfund

4

8

10

18

40

70
Erforderliche Arbeiter zur Bedienung 2 2 2 2 3 3
Beiläufiges Gewicht der Maschine
sammt Verpackung, in Centner

40

75

120

200

310

450
Menge der Ammoniaklösung zur ersten
Füllung, in Centner

2

3

5

10

25

45
Menge der Chlorcalciumlösung zur
ersten Füllung, in Centner

2

3

5

10

25

50

Nach den Angaben von Oscar Kropf findet bei einer Maschine, welche täglich 40 Centner Eis erzeugt, ein Ammoniakverlust von 2 Pfund täglich statt.

|125|

Vaas und Littmann geben, bei einer Production von 12 Centner Eis täglich, einen Ammoniakverlust in der Höhe von 1/2 Pfund täglich an. Man kann ferner nach den Angaben der genannten Firma annehmen, daß für 2 Pfund erzeugtes Eis etwa 1 Pfund Kühlwasser von 14° C. erforderlich ist, welches Kühlwasser durchschnittlich mit 22° abfließt; es darf die Temperatur von 30° nie erreichen, da sonst in Folge ungenügender Condensation des Ammoniaks der Druck im Kessel weit über 10 Atmosphären steigen würde.

Siebe und West in London (Mason Street, Lambeth) adoptiren bekanntlich das zuerst von Harrison angegebene Princip6) und schon auf der Londoner Ausstellung im J. 1862 functionirte eine derartige Aether-Eismaschine, die im Wesentlichen dieselbe Einrichtung hatte, wie die auf der jüngsten Ausstellung exponirte Maschine. Eine durch Wasser kühlbare, doppeltwirkende Luftpumpe mit starken Kautschukventilen; ein starkes kupfernes Röhrensystem, in welchem der Aether in Folge der Luftverdünnung rasch verdunstet und Wärme entzieht (Aetherkessel genannt); eine Kühlschlange aus dichtem Schmiedeisen (sogen. Condensator), in welchem der Aetherdampf durch Druck der Pumpe und Abkühlung wieder verflüssigt wird, sind die drei Hauptbestandtheile dieses Systems von Eismaschinen. Der sogenannte Aetherkessel ist außen von schlechten Wärmeleitern umgeben und wirkt abkühlend auf einen Salzwasserstrom, welcher in einem geschlossenen Röhrensysteme neben dem verdampfenden Aether kreist und der als eigentlicher Uebertrager der Kälte auf die Gefriergefäße, die in einem in Fächer getheilten Gefrierkasten sich befinden, zu betrachten ist. Die Bewegung dieses in geschlossenen Röhren kreisenden Salzwasserstromes regelt eine kleine Pumpe in der Art, daß die im Aetherkessel gekühlte Salzlösung in den Gefrierer gelangt, hier die aus Zinkblech verfertigten Gefrierzellen eng umkreist und hierauf von der Pumpe wieder in den Aetherkessel getrieben wird, um dort abermals gekühlt zu werden. Auf dem Wege zum Aetherkessel passirt die noch kalte Lösung den Condensator, um hier abkühlend auf den verdichteten Aether zu wirken. Aether und Salzwasser machen daher jedes für sich in geschlossenen Röhrensystemen einen immerwährenden Kreislauf, welcher durch mechanische Kraft ermöglicht wird.

Nach den Angaben von Siebe und West soll so gut wie kein Aetherverlust bei ihren neuen Maschinen stattfinden, während Dr. R. Schmidt 7) in einem Berichte über Siebe's Aether-Eismaschinen angibt, |126| daß bei einer Leistungsfähigkeit der Maschine von 20 Centner Eis täglich der Verlust an Aether ein Pfund beträgt.

Holzschnitt V, Bd. 214, S. 126

Eine derartige Maschine mit einer Leistung von 100 Centner Eis in 24 Stunden benöthigt zu ihrem Betriebe eine Dampfmaschine von 24 effectiven Pferdekräften, also jedenfalls eine tüchtige Arbeitsleistung. Siebe und West geben |127| an, daß 10 bis 30 Pfund Eis, mit ihrer Maschine erzeugt, auf nur ein Penny, also beiläufig 5 Neukreuzer zu stehen kommen; ferner soll 1 Pfund Kohle 3 bis 10 Pfund Eis produciren. Der beigegebene Holzschnitt V möge die Anordnung dieser Aether-Eismaschine versinnlichen. A ist die doppeltwirkende Luftpumpe, welche durch die Röhren a mit dem Aetherkessel B in Verbindung steht. Durch die Röhren b wird der Aetherdampf von der Luftpumpe nach dem Condensator D gedrückt. Durch die Röhre c und den Hahn d gelangt der flüssige Aether aus dem Condensator D in den Aetherkessel B, in welchem auch das Salzwasser-Rohr liegt. Die gekühlte Salzwasser-Lösung kommt durch die Röhre e in den Gefrierer C und von hier, nachdem sie gewirkt hat, durch D wieder nach B.

