Titel: Zur einheitlichen Garnnumerirung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 87–88)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi01_13

Zur einheitlichen Garnnumerirung.**

Im Anschluß an unseren Bericht über den Wiener Congreß für einheitliche Garnnumerirung bringen wir nachstehend die Beschlüsse des Congresses, welcher vom 21. bis 24. September d. J. in Brüssel tagte und sich vornehmlich mit der Bestimmung eines Normal-Haspels beschäftigte.

Die Beschlüsse des Brüsser Congresses lauten:

„In Erwägung, daß die vielen verschiedenen Systeme der Garnnumerirung, welche gegenwärtig in Kraft sind, ein Hinderniß für Handel und Verkehr bilden, wie dies bereits der Wiener Congreß 1873 anerkannt hat;

in Berücksichtigung der allgemein anerkannten Nothwendigkeit, alle Arten von Garnen nach einem einzigen einheitlichen System zu numeriren;

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in der Annahme, daß das metrische System im Begriff das allein geltende für Maß und Gewicht zu werden und daher das einzige ist, welches für die beabsichtigte Reform zulässig erscheint;

in der Voraussetzung, daß es zwar möglich ist, für alle Sorten Garne Haspel von gleichem Umfang anzuwenden, daß aber die bestehenden Gebräuche und die Schwierigkeit diese abzuändern berücksichtigt werden müssen;

in Anbetracht, daß unter diesen Verhältnissen keine Veranlassung gegeben ist, die Haspelumfänge für jede Art von Garn gesetzlich festzustellen;

in Erwägung indessen, daß der Umfang des englischen Haspels für Baumwolle von 1,37 Meter (1 1/2 Yards) derjenige ist, dessen Annahme die meiste Aussicht bietet, England zur Anerkennung des metrischen Systemes zu veranlassen, beschließt der Congreß:

  • 1) Die internationale Garnnumerirung gründet sich auf das metrische System.
  • 2) Die Nummer des Garnes wird durch die Anzahl von Metern ausgedrückt, welche auf ein Gramm gehen; für die rohe und gezwirnte Seide findet eine Ausnahme laut Artikel 5 und 6 statt.
  • 3) Die Länge des Strähns (Schnellers, Echeveau) wird für alle Arten gehaspelter Garne auf 1000 Meter mit Decimal-Unterabtheilungen festgesetzt.
  • 4) Jede Art von Haspelung ist gesetzlich zulässig, insoferne sie tausend Meter Garn auf den Strähn (Schneller, Echeveau) ergibt.
  • 5) Die Numerirung der rohen und gezwirnten Seide ist auf die unveränderliche Einheit der Länge von 1000 Meter und die veränderliche Einheit des Gewichtes von einem Decigramm begründet.
  • 6) Für die Nummern-Scale der Seide wird, um den Handels-Usancen aller Seide cultivirenden Länder Rechnung zu tragen, das veränderliche Gewicht einer unveränderlichen Längeneinheit angenommen und die Sortir-Probe auf Längeneinheiten von 500 Meter zu 50 Milligramm Gewicht zugelassen.

Als nützlich und jedem anderen vorzuziehen empfiehlt der Congreß die Annahme des englischen Haspelumfanges von 1,37 Meter, bemerkt aber, daß nachstehende Haspelumfänge, welche gleichfalls im Gebrauch sind, dem metrischen System angepaßt werden können:

für Streichgarn 1,50 Meter mit 67 Umgängen
Kammgarn 1,37 73
Vigogne 1,37 73
Baumwolle 1,37 73
oder 1,4285 70
Flachs und Hanf 2 50
oder 1,25 80
Chappe (Bourre de soie
Floretseide)
1,25 80
oder 1,37 73

Zum Schluß sprach der Congreß einstimmig den sehr berechtigten Wunsch aus: diejenigen Regierungen, welche bereits das metrische System angenommen haben, möchten mit der größten Konsequenz und Energie darauf sehen, daß dasselbe auch bei allen Gelegenheiten in Handel und Verkehr streng durchgeführt und veraltete Usancen, die sich nicht damit vereinigen lassen, verpönt werden.

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Ueber den gegenwärtigen Stand der Garnnumerirungsfrage und der noch zu lösenden Aufgaben hat – als Vorlage für den Brüsseler Congreß – Dr. Max Weigert eine empfehlenswerthe Broschüre: „Die einheitliche Garnnumerirung“ herausgegeben. (Verlag von Leonhard Simion. Berlin 1874.)

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