Titel: Meunier's Heißluftballon.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 254)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi03_01

Meunier's Heißluftballon.

Die schwierige und oft unmögliche Beschaffung der zur Füllung eines Gas-Ballons erforderlichen Gasmengen hat H. Meunier veranlaßt, bei seinem für militärische Zwecke bestimmten Ballon, welcher jetzt den englischen Militärbehörden zur Prüfung vorliegt, die ursprüngliche Idee der Begründer der Luftschifffahrt – Brüder Montgolfier – wieder aufzunehmen und seinen Ballon mit erwärmter Luft zu füllen. Zu diesem Zwecke hat der kugelförmige Versuchsballon von 21,3 Meter Durchmesser am unteren Ende, oberhalb der mit Stricken aufgehängten Gondel, eine Zinnplatte eingesetzt, welche in der Mitte einen großen Paraffinbrenner enthält, über dem sich ein 1,2 Meter weiter Kamin aus dünnem Kupferblech bis zu 7,6 Meter Höhe im Inneren des Ballons erhebt.

Der Brenner besteht aus einem hohlen, unten und oben geschlossenen cylindrischen Ring, in dessen untere sackartige Erweiterung aus kleinen ringsum angebrachten Reservoirs das Oel zuströmt. Der obere Theil des Brenners ist mit zahlreichen kleinen Oeffnungen durchbrochen und unterhalb derselben ein ringförmiger Docht angebracht, welcher zur Inbetriebsetzung des Apparates zunächst angezündet werden muß. Die hierdurch entstehende Hitze entwickelt im Inneren des cylindrischen Ringes Paraffindämpfe, welche aus den oben befindlichen Oeffnungen austretend sich mit heftigem Geräusch entzünden und eine continuirliche Flamme erzeugen. Die Verbrennungsproducte steigen durch den Kamin ins Innere des Ballons und erfüllen denselben so rasch mit erwärmten Gasen, daß nach einer halben Stunde bereits das Erheben des Ballons möglich sein soll. Damit hierbei die aus dem Kamin entsteigenden heißen Gase nicht direct wider die Decke des Ballons geleitet werden, ist die obere Oeffnung des Kamines mit Drahtgeflechte und einer Asbestdecke überzogen.

Zur praktischen Verwendung des Ballons bei einem Armeecorps ist es möglich, die gesammte Hülle nebst dem Brenner und Kamin in die Gondel zu packen, und diese selbst mit Rädern zu versehen, damit sie wie ein gewöhnlicher Wagen transportirt werden kann. Zur Ingangsetzung des Ballons, welcher übrigens als ballon captif an einem wohlverankerten Seile aussteigen soll, hat dann nichts weiter zu geschehen, als daß ein gewisses Quantum Luft in die Hülle eingepumpt und hierauf die Paraffinlampe entzündet wird.

Fr.

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