4) Apparate der Leuchtgasfabrikation. Die „Patent-Gas-Company“ in London brachte eine Gasanstalt zur Anschauung, welche Leuchtgas nach der Eveleigh'schen Methode8) darstellen sollte. Es ist dieses Verfahren die bedeutendste Neuerung, welche in jüngster Zeit auf dem Gebiete der Leuchtgasfabrikation in größerem Maßstabe ausgeführt wurde. Das Princip desselben besteht bekanntlich darin, daß die Kohlen bei niederer Temperatur (schwacher Rothglut) destillirt werden. Das hierbei entstehende leichte Kohlenöl wird hierauf durch eine zweite Destillation vergast, so daß gleichzeitig bei regelmäßigem Betriebe Kohle und leichte Theeröle (von der vorhergehenden Destillation) destillirt und vergast werden.

Betrachtet man diesen Vorgang genauer, so läßt sich nicht läugnen, daß derselbe den theoretischen Untersuchungen mehr Genüge leistet, als die bisher gebräuchliche Methode der Gaserzeugung bei hoher Temperatur, wobei ja wieder Zersetzung der gebildeten Kohlenwasserstoffe unter Kohlenabscheidung stattfindet. Auch die Leuchtkraft eines bei niederer Temperatur erzeugten Gases muß größer sein, als des bei höherer Temperatur gewonnenen Gases. Bei diesem Verfahren kommt aber der wichtige Factor zu berücksichtigen, daß hierbei kein, oder besser gesagt, sehr wenig Theer als Nebenproduct der Leuchtgasfabrikation fällt. Die Retorten, in denen die Kohlen bei schwacher Rothglühhitze destillirt werden, sind halbkreisförmig, aus Gußeisen, und auf die gewöhnliche Art im Ofen angeordnet. Das Abzugsrohr für Gas und Oeldampf ist kurz und gleich am hinteren Ende der Retorte, damit der Oeldampf sich nicht rasch condensiren kann. Diese Abzugsröhren münden in eine Vorlage, worin der Theer sich condensirt und von wo das Gas durch die Reiniger in |128| den Gasometer geht. Auf diesem Wege mengt es sich mit jenem Gase, welches durch Vergasung des früher erhaltenen Kohlenöles erzeugt wird.

Diese Oelvergasung geschieht nun in einem eigenen Apparate, der aus drei Theilen besteht: Aus dem Verdampfer, d. i. eine kesselartige Retorte, in welche das Kohlenöl (leichter Theer) aus dem Sammelreservoir fließt und den Verdampfer bis zu einer gewissen Höhe füllt. In diesem Gefäße beginnt bei der niedersten Temperatur des ganzen Apparates, 800 bis 900° Fahrenheit (beiläufig 500° C.), die Verdampfung des Oeles. Die Oeldämpfe der leichteren Oele steigen in einem Rohre nach aufwärts in einen der Feuerung näher gelegenen Verdampfapparat, der durch eine Zwischenwand in zwei Abtheilungen getheilt ist und so die Dämpfe zwingt einen größeren Weg zurückzulegen. Die Temperatur in diesem Raume beträgt 1100° Fahrenheit (etwa 600° C.). Die hier sich bildenden und nicht vergasten schweren Oele fließen an dem unteren Ende des Apparates durch eine Röhre in den ersten Verdampfer zurück, von wo aus die schweren Oele überhaupt an der tiefsten Stelle abgelassen werden können. Aus dieser zweiten Abtheilung des Vergasungsapparates streichen die Gase und Dämpfe endlich in den letzten und heißesten Theil – nämlich in einen Cylinder, welcher mit glühenden Holzkohlen gefüllt ist und von den Feuergasen der Feuerung direct umspült wird. In diesem Apparate findet die vollständige Vergasung statt, und das erzeugte Gas wird unterhalb der auf einer siebartigen Scheidewand liegenden Kohlen durch ein Abzugsrohr in den Condensator geleitet, wo die nicht vergasten Oeldämpfe zurückgehalten werden, und von wo das Gas seiner weiteren Reinigung und Verwendung zugeführt wird. Das condensirte Oel wird abermals in den Destillationsapparat zurückgebracht. Wir sehen, daß das Theeröl den entgegengesetzten Weg der Feuergase macht.

Daß dieser Apparat complicirt und umständlich bei seiner Ueberwachung ist, geht aus der Beschreibung hervor. Die Ansichten über die Vortheile und Rentabilität dieser Methode der Leuchtgasfabrikation sind noch sehr getheilt. Jedenfalls scheinen die Angaben in dem Prospecte der Aussteller sehr sanguinisch zu sein, und man müßte staunen über das Verkennen des eigenen Vortheiles seitens der Leuchtgasfabriken, wenn sie sich gegen dieses Verfahren ablehnend benähmen, vorausgesetzt, daß die Angaben, die zu Gunsten des Eveleigh'schen Verfahrens gemacht werden, sich in der Praxis bewähren. Die HH. F. Keates und Professor W. Odling stellten auf Veranlassung der „Patent-Gas-Company“ mehrere Versuche im Großen in den Gasanstalten zu Barnet und Peckham, |129| wo diese Methode im Großen geübt wird, an, und gelangten zu folgenden Resultaten (vergl. Schilling's Journal für Gasbeleuchtung etc. 1873 S. 83).

