Titel: Die Erkennung der Steinkohlentheerfarbstoffe; von H. Goldschmidt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 173–174)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi02_05

Die Erkennung der Steinkohlentheerfarbstoffe; von H. Goldschmidt.

Die aus dem Steinkohlentheer dargestellten Farben erhalten im Handel gewöhnlich eine solche Menge Namen, daß es dem Consumenten schwer wird zu erkennen, was für einen Körper er vor sich hat. Es ist jedoch nicht schwer, ein jedes Product seinem Ursprunge nach zu bestimmen. Die im Handel am häufigsten vorkommenden rothen Theerfarben sind: das Fuchsin, das Saffranin und das rothe Corallin. Diese drei Körper lassen sich sehr leicht durch ihr Verhalten gegen eine Säure unterscheiden. Die wässerige Lösung des Fuchsins wird nämlich dadurch gelb gefärbt, die des Saffranins blauviolett und aus der Corallinlösung wird ein orangegelber Körper niederschlagen.

Von violetten Farbstoffen kommen im Handel drei Arten vor: das Phenylviolett, das Jodviolett und das Methylviolett. Die beiden ersten Arten kommen theils nur im Weingeist löslich, theils auch wasserlöslich vor; das Methylviolett dagegen ist immer wasserlöslich. Wenn man einen violetten Farbstoff erkennen will, so löse man eine Probe in Weingeist auf und versetze mit Ammoniak. Wird die Lösung roth, so war der Farbstoff Phenylviolett; wird sie vollständig entfärbt, Jod- oder Methylviolett. Um zu erkennen, welches von beiden man vor sich hat, löse man etwas davon in Wasser und versetze mit Ammoniak. Jodviolett wird dadurch entfärbt und gibt eine klare Lösung, Methylviolett wird dagegen unter Trübung farblos.

Im Handel kommen gegenwärtig nur zwei blaue Theerfarben vor: das Anilinblau und das Alkaliblau. Letzteres ist immer wasserlöslich, während das Anilinblau in einer wasserlöslichen und in einer nur in Weingeist löslichen Modification vorkommt. Die zwei Farbstoffe lassen sich sehr leicht dadurch unterscheiden, daß Anilinblau immer eine blaue Lösung gibt, während die Lösung des Alkaliblaus farblos ist und erst durch Zusatz einer Säure blau wird.

Von grünen Anilinfarbstoffen findet man im Handel am häufigsten das Aldehydgrün, das Jodgrün mit Pikrinsäure. Bei der Untersuchung einer grünen Farbe gehe man folgendermaßen vor. Man untersucht, ob der Körper in Wasser leicht löslich ist. Löst er sich, so ist er Jodgrün. Im entgegengesetzten Falle löst man ihn in Weingeist und versetzt mit einer Lösung von Cyankalium. Wird die Lösung farblos, so hatte man es mit Aldehydgrün, wird sie dagegen braun, mit pikrinsaurem Jodgrün zu thun.

Die gebräuchlichsten gelben Farbstoffe sind die Pikrinsäure, ihre Salze und das Naphtalingelb; alle diese Körper sind in Wasser löslich. Bei der Prüfung eines gelben Farbstoffes gehe man so vor, daß man zuerst eine Probe in Wasser auflöst, mit einer Cyankaliumlösung versetzt und dann erhitzt. Wird die Flüssigkeit rothbraun, so war Pikrinsäure oder eines ihrer Salze vorhanden; wird sie dagegen nur etwas dunkler, so war Naphtalingelb da. Tritt der erste Fall ein, so muß man dann noch weiter untersuchen, ob man es mit reiner Pikrinsäure zu thun hatte oder mit einem ihrer Salze. Zu diesem Zwecke übergieße man eine Probe mit Benzin und erhitze. Löst sich der Körper darin, so ist er Pikrinsäure, wenn nicht, ein pikrinsaures Salz.

Die gewöhnlichsten orangegelben Steinkohlentheerfarbstoffe sind das gelbe Corallin, die Salze des Chrysanilins und Chrysotoluidins und das Victoriaorange, sowie ein Gemenge von Naphtalingelb und Fuchsin, welches ebenfalls unter dem |174| Namen Anilinorange vorkommt. Bei der Untersuchung eines orangegelben Farbstoffes verfährt man, wie folgt. Man übergießt eine Probe mit Ammoniak; löst sie sich darin mit rother Farbe, so hat man entweder Corallin oder eine Chrysanilinverbindung vor sich. Um diese zu unterscheiden, löst man etwas der fraglichen Substanz in Weingeist und gibt zur Lösung Zink und verdünnte Schwefelsäure. Wird die Flüssigkeit entfärbt, so war der Körper Corallin, behält sie aber die Farbe, so war er eine Chrysanilinverbindung. Tritt durch Ammoniak keine rothe Färbung ein, so muß man die Farbe in Wasser auflösen und mit einer Säure versetzen; entsteht dadurch keine Veränderung, so hat man es mit einer Chrysotoluidinverbindung zu thun, entsteht aber ein Niederschlag, mit Victoriaorange oder der Mischung. Man nehme zur Unterscheidung dieser Stoffe etwas der wässerigen Lösung und versetze diese mit Cyankaliumlösung. Wird nach dem Erhitzen die Flüssigkeit braun, so hat man Victoriaorange vor sich, wird die Farbe nur wenig verändert, das Gemenge von Naphtalingelb mit Fuchsin.

Die wichtigsten braunen Theerfarben sind das Anilinbraun, das Marron, das Grenat, und 2 Arten Phenylbraun, nämlich das aus Carbolsäure und das aus Phenylendiamin dargestellte. Man versuche bei einer Untersuchung erst, ob die Substanz in Wasser löslich ist; wenn nicht, so versetze man die Lösung mit Salzsäure; wird sie dadurch gelb gefärbt, so hat man Marron vor sich. Bringt die Säure keine Veränderung hervor, so versetze man etwas von der Lösung mit Ammoniak; bewirkt dieser einen Niederschlag, so ist die fragliche Substanz Anilinbraun oder das aus Phenylendiamin bereitete Phenylbraun; bleibt er wirkungslos, so ist sie Grenat (isopurpursaures Kali). Phenylbraun und Anilinbraun sind dadurch zu unterscheiden, daß letzteres mit Cyankalium einen Niederschlag gibt, während Phenylbraun durch dieses Reagens nicht verändert wird. (Musterzeitung 1874, S. 68.)

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