Titel: Edison's Elektro-Motograph.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 254–255)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi03_02
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Edison's Elektro-Motograph.

Thomas A. Edison in Newark, N. J., berichtet in einem vom August 1874 datirten (auch im Telegraphic Journal, Nr. 40 S. 231 abgedruckten) Briefe an den Scientific American über eine von ihm gemachte Beobachtung, welche auch für die Telegraphie von Bedeutung sein könnte. Er beobachtete nämlich eine eigenthümliche (scheinbare) Bewegung des Schreibstiftes bei dem Bain'schen elektrochemischen Telegraphen. Bei der Nachforschung darüber, ob die Bewegung des Stiftes der Reduction des Bleies durch den Wasserstoff zu einem das Papier schlüpfrig machenden Pulver zuzuschreiben sei, oder ob die Oberfläche des Bleies durch die Absorption des Wasserstoffes in ähnlicher Weise wie Palladium verändert würde, oder ob die Erscheinung eine Wirkung der Gase sei, welche unter dem Stift entwickelt würden und zu entweichen strebten, fand Edison, daß Platin mit schwefelsaurem Chinin dieselbe Bewegung veranlasse. Zu seiner Ueberraschung bemerkte er eine Veränderung des Papieres durch die Elektrolyse. Zur Prüfung dieses Umstandes nahm er auf einem von Washington in sein Laboratorium in Newark geführten Drahte der „Automatic Telegraph Company“ ein langes Telegramm mit der Geschwindigkeit von 800 Wörtern pro Minute auf einem in gewöhnlicher Weise chemisch präparirten Papierstreifen auf; die farbigen Punkte und Striche erschienen aber nur schwach. Darauf ließ er den Streifen durch den Elektro-Motograph gehen, wobei die farbigen Zeichen in einer geraden Linie mit dem Blei-Stifte lagen. Wenn da keine gefärbte Stelle unter dem Bleischreibstifte war, so wurde der Stift durch die Reibung vom Papier beim Umlaufen der Rolle mitgenommen. Sobald unter dem Stifte eine farbige Stelle hinweg ging, glitt die Bleispitze auf dem Papiere wie auf Eis, da die Reibung wesentlich kleiner war, und die Spitze bewegte sich in entgegengesetzter Richtung zur umlaufenden Rolle. Dabei war keine Batterie eingeschaltet. Die Elektrolyse bewirkt also eine Veränderung des Papieres.

Bei Benützung einer Zinnspitze beim Aufnehmen eines von Washington kommenden Telegrammes fand Edison, daß, obgleich keine farbigen Zeichen auf dem Papiere zu sehen waren und das Papier unverändert schien, doch beim Durchgang des Papieres durch das Instrument die Bewegung des Schreibstiftes noch deutlicher als zuvor zu bemerken war. Beim Aufnehmen des Telegrammes mit einem Blei-Stifte erhielt Edison nicht so gute Resultate, obgleich Blei unter den 12 versuchten Metallen obenan stand. Dann folgt Thallium. Auf einem mit wässeriger Lösung von Pyrogallussäure befeuchtetem Papiere ist Zinn so gut wie Thallium. Unter allen bis jetzt versuchten Flüssigkeiten lieferte Kalihydrat die deutlichsten Resultate; ihm zunächst steht schwefelsaures Chinin, dann Rosanilin oxydirt und durch salpetrige Säure farblos gemacht. Bei der Chininlösung zeigt Platin eine Wirkung, wenn entweder Sauerstoff oder Wasserstoff an seiner Oberfläche entwickelt wird. Bei Wasserstoff vermindert sich die Reibung, wie bei allen anderen Metallen, bei Sauerstoff dagegen wächst die Reibung. Das ist so bei allen oxydabeln Metallen; doch erscheint es befremdend, daß es bei einem Metalle geschieht, auf welches die sich entwickelnden Gase nicht einwirken. – Bei einer Bleispitze und einer Lösung von Bromchloral vermehrt die Wasserstoffentwickelung die Reibung auf dem Papier ungewöhnlich stark. – Silber zeigt selten eine Wirkung, und dann eine sehr schwache, mit irgend einer Lösung. – Schwefelsäure zeigt die geringste Bewegung bei irgend welchem Metall.

Aus welchem Metalle die die eine Elektrode bildende Rolle besteht, scheint gleichgiltig zu sein.

Es gelang Edison, eine Schließung eines Localstromes mittels des Schreibstiftes unter Anwendung eines Stromes zu ermöglichen, welcher weder mit Jodkalium, befeuchtetes Papier zu färben, noch eine gewöhnliche Galvanometer-Nadel zu bewegen vermochte. Ebenso kann man die Telegramme noch nach dem Gehör lesen, wenn auch der empfindlichste Elektromagnet keinen Strom andeutet. Zugleich gibt aber der Elektro-Motograph zu keinen Extraströmen Anlaß. Edison war im Stande mit einer Geschwindigkeit von 650 Wörtern pro Minute zu arbeiten; daher würde sich der Elektro-Motograph besonders als Relais für automatische Telegraphen eignen. Doch könnte er auch als Farbschreiber arbeiten, wenn man an dem Schreibstiftende ein Farbscheibchen anbrächte.

E–e.

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