„Die Quantität und Qualität des bei niedriger Temperatur aus der Gaskohle direct gewonnenen Gases (bei einer bei Tage noch sichtbaren Kirschrothhitze) ist eine bessere als bei der gewöhnlichen Leuchtgaserzeugung bei hoher Temperatur. Allein entgegen diesen Vortheilen stehen ein größerer Brennmaterial-Verbrauch (ungefähr 33 Procent der der Destillation unterworfenen Kohlenmenge) und ein höherer Arbeitslohn in Folge der länger dauernden Destillation. Das Gas besitzt durchschnittlich eine Lichtstärke von 20 Kerzen. Die Coaksausbeute zeigte wenig Differenz gegen die gewöhnliche Methode.

Viel ungünstigere Resultate ergibt die Vergasung des Kohlenöles. 20 Centner (1 Tonne) Oel benöthigten zu ihrer Vergasung 19 Centner Coaks und ergaben nur 6267 Kubikfuß Gas von 25 Kerzen Leuchtkraft und 14 1/2 Centner Theerpech; wobei bemerkt werden muß, daß 20 Centner Silkstone-Kohle bei der erwähnten Destillation 16,4 Gallons Oel neben 8587 Kubikfuß Gas liefern.“

Die genannten Forscher sprechen auf Grund dieser Thatsachen sich gegen die genannte Methode aus. Sie sagen: „Wir müssen somit gezwungen, uns gegen Eveleigh's Methode zur Erzeugung von Gas für größere Städte aussprechen, wenn auch vielleicht gewisse Ortslagen und Anlagen derselben Vorschub leisten könnten. Der Preis des Oelgases ist in Bezug zur Leuchtkraft ein hoher, und sein ganzer Effect bestand nur darin, das Kohlengas aus Silkstone-Kohle auf 23 bis 24 Neuner-Kerzen Leuchtkraft zu erhöhen. Bei steigender Hitze bemerkten wir immer Störungen im Apparate. Die Temperatur hat somit Einfluß auf den Gang der Methode. Verstopfungen der Abzugsröhren kamen nicht vor. Die Permanenz des Gases hielt sich unter sehr ungünstigen Umständen gut und blieb nicht hinter der des gewöhnlichen Kohlengases zurück.“

Es ist daher noch abzuwarten, wie diese jedenfalls interessante Methode weiter ausgebildet wird. Auf der Ausstellung präsentirte sie sich nicht im Festgewande. Die jetzt gebräuchliche Methode der Leuchtgas-Fabrikation aus Steinkohlen bei hoher Temperatur hat einen hohen Grad technischer Vollkommenheit erreicht, und es heißt, etwas wahrhaft Tüchtiges und Erprobtes bringen, soll dasselbe die jetzige Methode verdrängen.

Von den Apparaten zur Regulirung, Messung, Prüfung u.s.w. von gereinigtem, also zum Verbrauche gelangenden Gas hätten wir hier |130| nur den trockenen Regulator für 10 Flammen9), von S. Elster in Berlin zu erwähnen. Dieser Regulator in Verbindung mit den 10 Brennern gibt einen constanten Gasverbrauch.

Holzschnitt VI, Bd. 214, S. 130

Diese Regulatoren werden für 5 bis 250 Flammen fabricirt und können auch für noch mehr Flammen verwendet werden.

J. Z.

Druck und Verlag der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. Wien 1874. 41 S. mit 21 Holzschn. Preis 80 Neukreuzer.

|118|

Beschrieben in diesem Journal, 1869 Bd. CXCIII S. 385.

|120|

Vergl. dies Journal, 1872 Bd. CCV S. 305.

|120|

Vergl. dies Journal, 1867 Bd. CLXXXIV S. 122; 1870 Bd. CXCV S. 34.

|123|

Vergl. dies Journal, 1860 Bd. CLVIII S. 109; 1861 Bd. CLX S. 23; 1862 Bd. CLXIII S. 180; 1863 Bd. CLXVII S. 396 und Bd. CLXVIII S. 171; 1866 Bd. CLXXXII S. 245.

|125|

Vergl. dies Journal, 1863 Bd. CLXVIII S. 434; 1866 Bd. CLXXXII S. 245; 1869 Bd. CXCI S. 189; 1870 Bd. CXCV S. 522.

|125|

Dies Journal, 1863 Bd. CLXVIII S. 434.

|127|

Vergl. dies Journal, 1873 Bd. CCVIII S. 155.

|130|

Caseinenbrenner genannt, da derselbe in allen größeren Casernen des Deutschen Reiches eingeführt ist.

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